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Angebot oder Nachfrage?

CHICAGO – In der Wirtschaft dreht sich alles um Angebot und Nachfrage. Normalerweise sind beide ausgeglichen und wenn nicht, nähern sie sich durch starke Kräfte einander an. Angesichts der hohen und anhaltenden Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten stellt sich jedoch eine reelle Frage nach dem Wesen des Problems: Ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu gering oder gibt es Probleme beim Angebot?

Die Regierung von Präsident Barack Obama geht offenbar davon aus, dass das Problem nachfragebedingt ist und hat eine Konjunkturmaßnahme nach der anderen beschlossen, die Steuern gesenkt und Transferleistungen und Staatsausgaben erhöht, um den Konsum und Investitionen anzukurbeln. Die US-Notenbank scheint einer ähnlichen Auffassung zu sein und hält nicht nur die kurzfristigen Zinsen extrem niedrig, sondern verfolgt eine abenteuerliche Politik hinsichtlich der langfristigen Zinsen. Einigen progressiven Ökonomen ist das noch nicht genug.

Warum ist es dieser Politik bisher nicht gelungen die Arbeitslosigkeit zu verringern, obwohl sich das Wachstum bereits erholt? Die progressiven Wirtschaftswissenschaftler sagen, dass die Konjunkturmaßnahmen funktioniert und eine wesentlich tiefere Rezession – wenn nicht Schlimmeres – abgewendet haben, die Maßnahmen jedoch zu zaghaft waren, um für eine kräftige Erholung zu sorgen.

Die konservativen Ökonomen entgegnen, dass es eben gerade am freizügigen Umgang der Regierung mit dem Geld der Steuerzahler liegt, dass die Haushalte, in Furcht vor zukünftigen Steuern, eine abwartende Haltung einnehmen und vermehrt sparen. Zudem hat die zunehmend aktivistische Regierung bei Unternehmen für Unsicherheit im Hinblick auf zukünftige regulatorische und steuerpolitische Maßnahmen gesorgt, die sich deshalb bei Investitionen in Zurückhaltung üben.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Staatsausgaben – besonders für Arbeitslosenunterstützung, Hilfen für die Bundesstaaten und einige Bauvorhaben – haben vermutlich dazu beigetragen, einen noch heftigeren Abschwung abzuwenden, aber anhaltend rote Zahlen beunruhigen die Haushalte, die ebenfalls versuchen ihre Ersparnisse wieder aufzubauen und die Schulden nach dem Kaufrausch abzubauen. Die in Bereichen wie etwa dem Gesundheitswesen entstandene regulatorische Unsicherheit erschwert es nicht nur der Gesundheitsindustrie langfristige Investitionsentscheidungen zu fällen, sondern auch den Unternehmen langfristige Arbeitsverträge abzuschließen.

Bevor wir ein überstürztes Urteil über die gegenwärtige Politik fällen, sollten wir uns den Trend in den USA bei der Erholung von langsamem Beschäftigungszuwachs in der jüngeren Vergangenheit vergegenwärtigen. Von 1960 bis 1991 erfolgte die Erholung von Rezessionen normalerweise zügig. Ausgehend von der Talsohle der Rezession konnte die Wirtschaft die Arbeitsplatzverluste durchschnittlich in acht Monaten wettmachen. Die Erholung von den Rezessionen der Jahre 1991 und 2001 ist ganz anders verlaufen. So dauerte es etwa im Jahr 2001 nur ein Quartal bis sich die Wirtschaftsleistung, aber 38 Monate bis sich der Arbeitsmarkt erholt hatte.

Erklärungen gibt es in Hülle und Fülle. Einige Wirtschaftswissenschaftler behaupten, dass die Arbeitsplatzverluste, die 1991 einsetzten dauerhafter waren als bei vorherigen Rezessionen, in denen Arbeitskräfte einer Branche entlassen wurden, nur um bei Beginn der Erholung wieder eingestellt zu werden. Die Lage hat sich durch die abwartende Haltung der Unternehmen bis zur Rezession verschärft, in der schwierige Entscheidungen über die Schließung nicht tragfähiger Betriebe und den Abbau von Stellen getroffen wurden. Infolgedessen mussten sich Arbeitslose Jobs in neuen Branchen suchen, was länger dauerte und Umschulungen voraussetzte.

