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Hätte der IWF die Krise verhindern können?

WASHINGTON D.C. – Bis vor kurzem bestand die Hauptaufgabe des Internationalen Währungsfonds darin, Ländern mit Zahlungsbilanzproblemen Geld zu leihen. Heute allerdings bevorzugen Schwellenländer zunehmend die „Selbstversicherung“ durch Anhäufung von Reserven (und deren Aufteilung durch regionale Pool-Vereinbarungen). Aus diesem Grund muss sich der Währungsfonds ändern, indem er seine Aufsichtsfunktion bei der Kontrolle von Mitgliedsländern ausbaut, und vermehrt überwacht, ob diese ihrer Verpflichtung, einen Beitrag zur Finanzstabilität zu leisten, auch nachkommen. Dass es noch viel zu tun gibt, zeigt sich am Versagen des Fonds, die Vereinigten Staaten dazu zu bringen, jene Schwachstellen am Hypotheken-Markt zu beseitigen, die der aktuellen Finanzkrise den Weg bereiteten.

Tatsächlich war man beim IWF in der jährlichen Beurteilung der US-Wirtschaft im Jahr 2006 außerordentlich milde hinsichtlich der Risiken im Zusammenhang mit der Lockerung der Kreditvergaberichtlinien auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt. Man wies darauf hin, dass „Kreditnehmer mit einem signifikant erhöhten Risiko höherer Rückzahlungen eine kleine Minderheit bilden und hauptsächlich aus Haushalten mit höheren Einkommen kommen, wo man sich dieser Risiken durchaus bewusst ist”.  Die Schlussfolgerung lautete, dass „es Hinweise gibt“, wonach „die Kreditvergabe- und Risikoübernahmemechanismen am US-amerikanischen Eigenheimmarkt relativ effizient funktionieren.“ Das, so hieß es weiter „sollte zuversichtlich stimmen.“

Ebenfalls ausgeblendet wurde das Problem in einer der wichtigsten Publikationen des IWF, nämlich in seinem Global Financial Stability Report (GFSR) vom September 2006, also lediglich zehn Monate bevor die Subprime-Krise für alle offensichtlich wurde. In den Augen des IWF „[waren] die wichtigsten Finanzinstitutionen auf entwickelten... Märkten gesund, profitabel und gut kapitalisiert.” Weiter hieß es: „...die Finanzsektoren in vielen Ländern sind durchaus in der Lage, mit allfälligen zyklischen Herausforderungen und weiteren zu erwartenden Marktkorrekturen zu Rande zu kommen.“

Erst im April 2007, als die Krise bereits ausbrach, begann man beim IWF davon Notiz zu nehmen, allerdings behandelte man das Thema nicht mit allzu großer Dringlichkeit. Im Gegenteil: Laut IWF war „die Schwäche auf gewisse Bereiche des Subprime-Marktes (und zu einem geringeren Grad auf Hypotheken mittleren Risikos) beschränkt und es ist nicht wahrscheinlich, dass davon eine Bedrohung des Systems ausgeht.“ Überdies stellte man fest, dass sich „der Eigenheimmarkt in den USA zu stabilisieren scheint.... Insgesamt bleibt der US-Hypothekenmarkt stabil, obwohl das Subprime-Segment sich ein wenig rascher verschlechtert hat, als erwartet.“

Im GFSR wurde vertraulich angemerkt, dass „von Investmentbanken durchgeführte Prüfungen ergaben, dass selbst unter der Annahme eines landesweiten, historisch beispiellosen Preisverfalls bei Immobilien die meisten Investoren mit Verbindungen zu Subprime-Hypotheken in Form verbriefter Anlagestrukturen keine Verluste zu befürchten haben.“

Warum war die Überwachung der US-Wirtschaft durch den Währungsfonds derart unwirksam?

Man stelle sich vor, diese Schwachstellen am US-Hypothekenmarkt – die sich direkt vor der Nase des IWF in Washington offenbarten – hätten sich in einem Entwicklungsland aufgetan. Es ist, offen gesagt, unvorstellbar, dass der Fonds bei deren Aufdeckung so jämmerlich versagt hätte. Der IWF wurde für unnötige und manchmal kompromisslose Kreditvergabebedingungen kritisiert, aber seine hochqualifizierten Mitarbeiter haben sich nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn man in anderen Ländern entsprechende Schwachstellen wahrnahm. Warum also ging man bei der Überprüfung der US-Wirtschaft nicht mit dem gleichen Eifer ans Werk?

Die Antwort liegt möglicherweise in den Führungsstrukturen des IWF. Momentan folgt die Machtverteilung im IWF der Logik seiner Rolle als Kreditgeber. Je mehr Geld ein Land einzahlt, umso mehr Einfluss hat es in der Organisation. Das könnte den Währungsfonds veranlassen, die ökonomischen Schwachstellen seiner einflussreichsten Mitglieder geflissentlich zu übersehen – genau jener Mitglieder, deren nationale politische Strategien die größten systemischen Auswirkungen haben.

Dieses Führungsmodell im Stil von „Geld für Einfluss“ hindert den IWF daran, Kritik an den Ökonomien seiner wichtigsten Mitglieder zu üben (von jener zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen ganz zu schweigen). Sollte die Kritik seiner Mitarbeiter jemals zu offen ausfallen, können diese Länder immer noch ihren Einfluss geltend machen, um die vom IWF-Vorstand veröffentlichten Kommuniqués zu verwässern.

Der Währungsfonds kann mithelfen, zukünftige Krisen dieser Art zu vermeiden, aber nur, wenn man als erstes den Einfluss auf die Überprüfung und eventuell nötige Kritik an Strategien und Regulativen einflussreicher Länder verhindert. Dazu bedarf es einer anderen Führungsstruktur, in der die Macht gleichmäßiger verteilt ist, so dass der IWF seiner Überwachungsfunktion nicht nur dort nachkommen kann, wo es möglich ist, sondern auch dort, wo es nötig ist.

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