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Keine Krise für den Euro

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2008-11-25

BERKELEY – Die globale Finanzkrise hat uralten Streitfragen über den drohenden Untergang des Euros wieder neues Leben eingehaucht. Bei solchen Streitigkeiten wird häufig Milton Friedman zitiert, der 1998 warnte, dass Europas Bindung an den Euro durch den ersten ernsthaften Wirtschaftsabschwung auf die Probe gestellt werden würde. Diesen Abschwung haben wir jetzt, doch sind die Ergebnisse das genaue Gegenteil von dem, was Friedman vorausgesagt hat.

Die Arbeitslosigkeit steigt – und mit ihr die populistische Meinungsmache. In Ländern wie Italien, das bereits unter der chinesischen Konkurrenz zu leiden hat, und Spanien, das derzeit eine massive Immobilienpleite erlebt, wird das Leiden äußerst schmerzhaft sein. Dennoch zeigt sich keines der beiden Länder geneigt, den Euro aufzugeben.

Sie wissen, dass selbst ein Flüstern über diese Möglichkeit die Investoren in Panik versetzen würde. Sie sehen, dass Länder wie Dänemark, die ihre eigene Währung behalten haben, gezwungen sind, die Zinssätze anzuheben, um ihren Wechselkurs zu schützen, während die Notenbank der Vereinigten Staaten und die Europäische Zentralbank ihre Zinssätze senken. Sie sehen, dass sie eine Kapitalflucht erleben würden, wenn sie noch die Lira oder Peseta hätten. Sie wissen, dass sie zum schlimmstmöglichen Zeitpunkt eine Währungskrise der alten Art abwehren müssten. Und sie wissen das hohe Maß an Stabilität und Sicherheit zu schätzen.

Ebenso gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich das Euro-Kollaps-Szenario bewahrheiten würde, nach dem diese Länder erfolgreich Druck auf die EZB ausüben würden, die Inflation in die Höhe zu treiben, und somit Deutschland zwängen, den Euro aufzugeben. Die durch ihre gesetzlich verankerte Unabhängigkeit und ein Mandat zur Preisniveaustabilität geschützte EZB zeigt sich nicht geneigt, dem Druck von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy oder irgendjemand anderem nachzugeben.

Man kann behaupten, dass das Schlimmste erst noch kommt, dass höhere Inflation und Arbeitslosigkeit auf uns warten und dass der Euroraum, wenn dies eingetroffen ist, zusammenbrechen wird. Euroskeptiker führen dieses Argument immer an. Doch angesichts der jüngsten Ereignisse sind sie es jetzt, die die Beweislast tragen.

Was weder Friedman noch irgendjemand anders 1998 vorhersah, war, dass der erste ernsthafte Wirtschaftsabschwung nach der Euroeinführung mit der Mutter aller Finanzkrisen zusammenfallen würde. Der Ansturm panischer Investoren auf die Banken hat dazu geführt, dass die Zentralbanken ihre Rolle als Kreditgeber der letzten Instanz in noch nie dagewesenem Ausmaß wahrnehmen mussten. Umfangreiche Kreditausfälle haben teure Operationen zur Sanierung der Banken erforderlich gemacht.

Es gab Vorhersagen, dass Regierungen, die durch die Finanzkrise an die Grenze ihrer Belastbarkeit gerieten, den Euro als Reaktion darauf aufgeben könnten. Sie könnten von der Inflationssteuer Gebrauch machen und ihren Bankensystemen und Finanzmärkten durch Finanzspritzen in der nationalen Währung wieder zu Liquidität verhelfen.

Tatsächlich war die Reaktion das Gegenteil. Die EZB hat den Finanzsystemen des Euroraums im Grunde unbeschränkte Liquiditätsmengen bereitgestellt. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde gelockert, um die Kreditaufnahmekapazität der einzelnen Staaten zu steigern, damit sie ihre Banken mit Kapital versorgen können.

Gerade die europäischen Länder außerhalb des Euroraums, die weiterhin ihre eigenen Währungen haben, waren mit den größten Schwierigkeiten konfrontiert. Da ihre Währungen international nicht weit verbreitet sind, sind viele ihrer Bankverbindlichkeiten in Euro. Das macht sie von Zinssatzerhöhungen abhängig, um über den Markt oder über Währungsswaps mit der EZB die Euroliquidität zu gewinnen, die ihre Banken dringend brauchen. Bisher waren diese Swaps verfügbar, aber mit Verzögerungen und politischen Auflagen.

Die Konsequenz liegt auf der Hand. Nationale Bankensysteme brauchen einen Kreditgeber der letzten Instanz. In kleinen Ländern, wo ein bedeutender Anteil der Bankverpflichtungen in Fremdwährungen besteht, verfügt die nationale Zentralbank nicht über diese Fähigkeit. Die einzigen Optionen bestehen dann darin, dem Bankensystem drakonische Kontrollen aufzuerlegen oder dem Euroraum beizutreten.

Angesichts der Schwierigkeit, die Finanzuhr zurückzudrehen und die Einschränkungen des Binnenmarkts zurückzunehmen, steht fest, in welche Richtung die europäischen Länder voranschreiten werden. In Dänemark und Schweden kann man bereits einen Umschwung der öffentlichen Meinung in Richtung Euroeinführung feststellen. Polen hat seine Entschlossenheit, den Euro einzuführen, wiederholt. Ungarn wird dies angesichts seines Traumas nach einem IWF-Programm sicher ebenso halten.

Selbstverständlich wird die Krise ökonomisch und finanziell eine Herausforderung für Osteuropa. Sie wird die Schwierigkeit erhöhen, die Konvergenzkriterien für die Euroeinführung zu erfüllen. Aber sie wird auch den Willen zum Erfolg stärken.

Die Folge ist daher ein größerer Euroraum, nicht ein kleinerer, da immer mehr Länder die Warnzeichen sehen. Es gibt sogar bereits Anzeichen dafür, dass Länder, die nicht einmal in der Europäischen Union sind, vor allem Island und die Schweiz, einen Beitritt als Schritt zur Euroeinführung in Erwägung ziehen, um ihr Finanzdilemma zu lösen.

Die einzige Ausnahme stellt wahrscheinlich Großbritannien dar, dessen Währung als Erbe seiner Geschichte international verwendet wird. Großbritannien stand ohnehin stets mit einem Bein in Europa und mit dem anderen draußen. Es ist daher vorstellbar, dass Europa langfristig zwei Währungen haben wird, den Euro und das Pfund Sterling. Doch kommen drei Währungen, geschweige denn drei Dutzend, nicht infrage.

Barry Eichengreen ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of California in Berkeley.

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alexferro 09:08 04 Dec 08

And the pound is inded a world reserve currency, just like the Euro, which the others are not. Your valid argument lessens the risk of some wild movet o "everybody to themselves."



AUTHOR INFO

Barry Eichengreen is Professor of Economics and Political Science at the University of California, Berkeley. His most recent book is Exorbitant Privilege: The Rise and Fall of the Dollar.