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John McCain und der Niedergang Amerikas

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2008-04-29

BERKELEY: Es war im Jahr 1981, als die Republikanische Partei der USA jedem Glauben an einen ausgeglichenen Staatshaushalt abschwor. Es setzte sich die Vorstellung durch, dass man ständig bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Steuern senken müsse, da Steuersenkungen angeblich die Staatseinnahmen erhöhten.

Irving Kristol, zeitweilig Herausgeber der Zeitschrift The Public Interest und einer der geistigen Geburtshelfer dieser Idee, schrieb später, dass er kein Interesse daran gehabt hätte, ob dies wahr wäre, sondern nur, ob es nützlich wäre. Jahre danach beschrieb er seine „eigene, ziemlich unbekümmerte Einstellung gegenüber dem Haushaltsdefizit und anderen geld- oder finanzpolitischen Problemen. Die Aufgabe ... bestand darin, eine neue ... konservative ... Republikanische Mehrheit zu schaffen – darum war politische Effektivität die Priorität, nicht die Buchhaltungsfehler der Regierung ...“

Nun zeigt sich, dass John McCain – der einst die Steuersenkungen von George W. Bush als unbesonnen kritisierte und sich weigerte, dafür zu stimmen – demselben Gift erlegen ist. Er scheint weitere Steuersenkungen vorzuschlagen, die das US-Finanzministerium etwa 300 Milliarden Dollar kosten dürften, welche er durch Kürzungen bei geplanten Ausgaben in Höhe von drei Milliarden Dollar pro Jahr verrechnen will, um so irgendwie den Haushalt „auszugleichen“.

Die Folgen kennen wir: McCains Finanzpolitik dürfte die übliche Republikanische Finanzpolitik sein – und seit 1981 hat die übliche Republikanische Finanzpolitik das Verhältnis Bruttoschulden des Bundes/BIP um fast 2% pro Jahr erhöht. Im Gegensatz dazu hat die typische Demokratische Regierung nach dem Zweiten Weltkrieg das Verhältnis Schulden/BIP um mehr als 1% pro Jahr reduziert. Dies ist eines der Themen, um die es bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen geht.

Eine Politik, die das Ausmaß der Staatsverschuldung ignoriert, führt zum Zusammenbruch der Währung, zur Depression (aufgrund der hieraus resultierenden Störung der sektoralen Arbeitsteilung) und zu hoher Inflation – möglicherweise zur Hyperinflation. Häufig schieben dabei die Schuldigen den böswilligen Manipulationen von Ausländern wie den „Gnomen von Zürich“ oder dem IWF die Verantwortung für die wirtschaftliche Katastrophe zu. Die USA sind noch weit von diesem Punkt entfernt, doch selbst kurzfristig – etwa im Verlaufe der nächsten beiden Amtszeiten des US-Präsidenten – wären die Kosten eines hohen Haushaltsdefizits und schnellen Schuldenwachstums erheblich.

Eine Zunahme des Verhältnisses Schulden/BIP würde zunächst einmal Investitionen verhindern, da Ressourcen, die sonst zur Finanzierung produktiver Investitionen dienen würden, nun den privaten oder öffentlichen Verbrauch stützen würden. Seit 1981 hatten die USA das Glück, dass Kapitalzuflüsse aus dem Ausland das Wachstum der Staatsschuld finanzierten. Damit ist es irgendwann vorbei, und eine weitere Erhöhung der Defizite wird dann eine Kapitalflucht aus den USA auslösen.

Nehmen wir einmal an, dass die erhöhten Defizite während der kommenden acht Jahre weder zusätzliche Kapitalzuflüsse noch Kapitalabflüsse auslösen würden, und nehmen wir weiterhin an, dass ein Amerika, in dem weniger investiert wird, ein ärmeres Amerika wäre, wobei wir von einer gesellschaftlichen Bruttokapitalrendite von 15% pro Jahr ausgehen. Bis 2016 hätte sich Amerikas produktives Potenzial derart verringert, dass das reale BIP um 3,6% sinken würde – das sind 500 Millionen reale Dollars oder rund 3.000 Dollar pro Arbeitnehmer. In einem ärmeren Amerika würde es sich für weniger Unternehmen lohnen, Arbeitnehmer aus den Familien in sekundäre Beschäftigungsverhältnisse zu holen, und so würden netto vielleicht 500.000 Jobs verloren gehen.

Auf dem Weg dorthin würde sich während der nächsten acht Jahre in einem stärker verschuldeten Amerika das Produktivitätswachstum um vielleicht einen Drittelprozentpunkt pro Jahr verlangsamen. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit müsste dann steigen, um die Forderungen der Arbeitnehmer nach Reallohnzunahmen auf einem entsprechend dem Produktivitätswachstum vereinbarten Niveau zu halten. Legt man die in den 1970er, 1980er, 1990er und 2000er Jahren ermittelten Bruttokorrelationen zwischen Produktivitätswachstum und durchschnittlicher Arbeitslosigkeit an, würde sich die natürliche Arbeitslosenquote der Volkswirtschaft um etwa einen Fünftelprozentpunkt erhöhen, d.h., weitere 500.000 Arbeitsplätze gingen verloren.

Ein stärker verschuldetes Amerika wäre außerdem ein Amerika, in dem Sparer und Kreditgeber eine begründetermaßen größere Furcht hätten, dass die Regierung sich auf die Inflation verlegen würde, um einen Teil ihrer ausstehenden Schulden loszuwerden. Die Federal Reserve müsste dann die hohe Inflation bekämpfen – was die Beschäftigungszahlen unter Druck setzt –, um Sparer und Kreditgeber hinsichtlich ihrer Bereitschaft zu beruhigen, die Preisstabilität zu schützen. Es gibt noch nicht einmal grobe, auf Bruttokorrelationen beruhende Schätzungen darüber, welche Ausmaße dieser Effekt haben würde, doch schätzen ihn die Ökonomen als sehr real ein. Würde er eine zu vernachlässigende Zahl von Jobs kosten? Eine Viertelmillion? Eine Million?

Zählen Sie all dies zusammen, und Sie können davon ausgehen, dass Amerika 2016 sehr viel ärmer sein wird, wenn anstelle von Barack Obama oder Hillary Rodham Clinton John McCain zum Präsidenten gewählt wird. Andere Länder, die auf Exporte nach Amerika zählen, würden vom langsameren Wachstum und der geringeren Beschäftigung in den USA betroffen werden.

Freilich wäre unter McCain der Keil zwischen öffentlichen Ausgaben und Steuern größer; die Amerikaner würden sich reicher fühlen und auf Kosten ihrer „Nachwelt“ acht Jahre später mehr ausgeben. Ronald Reagan hätte dem möglicherweise zugestimmt. Schließlich war er es, der äußerte: „Warum sollte ich irgendwas für die Nachwelt tun? Was hat die Nachwelt je für mich getan?“ Oder war das Groucho Marx?

J. Bradford DeLong ist Professor für Ökonomie an der University of California in Berkeley und ehemaliger Staatssekretär im US-Finanzministerium.

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AUTHOR INFO

J. Bradford DeLong, a former assistant secretary of the US Treasury, is Professor of Economics at the University of California at Berkeley and a research associate at the National Bureau for Economic Research.