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Die Überwindung journalistischer Defizite in Afrika

In den letzten 25 Jahren hat man in Afrika sowohl im Bereich Regierungsführung als auch in den Medien ermutigende Fortschritte vorzuweisen. Afrika hat nicht nur die schlimmsten Altlasten des Kolonialismus, sondern auch die rigorosen Zwänge des Kalten Krieges überwunden. Alte Dogmen wurden durch einen neuen Pragmatismus ersetzt – eine neue Freiheit, die Innovationen und Unternehmungen ermöglicht und afrikanische Antworten auf afrikanische Herausforderungen findet.

Afrika hat in diesen Jahren viel über Demokratie gelernt, sowohl über ihre Zerbrechlichkeit als auch deren Potenzial. In zunehmenden Maße erwartet man friedliche Regierungswechsel, regionale Kooperationen sowie Aufmerksamkeit für die Fähigen und Strafen für die Korrupten. Der Fortschritt reicht auch über die nationale Ebene hinaus. Die Wirtschaftskommission für Afrika kommt in ihrem jüngsten Bericht zu folgendem Schluss: „ Die Zivilgesellschaft und die Medien haben sich in den letzten zehn Jahren der demokratischen Reformen mehr Gehör verschaffen können und ihre Stellung ausgebaut.“

In vielen Bereichen, vor allem in den Medien, hat man allerdings noch immer einen langen Weg vor sich.

Respekt vor der Pressefreiheit resultiert aus dem Respekt für Pluralismus als Grundstein für Frieden und Fortschritt. Pluralismus impliziert die Bereitwilligkeit, vielen Stimmen Gehör zu schenken – ob man deren Ansichten nun teilt oder nicht – und den Willen, kulturelle Vielfalt gutzuheißen.

Wenn uns diese Vielfalt trennt, kann das tragisch enden, wie wir in Ruanda, der Elfenbeinküste, der Demokratischen Republik Kongo oder im Sudan gesehen haben. Wenn wir aber diese Vielfalt – und die mit ihr verbundene Diskussion und Opposition – begrüßen, säen wir Stabilität und Fortschritt.

Es gibt heute allerdings noch eine zweite, mit den Medien zusammenhängende Frage hinsichtlich der Zulänglichkeit journalistischen Wissens in einer zunehmend komplizierten Welt. Die afrikanischen Führungen scheinen ernsthafte Bedenken in Bezug auf das Ausmaß dieses Wissens zu haben und echte Zweifel an den Kenntnissen vieler Journalisten im Hinblick auf komplexe Themen zu hegen. Selbstverständlich ist ein profunderes und breiteres Wissen von maßgeblicher Bedeutung für die Zukunft des afrikanischen Journalismus.

Die Revolution in der Biotechnologie beispielsweise verspricht, ländliche Gesellschaften ebenso zu wandeln wie die Industrialisierung einst Stadtbilder neu formte. Die Genetik wird neue Lösungsansätze für individuelle und Probleme des öffentlichen Gesundheitswesens finden, einschließlich der Bekämpfung von Geißeln der Menschheit wie AIDS und Malaria.

Unterdessen gelingt es den Naturwissenschaften neue Einsichten über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung in Afrika zu gewinnen. Neue Informationstechnologien werden das Bildungswesen auch in entlegenen Gebieten Afrikas verändern und damit nicht-industrielle Volkswirtschaften neu beleben.

Allerdings gibt es einen Mangel an Journalisten, die über ausreichendes Wissen in diesen Bereichen verfügen, um die afrikanische Öffentlichkeit zu informieren.

Zur Verbesserung dieser Situation müssen wir den Dialog und die Kommunikation zwischen den Journalisten und denjenigen intensivieren, über die geschrieben wird: Politiker, hohe Beamte, Geschäftsleute und religiöse Oberhäupter – kurzum, die Stimmen der Zivilgesellschaft.

Auf der Seite der Medien sollte das mit eingehenderer Recherche am Beginn der Berichterstattung und des Verfassens von Artikeln verbunden sein. Die Kultivierung des Wissens ist ebenso wichtig wie die Kultivierung der Quellen.

Aber auch Quellen können noch hilfreicher sein. So sind beispielsweise im Westen inoffizielle Hintergrundbriefings an der Tagesordnung, in Afrika jedoch relativ selten. Manche Journalisten bekommen selbst auf direkte Anfragen nur spärlich Rückmeldungen. Dieser routinemäßige Informationsaustausch muss in Afrika noch verbessert werden.

In einer perfekten Welt würde man Journalisten detailliert in allen Gebieten unterweisen, über die sie berichten. Wissenschaftliche Gewandtheit, ökonomischer Spürsinn, politische Rafinesse und medizinische Erfahrung – all das sollte in unseren Nachrichtenstudios und Redaktionen von heute selbstverständlich sein.

Es gibt verständliche Gründe, warum dieses Ideal noch immer nicht Realität ist. Vor allem deshalb, weil der Beruf des Journalisten nicht als ehrenhaft gilt und weil zu viele junge Afrikaner Journalisten viel zu lange als bloße Propagandisten erlebten. Überdies war der Beruf des Journalisten oftmals gefährlich. Zwischen 1985 und 1995 wurden in Afrika 108 Journalisten getötet. Das Risiko schwindet zwar, ist aber immer noch gegeben. Schließlich wird man als Journalist wesentlich schlechter bezahlt als in anderen Berufen.

Auch die Eigentümer und Manager der Medien sind für die schlechte Qualität verantwortlich. Viel zu oft betrachten die Verantwortlichen die Medienlandschaft in erster Linie unter ökonomischen Gesichtspunkten. Zu oft ist der Maßstab für den Erfolg nur der finanzielle Gewinn. Daraus ergeben sich manipulative Medien, die in ihrem Streben nach höheren Leser- und Zuschauerzahlen verzerrend und irreführend berichten. Der Journalismus hat sich dem Entertainment zu fügen und die Informationspflicht muss dem Streben nach Beifall den Vortritt lassen.

Verantwortungsvolle und sachbezogene Berichterstattung hat keine Priorität in diesem ökonomischen Modell. Stattdessen wird die Macht der Presse dazu benutzt, traditionelle Wertsysteme auf den Kopf zu stellen – das Belanglose zu Wesentlichem aufgeblasen und das Triviale dramatisiert.

Der Schaden, der durch einen derart entstellten Journalismus angerichtet wird, ist vor allem in Afrika enorm. Afrikanische Wertesysteme werden verletzt, afrikanische Energie wird abgelenkt und der afrikanischen Entwicklung wird ein schlechter Dienst erwiesen. Manipulierender Journalismus ist in diesem Fall nicht nur ein Ärgernis, sondern kann regelrecht destruktiv wirken.

Durch partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Regierungen, dem privaten Sektor und den Institutionen der Zivilgesellschaft können sich die afrikanischen Medien zu einer seriösen Informationsquelle entwickeln, kompetente Kommentare und Einsichten vermitteln sowie konstruktiv und kooperativ soziale Verantwortung übernehmen, selbst wenn sie frei, unabhängig und wirtschaftlich erfolgreich bleiben.

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