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Was ist die Aufgabe des IWF?

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2009-08-21

BERKELEY – Der Internationale Währungsfonds war einer der wenigen Nutznießer der globalen Wirtschaftskrise. Noch vor zwei Jahren war er verkleinert worden und ernsthafte Menschen fragten sich, ob man ihn nicht ganz abschaffen sollte. Seitdem ist die Nachfrage nach IWF-Darlehen gestiegen, und die Mitglieder haben sich auf eine Verdreifachung der Mittel geeinigt. Der Fond hat die Genehmigung bekommen, zusätzliche Mittel durch den Verkauf eigener Anleihen zu beschaffen. Es wimmelt dort jetzt nur so vor Aktivität.

Aber die Krise wird nicht ewig dauern, und die Kritiker des IWF sind derweil nicht verschwunden, sie sind lediglich vorübergehend verstummt. Der Fond stachelt ihre Kritik nur noch mehr an, indem er es versäumt, seine Rolle zu definieren. Und das muss er tun, solange er in der Welt noch einen guten Stand hat.

Die wichtigste Aufgabe des IWF ist es, Länder zu unterstützen, die aufgrund innenpolitischer Umstände in eine Zahlungsbilanzkrise geraten sind. Den Regierungen dieser Länder bleibt keine andere Wahl, als ein Darlehen vom IWF zu beantragen. Um ihre Mittel sicherzustellen, d. h., um sicherzugehen, dass die Aktionäre ihr Geld zurückbekommen, muss der Fond schwierige politische Maßnahmen von seinen Schuldner fordern.

Das Problem ist, dass sich der IWF die Rhetorik seiner Kritiker zueigen gemacht hat, als er zustimmte, seine Bedingungen zu rationalisieren. Wenn Strukturschwäche die Ursache der Probleme ist, sollte der Fond seine Unterstützung allerdings weiterhin an die Bedingung der strukturellen Anpassungen knüpfen. Indem er in diesem Punkt in seinem Bemühen, Freunde zu gewinnen, scheinbar nachgab, hat er unnötig Verwirrung gestiftet.

Eine zweite Aufgabe des IWF ist es, als globaler Reservenpool zu fungieren. Länder häufen große Währungsreserven an, um sich gegen Krisen zu schützen. Das ist teuer für arme Länder, die die Mittel besser für Investition und Konsum ausgäben. Leider bestärkt die kürzliche Demonstration der Unbeständigkeit der globalen Finanzmärkte nur noch den Trend zur Anhäufung von Reserven.

Es wäre viel effizienter, die Reserven von Ländern, die sie zu unterschiedlichen Zeiten benötigen, zu bündeln. Der IWF ist in diese Richtung gegangen, indem er einen kurzfristigen Liquiditätskredit eingerichtet hat, über den Länder mit durchgreifender Politik maximal des Fünffache ihrer Einlage ohne Bedingungen als Darlehen in Anspruch nehmen können. Aber dieses Instrument ist immer noch an ein beschwerliches Antragsverfahren geknüpft, das bisher nur Mexiko, Kolumbien und Polen bereit waren, zu über sich ergehen zu lassen.

Diese Vorgehensweise war berechtigt, solange die Mittel des IWF begrenzt waren, und als das Antragsverfahren dem Fond gestattete, seine Verbindlichkeiten zu begrenzen. Aber mit der Verdreifachung der Mittel gilt dieses Argument nicht länger. Der IWF sollte kategorisch ankündigen, welche Länder sich für den Kredit qualifiziert haben und sie automatisch zu Mitgliedern im Pool machen.

Die dritte Aufgabe des IWF ist die eines höchst vorsichtigen Aufsichtsorgans. Die jüngsten Ereignisse haben deutlich gemacht, dass man die Gefahren für die globale Finanzstabilität antizipieren und vor ihnen warnen muss. Der G-20 schlägt vor, dass das Financial Stability Board (FSB), das aus nationalen Aufsichtsbehörden besteht, bei diesen Aufgaben die Führung übernehmen sollte. Der Fond soll dabei über seine Frühwarnsysteme und die gemeinsamen Beurteilungen des Finanzsektors mit der Weltbank nur eine Nebenrolle spielen.

Warum aber der FSB in diesem Prozess die Federführung übernehmen soll, ist nicht klar. Der IWF mit seiner globalen Mitgliedschaft ist weitaus repräsentativer und hat mehr Fachpersonal.

Nationale Aufsichtsbehörden geben ihre Verantwortung mitunter nur widerstrebend an eine multilaterale Organisation ab. Das ist jedoch kurzsichtig. Finanzmärkte und Institutionen mit globalem Einfluss brauchen globale und höchst vorsichtige Aufsichtsbehörden, nicht nur ein unverbindliches Kollegium von Aufsichtspersonen. Aber vielleicht trauen nationale Politiker dem IWF nicht, schließlich hat er im Grunde die globale Finanzkrise verpasst. Wenn dem so ist, muss der Fond ihr Vertrauen zurückgewinnen.

Das bringt uns zur vierten Aufgabe des IWF, nämlich seine ideale Plattform zu nutzen, um vor Risiken zu warnen, die durch die Politik großer Länder hervorgerufen wird. Kleine Länder müssen sich den Kräften des Marktes unterwerfen, davon kann jeder Lette ein Lied singen. Wenn aber große Länder, deren Währungen in der ganzen Welt verwendet werden, mehr Mittel benötigen, drucken sie einfach mehr Geld. Sie unterwerfen sich nicht den Kräften des Marktes, und damit nicht genug, sie müssen sich auch nicht den Bedingungen des IWF unterwerfen, da sie nicht vom Fond leihen müssen.

Aber, wie uns das Desaster mit den Sub-Prime-Hypotheken lehrt, kann die Politik großer Länder das globale Finanzsystem gefährden. Der Fond wollte die Hand, die ihn nährt, nicht beißen und hielt sich daher bei solchen Gelegenheiten mit deutlichen Warnungen bisher zurück. Aber wenn der IWF eine Zukunft haben soll, muss er beim nächsten gefährlich hohen Leistungsbilanzdefizit der USA, dem nächsten unhaltbaren Immobilienboom, und welches Problem eines großen Landes demnächst auch immer ansteht, deutlichere Warnungen aussprechen. Man muss die Dinge beim Namen nennen.

Schließlich muss der IWF die Reform des internationalen Finanzsystems koordinieren. Wenn langfristig eine supranationale Einheit, das Sonderziehungsrecht, die nationalen Währungen im internationalen Geldverkehr ersetzen soll, muss der Fond bei dieser Entwicklung federführend sein. Wenn in der Übergangsphase Überbrückungsmaßnahmen erforderlich sind, muss der Fond auch hier maßgeblich beteiligt sein.

Bisher kamen die innovativen Ideen für die Reform des internationalen Finanzsystems allerdings von den Vereinten Nationen, 10 Downing Street und der Volksbank von China. Der Fond hat sich hauptsächlich durch Schweigen hervorgetan.

Die Krise ist noch nicht vergessen, aber das Fenster schließt sich. Das nächste Treffen des IWF-Direktoriums wird Anfang Oktober in Istanbul stattfinden. Sollte der Fond bis dahin keine klare Vision seiner eigenen Zukunft vorweisen können, hat er die Gelegenheit verpasst.

Barry Eichengreen ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Kalifornien, Berkeley

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AUTHOR INFO

Barry Eichengreen is Professor of Economics and Political Science at the University of California, Berkeley. His most recent book is Exorbitant Privilege: The Rise and Fall of the Dollar.