Sunday, August 31, 2014
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Klarheit über Diamanten

PRINCETON – In unserer Vorstellung verbinden wir Diamanten mit Reinheit und Licht. Sie werden als Liebespfand verschenkt und als Symbol der Hingabe getragen. Dennoch waren Diamanten Anlass für grausame Morde, haben massenhaft Vergewaltigungen und Amputationen nach sich gezogen.

Charles Taylor, ehemaliger Präsident von Liberia, der sich gegenwärtig vor einem Sondertribunal in Den Haag für Kriegsverbrechen verantworten muss, soll Diamanten benutzt haben, um Rebellen im Bürgerkrieg in Sierra Leone zu finanzieren. Der Prozess gegen Taylor ist nur eines von mehreren Beispielen, in denen Diamanten umfassende Verletzungen der Menschenrechte begünstigt haben.

Als die Rolle, die Diamanten dabei spielen gewalttätige Konflikte in Afrika zu schüren weltweit Aufmerksamkeit erlangte, führte die Diamantenindustrie den Kimberly-Prozess ein, um den internationalen Handel mit „Blutdiamanten“ zu unterbinden. Die Initiative kann auf einige Erfolge verweisen, obwohl es nicht gelungen ist den Handel mit Diamanten aus konfliktgeschüttelten Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo völlig abzustellen.

In letzter Zeit sind allerdings Bedenken – vom Diamantenhandel selbst – angemeldet worden, dass der Kimberly-Prozess zu kurz greift und Abnehmer sich somit in dem Glauben wiegen, es gäbe keine ethischen Probleme mehr mit Diamanten. Das entspricht keineswegs der Wahrheit.

Das Problem spitzte sich zu, als im Rahmen des Kimberly-Prozesses Diamanten aus Marange, Simbabwe, zertifiziert wurden. Das im Jahr 2006 entdeckte Diamantenfeld in Marange ist eines der ertragreichsten, das jemals gefunden wurde.

Laut eines unlängst von der Partnerschaft Afrika-Kanada (PAC) veröffentlichten Berichts mit dem Titel Diamonds and Clubs sind Bauern von Soldaten zwangsrekrutiert worden, um für die Diamantkartelle in Marange zu arbeiten. Die Soldaten beanspruchen die Hälfte ihrer Einkünfte anschließend für sich. Es wird außerdem von erheblichen Misshandlungen und willkürlichen Inhaftierungen berichtet. Als der simbabwische Menschenrechtsaktivist Farai Maguwu Informationen über die Misshandlungen verbreitete, wurde er festgenommen (und inzwischen wieder freigelassen).

Die Behörden in Simbabwe behaupten, dass die gewalttätigen Menschenrechtsverletzungen beendet wurden, das ethische Problem mit Marange-Diamanten ist jedoch wesentlich tiefgreifender. Bald nachdem das Feld entdeckt wurde, hat das simbabwische Militär die Kontrolle über das Gebiet übernommen. Dem simbabwischen Finanzminister Tendai Biti zufolge hat das Finanzministerium, vier Jahre nach der Übernahme der Diamantenfelder durch das Militär, keinen Pfennig an Lizenzgebühren aus dem Verkauf von Marange-Diamanten erhalten. Die militärische und politische Elite von Simbabwe hat sich den immensen Reichtum der Diamantenfelder angeeignet, ohne dass Millionen in bitterer Armut lebender Simbabwer von Maßnahmen profitieren würde, die sich das Land leisten könnte.

Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass die Entdeckung von Bodenschätzen in einem Entwicklungsland einige wenige hat reich werden lassen, anstatt zu mehr Wohlstand für alle zu führen. Teodoro Obiang, der Diktator des winzigen, ölreichen Äquatorialguinea, verfügt offiziell über ein Einkommen in Höhe von 60.000 Dollar, besitzt allerdings sechs Privatjets, ein Anwesen in Malibu im Wert von 35 Millionen Dollar, sowie weitere Häuser in Maryland und Capetown und einen Fuhrpark aus Lamborghinis, Ferraris und Bentleys.

Die meisten der Menschen, über die Obiang herrscht, leben in äußerster Armut, mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 49 Jahren und einer Säuglingssterblichkeitsrate von 87 pro 1.000 Lebendgeburten (mit anderen Worten stirbt mehr als eines von zwölf Kindern vor seinem ersten Geburtstag). Nigeria und Angola sind weitere eklatante Beispiele für Länder, die es versäumt haben ihren Ölreichtum zum Wohle ihrer Bevölkerung einzusetzen.

Paradoxerweise sind Entwicklungsländer mit reichhaltigen Rohstoffquellen häufig schlechter gestellt als vergleichbare Länder, die nicht über solche Vorkommen verfügen. Ein Grund hierfür besteht darin, dass umfangreiche Rohstoffvorkommen einen enormen finanziellen Anreiz für Versuche darstellen, die Regierung zu stürzen und die Macht zu ergreifen. Rebellen wissen, dass sie im Falle eines Erfolges mit unermesslichem persönlichen Reichtum rechnen können, diejenigen belohnen können, die ihren Putsch unterstützt haben und genügend Waffen haben werden, sich an der Macht zu halten, egal wie übel ihre Herrschaft ist. Es sei denn, einige derer, die sie mit Waffen ausstatten, geraten selbst in Versuchung all den Reichtum zu kontrollieren.

Somit werden Vorkommen, von denen Entwicklungsländer eigentlich profitieren sollten, zu einem Fluch, der Korruption, Umstürze und Bürgerkriege mit sich bringt. Wenn wir Güter verwenden, die aus Rohstoffen hergestellt werden, die aus einem armen Land bezogen werden, ohne dass die Erlöse der Bevölkerung dieses Landes zu Gute kommen, werden wir mitschuldig an einer besonders ungerechten Form des schweren Diebstahls.

Insofern ist es ermutigend, dass Bedenken angesichts simbabwischer Diamanten innerhalb des Diamantenhandels selbst aufkommen. Die Rapaport-Gruppe, ein internationales Netzwerk aus Unternehmen, die Dienstleistungen für die Diamantindustrie anbieten, weigert sich Marange-Diamanten in seine Diamanthandel-Plattform RapNet aufzunehmen. Martin Rapaport, Vorsitzender der Gruppe, hat freien Zugang zu den Diamantenfeldern für Nichtregierungsorganisationen und Branchenvertreter gefordert, um die Menschenrechtssituation zu überwachen. Noch bedeutender sind die von ihm Anfang des Jahres in einer Rede in Mumbai dargelegten Voraussetzungen zur Legitimierung von Marange-Diamanten, die einige Zusicherungen enthalten, dass „die Einnahmen aus den Diamantverkäufen auf legalem Wege und in einer Art und Weise verteilt werden, die den Menschen in Simbabwe angemessen und fair zu Gute kommt.“

Es besteht Bedarf für höhere Standards als jene, die durch den Kimberly-Prozess festgelegt worden sind. Wenn Abnehmer darauf bestehen ausschließlich moralisch vertretbare Diamanten zu kaufen, können Händler in die Lage versetzt werden diese Forderung bis an ihre Quellen zurückzureichen. Und wenn sich die Diamantenindustrie eine ethische Grundlage geben kann, könnte sie eine Botschaft an andere Branchen senden, die Geschäfte mit Rohstoffvorkommen machen, die faktisch einigen der ärmsten Menschen der Welt gestohlen werden.

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