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Sympathie für Greenspan

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2009-06-26

BERKELEY: In den Kreisen, in denen ich mich bewege, herrscht nahezu einhellige Übereinstimmung, dass Amerikas Währungsbehörden drei schwere Fehler gemacht haben, die zur Finanzkrise beigetragen und diese verschlimmert haben. Dieser Konsens wird nahezu immer durch Erklärungen eingeschränkt, dass die USA zumindest seit der Amtszeit Paul Volckers mit ihren Notenbankchefs gut bedient gewesen seien, und dass all jene von uns, die nie auf diesem Stuhl saßen, wüssten, dass wir selbst schlimmere Fehler gemacht hätten. Trotzdem herrscht Einigkeit, dass die politischen Entscheidungsträger in den USA irrten, als

·    die Entscheidung fiel, eine grundsatzbasierte Regulierung aufzugeben und dem Schatten-Bankensektor zu gestatten, Fremdkapitalisierung und Vergütungsprogramme auszuweiten, in dem Glauben, die staatliche Garantie für das System der Geschäftsbanken reiche aus, uns Ärger zu ersparen;

·    Fed und Finanzministerium, nachdem wir einmal in Schwierigkeiten waren, entschieden, AIG zu verstaatlichen und seine Rechnungen zu bezahlen, statt seine Geschäftspartner zu unterstützen, was den Financiers erlaubte, so zu tun, als wären ihre Strategien im Wesentlichen solide gewesen;

·    Fed und Finanzministerium entschieden, Lehman Brothers unkontrolliert in Konkurs gehen zu lassen, um den Financiers beizubringen, dass es nicht ohne Risiken ist, einen schlecht kapitalisierten Geschäftspartner zu haben, und dass man nicht erwarten könne, dass die Regierung einem automatisch zur Hilfe kommt.

Es gibt jedoch eine lebhafte Debatte darüber, ob es noch einen vierten großen Fehler gab: Alan Greenspans Entscheidung in den Jahren 2001-2004, den Nominalzins auf US-Schatzanleihen weit nach unten zu drücken und dort zu halten, um die Wirtschaft in der Nähe der Vollbeschäftigung zu halten. Mit anderen Worten: Hätte Greenspan die Zinsen höher halten und eine Rezession auslösen sollen, um das Wachstum der Häuserblase zu verhindern?

Wenn wir die Zinsen in die Höhe drücken, so dachte Greenspan damals, werden Millionen von Amerikanern ihre Arbeit verlieren, und niemand hat davon einen Nutzen. Erlaubt man, dass die Zinsen fallen, werden diese zusätzlichen Arbeitnehmer beschäftigt, um Häuser zu bauen und Dinge herzustellen, die man dann an all die Leute verkaufen kann, deren Einkommen aus dem Bausektor kommt.

Vollbeschäftigung ist besser als hohe Arbeitslosigkeit, so Greenspans Ansicht, wenn man sie ohne Inflation erreichen kann. Wenn eine Blase entsteht und diese nicht langsam schrumpft, sondern platzt und droht, eine Depression auszulösen, hat die Fed die nötigen Werkzeuge, um diese Kettenreaktion zu unterbinden.

Im Rückblick lag Greenspan falsch. Die Frage jedoch ist: War die Wette, die er damals einging, gerechtfertigt? Wenn sich die USA in der Zukunft erneut in einer Situation wie 2003 wiederfinden, sollten sie dann versuchen, die Wirtschaft in der Nähe der Vollbeschäftigung zu halten, selbst wenn ein gewisses Risiko einer Blasenentwicklung besteht?

Ich bin mir selbst nicht sicher, auf welcher Seite in dieser Debatte ich stehe. Die Notenbanker erkennen seit langem an, dass es unklug ist, im Streben nach Vollbeschäftigung die Zinsen zu senken, wenn die Folge eine Inflationsspirale ist. Und manchmal denke ich, sie werden irgendwann in der Zukunft auch anerkennen müssen, dass es unklug ist, die Zinsen zu senken, wenn man damit das Risiko einer Spekulationsblase bei den Vermögenswerten eingeht. An anderen Tagen jedoch glaube ich, dass selbst mit den zusätzlichen Informationen, die wir inzwischen in Bezug auf die Struktur der Wirtschaft haben, Greenspans Entscheidungen in den Jahren 2001-2004 umsichtig waren und er für uns eine Wette mit günstigen und akzeptablen Gewinnchancen einging.

Auf jeden Fall weiß ich, dass die Art und Weise, wie das Problem normalerweise dargestellt wird, falsch ist. Die Leute behaupten, dass die Fed unter Greenspan „die Zinsen aggressiv unter ihr natürliches Niveau gedrückt habe“. Aber was ist das natürliche Niveau? In den 1920er Jahren hat es der schwedische Ökonom Knut Wicksell als den Zinssatz definiert, bei dem volkswirtschaftsweit die wünschenswerten Investitionen den wünschenswerten Ersparnissen entsprächen, was impliziert, dass kein durch eine das Angebot übersteigende Gesamtnachfrage bedingter Aufwärtsdruck auf Verbraucherpreise, Rohstoffpreise oder Löhne ausgeübt wird und kein durch das die Nachfrage übersteigende Angebot bedingter Abwärtsdruck auf die Preise ausgeübt wird.

Nach Wicksells Definition – der besten und tatsächlich einzigen, die ich kenne – lag der Marktzins in den Anfangsjahren dieses Jahrhunderts wenn überhaupt über dem natürlichen Zinssatz: Es drohte eine Deflation, keine Beschleunigung der Inflation. Der natürliche Zinssatz war so niedrig, weil, so die damalige Erklärung des heutigen Chairmans der Fed, Ben Bernanke, die Welt unter einer globalen Kapitalschwemme litt (oder vielmehr, einem globalen Investitionsmangel).

Man kann nun argumentieren, dass Greenspans Politik in den Anfangsjahren unseres Jahrhunderts falsch war. Man kann jedoch nicht argumentieren, dass er die Zinsen aggressiv unter ihr natürliches Niveau gedrückt habe. Vielmehr lag Greenspans Fehler – wenn es denn einer war – darin, dass er es unterließ, den Markt zu überstimmen und die Zinsen aggressiv über ihren natürlichen Zinssatz zu drücken, was die 2001 einsetzende Rezession vertieft und verlängert hätte.

Heute freilich ist einer jener Tage, an denen ich glaube, dass Greenspans Versäumnis, die Zinsen über den natürlichen Zinssatz zu heben und so eine hohe Arbeitslosigkeit zu erzeugen und das Wachstum der Hypotheken- und Finanzblase zu verhindern, kein Fehler war. Es waren eine Menge anderer Fehler, die in die Katastrophe, vor der wir heute stehen, geführt haben.

J. Bradford DeLong war Staatssekretär im US-Finanzministerium unter Präsident Clinton und ist Professor für Ökonomie an der University of California at Berkeley.

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wkiernan 03:06 08 Jul 09

Was it not possible to moderate the mortgage market without depressing everything else? If the one and only lever the Fed possessed were fiddling the prime rate then I suppose not, but I don't know. If so then this is another example of a public service governments can do more subtly than busimesses.



AUTHOR INFO

J. Bradford DeLong, a former assistant secretary of the US Treasury, is Professor of Economics at the University of California at Berkeley and a research associate at the National Bureau for Economic Research.