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Funktionieren Militärinterventionen?

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2008-04-30

OXFORD – Da Friedenseinsätze in Ländern nach einem Konflikt teuer und komplex sind und der Irak-Krieg den Glauben der reichen Nationen an die Wahrscheinlichkeit des Erfolges von solchen Einsätzen ausgehöhlt hat, ist es an der Zeit für eine sachliche Untersuchung von militärischen Interventionen. Eine neue Studie des Kopenhagener Konsenses, welche die erste jemals erstellte Kosten-Nutzen-Analyse der UNO-Friedenseinsätze enthält, kommt zu dem Schluss, dass militärische Macht ein wichtiges Werkzeug darstellt, um das Blutvergießen auf der Welt zu verringern.

Der Irak als Anhaltspunkt für die Wirksamkeit derartiger Einsätze ist irreführend. Anders als die große Mehrheit der Konflikte wurde sein Bürgerkrieg durch einen internationalen Krieg entfacht. Das bei weitem typischere Szenario ist politische Gewalt in einem kleinen Land mit niedrigem Einkommen und wenig Wachstum, das durch starke ethnische Differenzen belastet ist.

Der Umgang mit diesen strukturell gefährlichen Ländern ist eindeutig eine der dringendsten Sicherheitsherausforderungen unserer Generation. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass die Probleme eskalieren werden. Bei der Hälfte der Bürgerkriege handelt es sich um Rückfälle nach einem Konflikt, und viele Länder sind nach kürzlich ausgehandelten Friedensabkommen instabil. Der Rohstoffboom sowie die Entdeckung von Mineralvorkommen in instabilen Staaten haben Zwietracht gesät, während die Verbreitung der Demokratie in Ländern mit niedrigem Einkommen die statistische Wahrscheinlichkeit für politische Gewalt – vielleicht überraschenderweise – erhöht.

Einige meinen, dass Länder, die von Konflikten befallen sind, ihre Probleme selbst lösen sollten. Doch sprechen Mitgefühl und eigene Interessen gegen diesen Ansatz. Moderne Bürgerkriege sind entsetzlich. Überwiegend sind es Zivilisten in den ärmsten und hoffnungslosesten Gegenden der Erde, die unter ihnen zu leiden haben. Reiche Nationen werden keine Opfer von politischer Gewalt, aber sie tragen einen Teil der Kosten. Schließlich sind zerrüttete Gesellschaften Oasen für illegale Machenschaften wie Drogenhandel und Terrorausbildungen.

Nicht in jeder Krisenregion sind Militärinterventionen angebracht, noch sollten sie die einzige Antwort der Industrieländer auf Konflikte sein. Hilfsleistungen zur Verhinderung von erneuten Gewaltausbrüchen nach einem Konflikt sind politisch wesentlich vertretbarer als der Einsatz von Gewalt, obwohl sie sehr teuer sind.

Die Zeit nach einem Konflikt ist einer der wirksamsten Zeitpunkte für Hilfsleistungen, da diese es den Regierungen ermöglichen, schädliche Inflationspolitik zu stoppen, zudem besteht, wenn das Exportniveau sehr niedrig ist, nur ein geringes Risiko für eine unerwünschte Währungsaufwertung. Zumal der Nutzen etwa dreimal höher ist als die Kosten, handelt es sich um eine gute – allerdings nicht spektakuläre – Verwendung der knappen öffentlichen Gelder.

Die Studie des Kopenhagener Konsenses empfiehlt, dass Hilfsgelder an Länder nach einem Konflikt mit Grenzwerten für militärische Ausgaben verbunden werden. Bedingungen für Hilfsleistungen zu stellen, ist umstritten, doch werden derzeit etwa 11 % aller Hilfsgelder für militärische Zwecke verwendet, was die Wahrscheinlichkeit von Gewalttaten signifikant erhöht. Das niedrigere Konfliktrisiko und die bessere Verwendung des Geldes würden bedeuten, dass der Nutzen der Hilfsleistungen auf einen Wert klettern würde, der 4,5-mal höher als die Kosten wäre.

Dennoch wird die Kostenwirksamkeit von reinen Hilfsleistungen durch den Einsatz von Friedenstruppen übertroffen.

