WEEKLY SERIES

INTERNATIONAL ECONOMICS

STRATEGIC SPOTLIGHT

GLOBAL FINANCE

ECONOMICS OF DEVELOPMENT

ECONOMIC AND REGULATORY POLICY

ECONOMIC HISTORY

ECONOMIC PERSPECTIVES

PUBLIC INTELLECTUALS

GLOBAL OUTLOOK

REGIONAL EYE

SPECIAL SERIES

PROJECT SYNDICATE

Into Africa

Medellin kommt nach Afrika

English Spanish Russian French German Chinese Arabic

2007-11-19

In Presseberichten über den Drogenhandel taucht immer wieder ein ungewohntes Land auf: Guinea-Bissau. Dieser westafrikanische Staat mit 1,5 Millionen Einwohnern zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Seine wichtigsten Exportgüter? Cashewnüsse, Garnelen und Kokain. Kokain in einem Land ohne Kokapflanzen? So ist es.

Über vier Tonnen Kokain wurden in diesem Jahr in Westafrika beschlagnahmt, eine Zunahme von 35 % gegenüber der beschlagnahmten Gesamtmenge 2006. In den internationalen Gewässern vor dem Golf von Guinea werden ebenfalls Drogen beschlagnahmt.

Ein Grund dafür, warum diese Region zu einem der wichtigsten Knotenpunkte für den Drogenhandel wird, ist seine Lage. Westafrika ist ein idealer Anlegeplatz auf der Route von Südamerika zu den Kokainmärkten Europas. Große Lieferungen werden auf Fischerbooten und Frachtern versteckt, dann auf kleinere Ladungen verteilt, die mit schnelleren Booten entlang der Küste nach Marokko oder Spanien geschickt werden.

Zudem bringen Afrikas schwache Staaten den geringsten Widerstand dagegen auf, als Ersatz für die traditionellen Schmuggelrouten für Kokain in Mittelamerika und der Karibik herzuhalten. Viele Länder in der Region können ihr eigenes Territorium nicht kontrollieren, keine Rechtsprechung durchsetzen und sind von Korruption geplagt.

Um sich das Elend eines Landes wie Guinea-Bissau vergegenwärtigen zu können, stellen Sie sich vor, dass Sie dort Polizist sind und Ihnen ein Hinweis gegeben wird über eine Drogenlieferung per Flugzeug. Erstens müssen Sie ein Auto finden, mit dem Sie zum Landeplatz fahren können, und die offizielle Genehmigung und das Geld bekommen, um den Benzintank zu füllen. Ohne ein Funkgerät gibt es keine Möglichkeit, Verstärkung anzufordern, und es gibt keinen Strom, um Ihr Mobiltelefon aufzuladen. Wenn Sie rechtzeitig am Übergabeort ankommen, besteht die nächste Herausforderung darin, eine behelfsmäßige Straßensperre zu bauen, um den LKW daran zu hindern, das Kokain zu entladen.

Merkwürdigerweise trägt der LKW-Fahrer eine Armeeuniform und ist nicht besonders beunruhigt, als sie seine Fracht beschlagnahmen. Sie nehmen ihn im Rücksitz der Autos mit aufs Polizeirevier – ohne Handschellen, weil Sie keine haben. Ein hoher Regierungsbeamter schaltet sich ein, um seine Freilassung zu erwirken. Der Polizeipräsident weigert sich und ist so unbestechlich, dass er neben den Drogen schläft, um zu verhindern, dass das Beweismaterial im Wert mehrerer Millionen Dollar verschwindet. Im Laufe der Woche wird der Verdächtige in die Obhut des Militärs entlassen und der Polizeipräsident gefeuert.

Dies ist eine wahre Geschichte. Und es handelt sich nicht um einen Einzelfall.

Auch ist Guinea-Bissau nicht das einzige Land in der Region, das anfällig für das schwere organisierte Verbrechen wäre. Konvois von schwer bewaffneten Fahrzeugen mit Vierradantrieb fahren mit Hochgeschwindigkeit durch die Sahelzone Westafrikas und transportieren Haschisch von Marokko über Mauretanien, Mali und Niger in den Tschad und noch weiter.

Bei diesem Drogenhandel, der der Rallye von Dakar ähnelt, werden 4000 Kilometer unwirtliches Terrain zurückgelegt, durch Regionen, die von Rebellen kontrolliert werden und im islamischen Maghreb von Terroristen beherrscht werden, die Verbindungen zu Al Kaida haben. Diese Kräfte profitieren wahrscheinlich vom Drogenhandel. Zumindest gelangen die Händler durch ihr geheimes Einverständnis an Benzin, Ersatzteile, Unterkunft und Führer.

Was kann getan werden? Die Strafjustiz muss zu einem Kernstück der Sicherheit und Entwicklung gemacht werden. Eine derartige Vorgehensweise hat Cap Verde in nur einem Jahrzehnt vom Fuße der Entwicklungsindizes in die ansehnliche Klasse der Länder mit mittlerem Einkommen katapultiert.

Ebenso muss bei der Korruption hart durchgegriffen werden, wie in Nigeria, wo eine Antikorruptionsrevolution eine beeindruckende Reihe gierige Beamte aus ihren hohen Positionen vertrieben hat.

Um das organisierte Verbrechen bekämpfen zu können, muss die Kontrolle über das eigene Territorium zurückerlangt werden. Die verbesserten Sicherheitsbedingungen an Häfen in Ghana und Senegal reißen ein Loch in den Schwarzhandel, der durch diese Länder läuft.

Ein paar größere Drogenfänge durch professionelle Drogenfahnder würden die Wahrnehmung der Drogenhändler ändern, dass es sich bei Westafrika um eine Transitroute mit geringem Risiko und großen Vorteilen handelt. Es würde ihren bestechlichen lokalen Komplizen auch den Anreiz nehmen, ihr öffentliches Amt zu ihrem privaten Vorteil auszunutzen.

Länder wie Guinea-Bissau brauchen schnell Hilfe. Während die benötigten Investitionen minimal sind, wird es sehr teuer, wenn wir jetzt nicht handeln.

Antonio Maria Costa ist Exekutivdirektor des Büros der Vereinten Nationen für Drogenkontrolle und Verbrechensverhütung.

You might also like to read more from or return to our home page.

Der Nachdruck von auf dieser Website veröffentlichen Materialien ohne schriftliche Einwilligung durch Project Syndicate stellt eine Verletzung internationalen Urheberrechts dar. Um eine entsprechende Nutzungsbewilligung einzuholen, wenden Sie sich bitte an distribution@project-syndicate.org.
English Spanish Russian French German Chinese Arabic

You must be logged in to post or reply to a comment.
Please log in or sign up for a free account.