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Internetanschluss für alle

NEW YORK – Die Gelegenheit, sich gemeinsam mit zwei weltweit führenden Unternehmen dafür einzusetzen einen den gesamten Planeten umspannenden Durchbruch zu erzielen, bekommt man nicht jeden Tag. Für Connect to Learn (www.connecttolearn.org), eine neue weltweite Initiative, die dafür sorgen soll, dass alle Kinder der Erde zumindest eine Sekundarschulbildung erhalten können, ist diese Chance wahr geworden. Der Telekommunikationsriese Ericsson und die Popsängerin Madonna engagieren sich gemeinsam dafür, Kinder in die Schule zu bringen und weltweit durch drahtlose Breitbandtechnologie mit dem Internet zu verbinden. Meine Kollegen und ich vom Earth Institute und der Millenium Promise Alliance schließen uns diesen Bemühungen an. Es könnte nicht mehr auf dem Spiel stehen – und die Perspektiven könnten spannender nicht sein.

Die Revolution der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ist heute mit Sicherheit die stärkste treibende Kraft für die wirtschaftliche Entwicklung weltweit. Nicht nur in New York, Shanghai oder Paris hält jeder Passant ein Mobiltelefon in der Hand. Heutzutage findet man Mobiltelefone in den Taxis von Nairobi und bei Kamelhirten in Nordkenia. Mittlerweile gibt es 4,6 Milliarden Mobilfunkteilnehmer und ihre Zahl nimmt rasant zu. Geschätzte 250 Millionen Mobilfunkkunden leben allein in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Die Verbreitung von 3G, der dritten Generation bei Mobilfunkstandards, (und bald 4G), eröffnet die Perspektive eines technologischen Durchbruchs im Bereich Bildung. Durch Sonnenkollektoren, kostengünstige Computer und drahtlosen Zugang können sich plötzlich sogar abgelegene Schulen mit dem Internet und mit anderen Schulen verbinden. Eine Schule, die bisher nicht einmal über eine rudimentäre Ausstattung verfügt hat, kann sich plötzlich Zugang zum gleichen globalen Informationsangebot verschaffen wie jeder andere Ort auf der Welt.


Die Resultate sind elektrisierend, wenn das geschieht. Wenige Minuten nachdem Kinder einer ländlichen Siedlung im Nordosten Kenias online waren, informierten sie sich über ihre eigene Gemeinde als Teil des afrikaweiten Millenium-Villages-Projektes. Gemeinden, in denen nur wenige Kinder die Schule besuchten, erleben wie Kinder hereinströmen, da kostengünstige Maßnahmen, beginnend mit einer Verbindung ins Internet, Schulspeisungen und Trinkwasserversorgung, die Qualität, Leistung und Attraktivität einer Schule für Schüler und Eltern steigern.

Dank einer bescheidenen Vorfinanzierung erkennen verarmte und traditionell ländliche Gemeinden, die es bisher nicht in Betracht gezogen hatten Mädchen zu Schulbildung zu verhelfen, den immensen Wert, den es für die Gemeinde hat sowohl Jungen als auch Mädchen auszubilden. In einem Millenium-Village-Dorf in Äthiopien, das ich vor kurzem zusammen mit dem Gesundheitsminister des Landes besucht habe, erklärte mir ein Vater aus dem Dorf, wie er zu der Entscheidung gelangt ist seine Tochter weiter in die Schule zu schicken, anstatt sie mit dem Sohn eines Nachbarn zu verheiraten, wenn sie 12 wird. „Ich habe meine Tochter gefragt, was sie möchte“, so der Vater, „und sie antwortete, dass sie weiter zur Schule gehen will, also wird sie mit der Schule weitermachen.“

Der Gesundheitsminister erklärte mir, dass er in dieser Region noch nie Zeuge eines derartigen Gesprächs geworden sei: Dass der Vater die Tochter nicht nur fragen, sondern ihre Entscheidung auch noch gern beherzigen würde! Wir erleben in ganz Afrika derart rasche Veränderungen. Verarmte Gemeinden begrüßen die Aussicht auf die zügige Umsetzung einer Schulbildung für Mädchen, sofern es die kargen Mittel erlauben.