Die erste Kosten-Nutzen-Analyse von Friedenseinsätzen zeigt, dass das Risiko für zukünftige Konflikte vom Umfang des Militäreinsatzes abhängt. Im Vergleich zum Nichteinsatz von Truppen verringert ein Friedenseinsatz, der $ 100 Millionen kostet, das 10-Jahres-Konfliktrisiko von 38 % auf 16,5 %. Bei einer Ausgabe von jährlich $ 200 Millionen fällt das Risiko weiter auf ca. 12,8 %. Bei $ 500 Millionen sinkt es auf 9 % und bei $ 850 Millionen auf 7,3 %.

Aufgrund der massiven Kosten, die ein Krieg verursacht, ist für die Welt jeder Prozentpunkt, um den sich das Risiko reduziert, etwa $ 2,5 Milliarden wert. Der teuerste Einsatz reduziert das Konfliktrisiko um massive 30 Prozentpunkte, wobei sich die 10-Jahres-Gewinne auf $ 75 Milliarden belaufen – gegenüber Gesamtkosten von $ 8,5 Milliarden. Das wäre eine äußerst vielversprechende Investition.

Friedenseinsätze sind sogar noch wirtschaftlicher, wenn sie in Form einer langfristigen Sicherheitsgarantie bereitgestellt werden: einer verlässlichen Verpflichtung, Truppen bei Bedarf zu entsenden. Eine Garantie könnte von der UNO oder einer regionalen Macht wie der Afrikanischen Union geboten werden, um Regierungen zu schützen, die durch geprüfte demokratische Wahlen an die Macht gelangt sind.

Eine Garantie könnte der Welt zuverlässig helfen, drei der vier neuen Bürgerkriege zu verhindern, die in jedem Jahrzehnt in Ländern mit niedrigem Einkommen erwartet werden. Die Strategie könnte darüber hinaus auch Staaten für einen anfänglichen Zeitraum (von ca. fünf Jahren) nach einem Konflikt schützen, wenn die Anwesenheit von Truppen erforderlich ist. Die Bereitstellung von glaubwürdigen Sicherheitskräften, um all diese Risiken zu bewältigen, würde jährlich etwa $ 2 Milliarden kosten, doch sind die Gewinne – aufgrund einer signifikanten Verringerung des Konfliktrisikos und des schnelleren Wirtschaftswachstums – um 11,5- bis 39-mal höher.

Militärinterventionen sind nicht der einzige Ansatz, den die Welt wählen sollte, um das Auftreten politischer Gewalt zu reduzieren. Die beste, umfassende Strategie ist, Hilfsleistungen, Grenzwerte für militärische Ausgaben, Friedenstruppen und langfristige Sicherheitsgarantien so zu kombinieren, dass sichergestellt ist, dass sich die Industrieländer konsequent mit Krisenherden auseinandersetzen. Die UN-Kommission zur Friedenskonsolidierung hat das Potential, dies zu koordinieren. Die jährlichen Kosten des vollständigen Maßnahmenpakets würden sich auf $ 10,8 Milliarden belaufen, doch wäre der Nutzen für die Welt mindestens fünfmal so hoch.

Kontroversen sollten den Einsatz militärischer Gewalt in Situationen, wo dieser sich als wirkungsvoll erweisen würde, nicht ausschließen. Im Rahmen eines Maßnahmenpakets bleiben Friedenseinsätze eine verlässliche und effektive Möglichkeit, instabilen Nationen zu Stabilität zu verhelfen und das Leiden der wehrlosesten Menschen der Welt zu verringern.

Paul Collier ist Professor für Wirtschaft an der Universität Oxford. Bjørn Lomborg ist Organisator des Kopenhagener Konsenses, außerordentlicher Professor an der Copenhagen Business School und Autor von Cool It und The Skeptical Environmentalist (Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln).

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AUTHOR INFO

Paul Collier is Professor of Economics, Oxford University.
Bjørn Lomborg is the author of The Skeptical Environmentalist and Cool It, head of the Copenhagen Consensus Center, and adjunct professor at Copenhagen Business School.