Andere meinen, dass es das Internet Unternehmen erleichtert hat Arbeitsplätze schneller zu besetzen. Anstatt also bei den ersten Anzeichen einer Erholung panikartig Arbeitskräfte einzustellen − aus Angst, dass es später nicht mehr möglich sein wird und sie Umsatzeinbußen hinnehmen müssen − würden die Unternehmen heute eher sichergehen, dass sich die Erholung durchgesetzt hat bevor sie Neueinstellungen vornehmen. Daher heute auch die Zunahme befristeter Arbeitsverträge.

Unabhängig davon, welche Erklärung die richtige ist, lässt die Entwicklung von Rezessionen der jüngeren Vergangenheit darauf schließen, dass wir uns nicht wundern müssen, dass sich die Arbeitsmarkterholung hinzieht. Bei einem Aspekt des Problems ist es dieses Mal allerdings anders: Entlassungen im Baugewerbe. Hier finden sich eine weitere Erklärung für die zögerliche Erholung am Arbeitsmarkt, sowie eine heilsame politische Lehre.

Beim letzten Aufschwung sind wesentlich mehr Arbeitsplätze im Baugewerbe entstanden, da die Investitionen im Wohnungsbau als Teil des BIP von 1997 bis 2006 um 50% gestiegen sind. Wie mein Kollege Erik Hurst und seine Mitautoren gezeigt haben, tendierten die Bundesstaaten, die von 2000-2006 den größten Zuwachs im Baugewerbe als Teil des BIP verbuchen konnten, in den Jahren 2006-2009 in dieser Branche zur größten Schrumpfung. Außerdem tendierten diese Bundesstaaten zwischen 2006 und 2009 zum höchsten Anstieg der Arbeitslosenquote.

Zu den Arbeitslosen zählen nicht nur Bauarbeiter, sondern auch Beschäftigte aus nebengeordneten Berufen wie Makler und Bankangestellte, sowie all jene, die an Häusern arbeiten wie etwa Installateure und Elektriker. Die Arbeitsplatzeinbußen erstrecken sich also weit über das Baugewerbe hinaus.

Es ist schwer zu glauben, dass eine Erhöhung der Gesamtnachfrage den Wohnungsmarkt – der, erinnern wir uns, von Visionen stetig steigender Preise getragen wurde, die heute wohl kaum jemand hegt – ausreichend in Schwung bringen wird, um all diese Arbeitskräfte wieder zu beschäftigen. Hurst schätzt, dass diese „strukturelle“ Arbeitslosigkeit bis zu drei Prozentpunkte der Arbeitslosigkeit insgesamt ausmachen könnte. Mit anderen Worten, wenn da nicht das Baugewerbe wäre, würde sich die Arbeitslosenquote in den USA auf 6,5% belaufen – eine weitaus bessere Lage als heute.

Die politischen Entscheidungsträger sollten sich daran erinnern, dass der Immobilienboom von einer lockeren Geldpolitik geschürt wurde, die bestrebt war das Wachstum auf dem Arbeitsmarkt auszudehnen während sich die USA von ihrer letzten Rezession erholten. Tatsächlich sank die Zahl der High-School-Abschlüsse in Las Vegas, als junge Leute die Schule verließen, um reichlich vorhandene Jobs als ungelernte Hilfsarbeiter im Baugewerbe anzutreten. Bei diesen unqualifizierten Arbeitslosen ist die Arbeitslosenquote heute über dreimal so hoch wie bei College-Absolventen. Es wird sehr schwer für sie sein, sich wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

Die Lehre für politische Entscheidungsträger ist eindeutig: Anstatt ständig zu versuchen die Ausgaben zu erhöhen und potenziell Probleme für die Zukunft zu schaffen, besteht eine nachhaltigere Methode das Wachstum auf dem Arbeitsmarkt zu fördern darin, für eine „Neuqualifizierung“ der Arbeitslosen zu sorgen, insbesondere jener, die im Baugewerbe und nebengeordneten Tätigkeiten beschäftigt waren. Ein qualifizierteres Arbeitskräfteangebot wird   letzten Endes eine gesündere und nachhaltigere Nachfrage erzeugen.

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