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Ruin des Spielers

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2008-05-28

San Francisco – Seit Adam Smith (1776) bis etwa 1950 wurde Kapital von Ökonomen als absolut essenziell für das Wirtschaftswachstum angesehen. Man brauchte außerdem ein paar gute grundlegende Institutionen. Smith sprach von der Sicherheit des Eigentums und einer annehmbaren Rechtsprechung.

Wenn diese grundlegenden Institutionen in Ordnung wären, würden Grundbesitzer, Kaufleute und Hersteller investieren und verbessern. Durch ihre Investitionen und Verbesserungen würden sie zudem das Grundkapital erhöhen. „In allen Ländern mit einer annehmbaren Sicherheit [des Eigentums] wird jeder Mann mit gesundem Menschenverstand danach streben, alles, was er an Kapital aufbringen kann, entweder für seinen gegenwärtigen Genuss oder für zukünftigen Gewinn einzusetzen ... Man müsste vollkommen verrückt sein, wenn man dort, wo eine annehmbare Sicherheit herrscht, nicht alles Kapital einsetzen würde, das man aufbringen kann, ob es das eigene ist oder von anderen geliehen ...“

Ein größeres Grundkapital würde kräftigere Märkte, eine genauere Arbeitsteilung und eine produktivere Wirtschaft bedeuten. Mit einer hochproduktiven Gesellschaft auf der Grundlage einer komplexen Arbeitsteilung wurde „der Wohlstand der Nationen“ gesichert.

Kehrt man den Prozess jedoch um, kommt dabei die Armut der Nationen heraus, die Smith im damaligen Asien zu erkennen meinte. Für Smith und seine Nachfolger der ersten 175 Jahre war für jede Episode anhaltenden Wirtschaftswachstums hauptsächlich Investitionskapital erforderlich. Wir Ökonomen waren im Großen und Ganzen Kapitalwerber, und unsere Zauberformel für wirtschaftliche Entwicklung lautete Sparen, Investitionen, Wirtschaftlichkeit und Ansammlung von Vermögen. Zum letzten und deutlichsten Ausdruck dieser Denkrichtung kommt es am Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts mit W. W. Rostows Buch Die Stadien wirtschaftlichen Wachstums .

Dann stellten Robert Solow und Moses Abramovitz diese These in Frage, die zuvor nahezu als Konsens galt. Sie berechneten, dass 75 % bis 80 % des Wirtschaftswachstums nicht aus einer Erhöhung des Kapitalkoeffizienten stammten – jedenfalls nicht, wenn das private Grenzprodukt des Kapitals als Indikator für das soziale Grenzprodukt genommen wurde. Stattdessen schienen die Schlüssel zu Wachstum und Entwicklung jenseits einer Erhöhung der Kapitalintensität zu liegen, die anhand der Kapitalkoeffizienten gemessen wird: Fertigkeiten, Bildung, Technologie im weitesten Sinne und Verbesserungen im Organisationsmanagement.

Dennoch wurde Kapital weiterhin als notwenig, wenn nicht hinreichend angesehen. In dem von dem Entwicklungsökonomen Dani Rodrik entwickelten System kann eine Kapitalknappheit eine bindende „Wachstumsbeschränkung“ sein: die Stelle, an der „der größte Effekt für die Investition in eine [politische] Reform erreicht werden kann.“ Und selbst wenn andere Faktoren das Wachstum stärker einschränken, können sie nicht verändert werden, ohne die Form und Art des Grundkapitals des Wirtschaftsraums zu ändern. Hohe Investitionen dienen in der Tat als ein Zeichen dafür, dass keine anderen bindenden Wachstumsbeschränkungen vorhanden sind, was von Wohlstand zeugt und bedeutet, dass die Dinge gut laufen.

Das Problem ist, dass es für arme Wirtschaftsnationen schwierig ist, das erforderliche Kapital aufzubringen, um bindende Wachstumsbeschränkungen zu lockern. Deshalb hat die Welt in den 90er Jahren auf den Neoliberalismus gesetzt: Die internationale Kapitalmobilität sollte zur Rettung kommen, indem Kapitalbeschränkungen gelockert wurden, wo sie bindend waren, und indem der Spielraum für Korruption und Profitgier reduziert wurde, der häufig eine bedeutsamere bindende Wachstumsbeschränkung darstellte.

Man hoffte, dass der Nettokapitalabfluss aus dem industriellen Zentrum einen Großteil der Industrialisierung im späten 20. und im 21. Jahrhundert finanzieren würde, wie die britischen Auslandsinvestitionen vor 1913 einen riesigen Anteil der Industrialisierung in der ressourcenreichen, gemäßigten Peripherie der Weltwirtschaft finanziert hatten.

Doch kennen wir alle das Ergebnis: Während die internationalen Kapitalflüsse in die Höhe schnellten, kam der große Netto kapitalfluss aus den reichen an die armen Länder einfach nie zustande. In Wahrheit führte es vor allem zu einem riesigen Kapitalfluss aus der Peripherie in das reiche Zentrum. Für einen Großteil der letzten Generation und im Hinblick auf die Zukunft lautet die Botschaft des Marktes, dass die internationale Kapitalmobilität keine Lockerung der Kapitalbeschränkungen und somit keine Beschleunigung des Wachstums in der globalen Peripherie gebracht hat.

Der Grund dafür ist nicht, dass die Peripherie eine attraktive Arbeiterschaft bietet, von der das Kapital profitiert, sondern eher, dass das Zentrum – insbesondere die Vereinigten Staaten – dem Kapital eine Art Schutz vor unvorhergesehenen politischen Störfaktoren bietet.

Doch obwohl die internationalen Nettokapitalflüsse in die falsche Richtung fließen, gibt es immer noch beträchtliche Bruttokapitalflüsse, die aus dem Zentrum der Weltwirtschaft in ihre Peripherie fließen. Wir können darauf hoffen, dass diese Kapitalflüsse die Institutionen und die Management-Fachkenntnisse mit sich bringen werden, die das Zentrum so vermögend gemacht haben.

Trotzdem könnte ein sachlicher Beobachter darauf hinweisen, dass die Alles-oder-nichts-Strategie, weiter mit doppeltem Einsatz auf den Neoliberalismus zu setzen, für jemanden mit begrenzten Ressourcen und Möglichkeiten zu politischen Reformen einen wohlverdienten Namen trägt: „Ruin des Spielers.“

J. Bradford DeLong ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of California in Berkeley und ehemaliger Staatssekretär im US-Finanzministerium.

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AUTHOR INFO

J. Bradford DeLong, a former assistant secretary of the US Treasury, is Professor of Economics at the University of California at Berkeley and a research associate at the National Bureau for Economic Research.