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Die Verantwortung der Unternehmen für Menschenrechte

Bewusst oder unbewusst tun Menschen Dinge, die andere Menschen verletzen. Damit eine Gesellschaft funktioniert, muss sie Menschen, durch Belohnungen und Bestrafung, Vorschriften und Bußgelder, Anreize bieten, dies nicht zu tun. Verschmutzt man die Luft, schadet man jedem, der atmet. Das Rechtssystem spielt hierbei eine wichtige Rolle. Wenn ich Sie verletze, sollten Sie mich verklagen können.

Der Mensch hat natürlich eine moralische Verantwortung, andere nicht zu verletzen. Sie ist vielleicht die zentrale, moralisch gebotene Notwendigkeit ( behandle andere so, wie du erwartest von anderen behandelt zu werden und behandle andere nicht so, wie du von ihnen nicht behandelt werden willst.

Immanuel Kant bot mit seinem kategorischen Imperativ die philosophischen Grundlagen für diejenigen, die nach einer anderen Basis für Moral verlangten, als sie religiöse Aphorismen darlegen. Die moderne Gesellschaft kann sich jedoch nicht einfach darauf verlassen und verlässt sich auch nicht darauf, dass Einzelne das "Richtige" tun. Sie hält Zuckerbrot und Peitsche bereit.

Noch schwieriger ist es, Unternehmen zu motivieren das Richtige zu tun. Unternehmen haben schließlich kein Gewissen; es ist allein das Gewissen derer, die das Unternehmen betreiben und wie die jüngsten Unternehmensskandale in Amerika nur allzu deutlich gezeigt haben, tritt das Gewissen häufig in den Hintergrund, wenn es um Profite geht.

Das amerikanische Rechtssystem sorgt dafür, dass Firmen, die ein schadhaftes und speziell ein nicht sicheres Produkt herstellen, für die Konsequenzen zur Verantwortung gezogen werden. Firmen sind in einer wesentlich besseren Position als Verbraucher, wenn es darum geht die Sicherheit ihres Produktes zu beurteilen; wir profitieren alle von dem Wissen, dass unser Rechtssystem Unternehmen Anreize bietet, auf die Sicherheit dessen zu achten, was sie herstellen.

Vergleichbar obliegt Firmen durch Umweltgesetze die Verantwortung für ihre giftigen Abfälle und viele Länder, einschließlich der USA, halten an dem Grundsatz fest, dass "Umweltverschmutzer zahlen". Dass heißt, Unternehmen müssen für den Schaden aufkommen, den sie verursachen. Es ist sowohl eine Frage des Anreizes als auch der sozialen Gerechtigkeit.

In anderen Bereichen stehen wir jedoch mit unseren Überlegungen, was die Verantwortung von Unternehmen für unser Rechtssystem bedeuten sollte, noch ganz am Anfang. Im Zweiten Weltkrieg waren deutsche Unternehmen nur allzu bereit, von der Sklavenarbeit der Insassen in Konzentrationslagern zu profitieren und Schweizer Banken freuten sich, das Gold jüdischer Opfer des Naziterrors einzusacken. Vor kurzem wurden sie dazu verklagt, wenigsten einen Teil dessen zurückzuzahlen, was sie genommen hatten.

Unlängst bewiesen Ölfirmen kaum Gewissen dabei, Geld bereitzustellen, das Guerillabewegungen versorgt ( solange ihre eigenen Interessen gewahrt bleiben. Als ein tapferes Unternehmen, BP, in Angola das Richtige tun wollte und versuchte dafür zu sorgen, dass Lizenzgebühren für Öl tatsächlich an die Regierung und nicht an korrupte Beamte gehen, weigerten sich andere Ölfirmen mitzuziehen.

Im Kongo trugen die Profite von Bergbaufirmen über Jahrzehnte dazu bei, die Macht des verstorben Präsidenten Mobuto von Zaire, dem heutigen Kongo, zu stützen ( und ermöglichten es ihm so, sein Land zu plündern, angeblich mit Hilfe geheimer Bankkonten, die die Spezialität von Ländern wie der Schweiz, den Cayman-Inseln und Zypern sind. Auch Gelder der Weltbank und des IWF trugen dazu bei Mobuto zu stützen. Diese Institutionen wussten, oder hätten wissen müssen, dass ihre Kredite und Hilfen nicht der hoffnungslos verarmten Bevölkerung des Landes zu Gute kommen würden. Diese sollten noch höher verschuldet zurückbleiben.

Heutzutage glauben wir, dass Einzelne, Unternehmen und Institutionen für ihre Taten verantwortlich gemacht werden sollten. Was würde das bedeuten, wenn es nicht bei bloßen Worten bleiben soll? Zunächst einmal bedeutet es Schuldenerlasse: Internationale Kreditgeber können den Schaden, der verursacht wird, wenn ihr Geld dazu beiträgt verabscheuungswürdige Autokraten an der Macht zu halten vielleicht nicht vollkommen ausgleichen, doch die katastrophale finanzielle Hinterlassenschaft sollte wenigstens nicht zu Lasten der Opfer gehen.

In Südafrika dürfte es der wirtschaftliche Druck durch Sanktionen gewesen sein, der letzten Endes das rassistische System der Apartheid in die Knie gezwungen hat; genauso war es aber auch die wirtschaftliche Unterstützung von Außen ( einschließlich Kredite von multinationalen Banken (, die das System so lange funktionieren ließ. So ziemlich das Gleiche kann für den Irak während der 90er-Jahre gelten.

Diejenigen, die dazu beigetragen haben die Apartheid aufrechtzuerhalten ( und insbesondere diejenigen, die sich nicht an Sanktionen gehalten haben, nachdem diese von der UN verhängt wurden ( sollten zur Verantwortung gezogen werden. Das Verfahren "Wahrheit und Versöhnung" kann die Wunden Südafrikas heilen oder auch nicht; wenn Unternehmen jedoch den Ansporn erhalten sollen, das Richtige zu tun, müssen sie jetzt den Preis für die Profite zahlen, die sie aus diesem abscheulichen System eingestrichen haben.

Wenn Unternehmen ein Gewissen hätten, würden sie handeln, ohne dass man sie dazu zwingt: Sie würden ihren Profit aus dem System der Apartheid schätzen und ihn an das Land zurückzahlen, mit Zinsen. Denn das Ende der Apartheid hat die enormen wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht gelöst, dazu gehört eine Arbeitslosenquote von über 25%.

Bis jetzt gibt es offenbar keine Eile, in Südafrika Wiedergutmachung zu leisten und, wie andernorts auch, sind die Beweise für ein ausgeprägtes Gewissen von Unternehmen kläglich. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass die Rechtssysteme des Westens für einen anderen Ersatzanspruch sorgen werden, einem der nicht nur teilweise Ungerechtigkeiten aus der Vergangenheit sühnt, sondern Unternehmen den Anreiz bietet, es sich zweimal zu überlegen bevor sie in Zukunft von brutalen Regimen profitieren.

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