Vor kurzem machten Madonna und der Ericsson-Chef Hans Vestberg an einem sonnigen Tag in Malawi den ersten Spatenstich für eine neue Mädchenschule und riefen das neue globale Bildungsprojekt ins Leben. Am Horizont konnte man in zwei Richtungen im Umkreis von etwa vier Kilometern die Mobilfunkmasten sehen, die die neue Schule mit der Welt verbinden werden. Die Aussicht blieb auch der Landesregierung nicht verborgen. Der Bildungsminister verpflichtete sich, Bildung landesweit auszuweiten, so schnell es die Mittel zulassen.

Eine allgemeine Sekundarschulbildung, insbesondere für Mädchen, stellt eine transformative Kraft für Gesellschaften dar, die versuchen der Armut zu entkommen, weil Bildung auch die demografische Dynamik eines Landes verändert. In den ärmsten Teilen der Welt, wo Mädchen immer noch keine Schule besuchen, werden sie früh verheiratet und bekommen im Durchschnitt 6-8 Kinder. Diejenigen, die eine Schule besuchen, heiraten wesentlich später, etwa mit Anfang bis Mitte zwanzig, treten ins Erwerbsleben ein und bekommen 2-3 Kinder.

Das Zusammenspiel einer freiwilligen Beschränkung der Fortpflanzung und sinkender Armut ist tiefgreifend und zeitnah. Wenn arme Familien weniger Kinder haben, können sie es sich leisten mehr in die Gesundheit, Ernährung und Bildung pro Kind zu investieren. Mütter stehen dem Arbeitsmarkt länger zur Verfügung und durchbrechen seit langem bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Ein verringertes Bevölkerungswachstum bedeutet weniger Belastung für Land, Wasser und Biodiversität. Kurz gesagt sind die Verbindungen zwischen Bildung und reduzierter Fertilität, einer schnelleren wirtschaftlichen Entwicklung und geringerer Umweltzerstörung zu stark und zu offensichtlich, um ignoriert zu werden.

Wenn man Kindern auf aller Welt Zugang zu gemeinsamen Online-Bildungsinhalten verschafft und schon in frühem Alter „soziale Netzwerke“ von Kindern auf aller Welt ermöglicht, wird dies weitreichende Vorteile im Bildungsbereich mit sich bringen. Bei der kürzlich erfolgten Freischaltung einer Verbindung „von Schule zu Schule“ zwischen einer Grundschule in den Vereinigten Staaten und einer in Kenia, haben sich die jungen Schüler über eine Entfernung von über 12.000 Kilometern gegenseitig laut vorgelesen und fasziniert und voller Freude festgestellt, dass sie die Geschichten mit Kindern in einem anderen Teil der Welt teilen können. Das Teachers College der Columbia Universität wird den Ablauf des „von Schule zu Schule“-Projektes mithilfe formeller Kontrollmethoden sorgfältig beobachten, um den Wert der schulischen Erfahrungen in Bezug auf erweiterte kognitive und ethische Lernprozesse zu beurteilen.

Aktuellen Schätzungen zufolge sind etwa 300 Millionen Kinder im Schulalter weltweit der Möglichkeit beraubt eine Sekundarschulbildung zu erhalten, weitgehend aus wirtschaftlichen Gründen. Dieses Defizit, das die Zukunft dieser Kinder und ihrer Gesellschaften gefährdet, kann jetzt mit geringem Kostenaufwand ausgeräumt werden. Ein globaler Bildungsfonds, in Verbindung mit einer globalen freiwilligen Bemühung Kindern auf aller Welt Zugang zum Internet zu verschaffen, ermöglicht die Chance auf einen Durchbruch, der noch vor einigen Jahren unrealistisch war.

Initiativen dieser Art sind ein weiteres drastisches Beispiel für eine Grundwahrheit unserer Zeit: Extreme Armut, Analphabetismus und Todesfälle durch vermeidbare Krankheiten sind anachronistische Geißeln, wenn wir über die Technologien und den globalen guten Willen verfügen sie zu beenden.

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