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Latin America

Lateinamerika verliert das Rennen um Auslandsinvestitionen

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2007-09-13

Lateinamerika ist in ernsthaften Schwierigkeiten, was die Auslandsdirektinvestitionen angeht. Zwar haben 2006 die passiven Direktinvestitionen (Zufluss) ca. $ 70 Milliarden erreicht, doch liegt dieser Wert immer noch unter dem Höhepunkt von 1998/1999. Außerdem bestand ein großer Teil davon aus Investitionen lateinamerikanischer Firmen in Nachbarländer, während der Zufluss aus Europa und den Vereinigten Staaten abgenommen hat. Viele Firmen ziehen sich aus der Region zurück, und große Beträge aus China waren zwar versprochen, vor allem in Brasilien, wurden aber nicht tatsächlich investiert.

Zu Spitzenzeiten in den 70er und auch in den 90er Jahren erreichte Lateinamerikas Anteil an den globalen Auslandsdirektinvestitionen 17 %. Derzeit liegt er bei lediglich 8 % (2006), nachdem er in den vorherigen fünf Jahren durchschnittlich 11 % betragen hatte. Auch innerhalb der Entwicklungsländer fiel Lateinamerikas Anteil an den globalen Direktinvestitionen dramatisch von 40 bis 50 % in den 70er Jahren auf die Hälfte dieses Prozentsatzes im Jahr 2006.

Das Problem der hohen Arbeitslosigkeit und der großen informellen Sektoren – in denen nahezu die Hälfte aller Waren und Dienstleistungen hergestellt wird – stellt die vielleicht dringendste politische Herausforderung in der Region dar, insbesondere weil die meisten von Firmen getätigten Investitionen und ein Großteil des Wachstums an die hohen Rohstoffpreise gebunden sind, die kaum dazu beitragen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Ebenso sind die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen nur in ressourcenintensiven Sektoren gestiegen, während sie bei den Dienstleistungen zurückgingen und bei der Herstellung praktisch stagnierten.

Was fehlt, sind wirksame staatliche Programme, um hochwertige ausländische Direktinvestitionen anzulocken, vor allem bei den Exporten, die im Inland einen Multiplikationseffekt auslösen könnten und dadurch sowohl direkt als auch indirekt Arbeitsplätze schaffen würden. Doch neben den richtigen rechtlichen und regulativen Rahmenbedingungen, um die entsprechenden Verbindungen zur nationalen Wirtschaft zu gewährleisten, die ebenfalls in den meisten Teilen der Region fehlt, ist für die Suche nach geeigneten Investoren eine Behörde erforderlich, die erfolgreich um Auslandsinvestitionen wirbt.

Die Änderung der Strategie, wie lateinamerikanische Länder sich gegenüber ausländischen Investoren verkaufen, ist eine kreative Herausforderung. Exportwaren zu verkaufen und das Land gegenüber ausländischen Investoren zu verkaufen, sind zwei vollkommen verschiedene Dinge. Laut Padraic White, einem Pionier auf diesem Gebiet, der von 1980 bis 1990 Chef der IDA Ireland (irische Investitions- und Entwicklungsbehörde) war, sind für die Förderung ausländischer Direktinvestitionen Fantasie und innovatives Denken erforderlich.

White weist darauf hin, dass Personen, die um Direktinvestitionen werben, kein Produkt verkaufen, was unter Umständen die landeseigenen Botschaften im Ausland erledigen könnten. Die Verkaufsstrategie sollte auf steuerlichen und regulatorischen Konzepten beruhen und im Juristen- und Finanzjargon vermittelt werden, wozu lediglich Experten in der Lage sind. Aus diesem Grund müssen die ausländischen Direktinvestitionen getrennt von Inlandsinvestitionen und Exporten beworben werden. Darüber hinaus wollen ausländische Investoren nicht mit Diplomaten oder Beamten verhandeln. Sie wollen mit Experten aus dem privaten Sektor sprechen, die etwas von den technischen und finanziellen Anforderungen ihrer Unternehmen oder Sektoren verstehen.

Dennoch ist es außer der costa-ricanischen Behörde zur Förderung von Auslandsinvestitionen (CINDE), die nach dem Vorbild der IDA Ireland geschaffen wurde, keiner der lateinamerikanischen Förderungsbehörden gelungen, bewährte Vorgehensweisen zu übernehmen. Viele werben sowohl für ausländische als auch für inländische Investitionen, obwohl derartige Institutionen in der Vergangenheit gescheitert sind. Irland z. B. musste diese beiden Funktionen trennen, bevor es Erfolge verzeichnen konnte. Zudem verfügen die meisten Behörden zur Förderung von Auslandsinvestitionen in der Region nicht einmal über das Minimum an erforderlichen finanziellen und menschlichen Ressourcen, um erfolgreich arbeiten zu können – bedingt durch den fehlenden politischen Willen der Regierungen, sie zu unterstützen und parallele Prozesse zu beseitigen, die die Investoren nur verwirren.

Eine erfolgreiche Behörde zur Förderung ausländischer Direktinvestitionen muss von einem hauptamtlichen Geschäftsführer mit exzellenten Referenzen und einem hervorragenden Ruf im privaten Sektor geleitet werden, der dazu auch noch über gute internationale Kontakte verfügt und fließend Englisch spricht. Ebenso wichtig ist, dass es keine Interessenkonflikte (oder auch nur den Eindruck eines solchen Konflikts) mit anderen bisherigen und gegenwärtigen persönlichen oder politischen Aktivitäten gibt.

Der Geschäftsführer sollte ein Team von Analysten zusammenstellen, die an entscheidenden Stellen im Ausland eingesetzt werden und in der Lage sind, dort Informationen über Markt und Unternehmen zu sammeln. Dazu müssen sie Märkte und Trends erforschen sowie spezielle Firmen ausfindig machen, die für die Cluster oder Nischen wünschenswert wären, die das Land fördern möchte.

Das Team wird an diesen Orten auch „Werber“ mit dem entsprechenden PR-Fachwissen und den technischen Kenntnissen über das Land und die Cluster benötigen. Zu guter Letzt braucht das Team auch lokale „Dienstleister“ mit technischem Wissen zu speziellen Clustern, um die ausländischen Investoren zu unterstützen, sobald sie sich im Land niedergelassen haben, und somit sicherzustellen, dass sie bleiben und expandieren.

Der internationale Konkurrenzkampf um Investoren ist brutal, also kann man nicht einfach darauf warten, dass sie vom Himmel fallen. Ohne die richtige Strategie wird Lateinamerika weiter zurückbleiben.

Graciana del Castillo ist eine Geschäftsführerin in der Direktion der Centennial Group und unterrichtet seit 1990 lateinamerikanische Wirtschaftswissenschaften an der Columbia University.

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AUTHOR INFO

Graciana del Castillo was the senior economic officer in the Office of the UN Secretary-General, responsible for designing the October 13, 1992 arms-for-land program. She is the author of Rebuilding War-Torn States.