Als aufgedeckt wurde, dass eine staatliche Ziegelei im Bezirk Hongdong in der Provinz Shanxi Sklavenarbeit einsetzte, schoss mir eine bekannte Episode aus einer Peking-Oper durch den Kopf. In dieser Oper bittet eine Prostituierte namens Su San, nachdem Sie zum Tode verurteilt wurde, unbeteiligte Passanten um Erbarmen, während sie in Ketten über die Hauptstraßen des Bezirks Hongdong abgeführt wird.
Wenn ich auf die Website der Bezirksregierung klicke, ist dort keine Rede von Sklavenarbeit oder Kinderarbeitern in der Ziegelei. Alles, was man findet, sind Nachrichtensprecher aus dem nationalen Fernsehen, die die lächelnden Gesichter der Menschen zeigen, die nach Hongdong zurückkommen, um ihre Wurzeln zu suchen und ihre Ahnen zu ehren. Es gibt auch Berichte über die Besuche hoher Funktionäre in Hongdong.
Wären da nicht die 400 Väter gewesen, die ein Gesuch für die Rettung ihrer entführten Kinder einreichten, die in die Sklaverei verkauft worden waren, so bliebe der Bezirk Hongdong in der Tat immer noch ein Touristenmagnet für Chinesen, die auf der Suche nach ihren Wurzeln sind. Infolge der mit Sklavenarbeit betriebenen Ziegeleien sowie der Berichte über einen achtjährigen Kinderarbeiter, der lebendig begraben wurde, und über ermordete Wanderarbeiter hat Hongdong seinen guten Namen verloren.
Dennoch werden trotz des Skandals immer noch Wanderarbeiter und Kinder in Schuluniformen aus anderen Provinzen entführt und in monströse Ziegeleien und Kohlebergwerke gezwungen. Mädchen werden für nur $ 5 pro Freier zur Prostitution gezwungen.
Die 400 Väter der versklavten Kinder werden sich natürlich fragen, wo genau die Achtung vor dem Leben in Präsident Hu Jintaos so genannter „harmonischer Gesellschaft“ bleibt. Wie viele chinesische Kinder werden in den Fängen unseres kapitalistisch/kommunistischen Systems noch versklavt? Wer ist verantwortlich, wenn derartige Verbrechen geschehen?
Diese Männer wollen einfach ihre Kinder zurück, aber die Regierung beobachtet die besorgten Väter bloß mit Misstrauen. Darüber hinaus dürfen diese Väter lediglich ihre Kinder zurückfordern, aber keine Entschädigung. Schließlich haben die Chefs der Ziegeleien 400 Yuan für jedes Kind bezahlt, also stehen ihre Besitzansprüche auf dem Spiel.
Die chinesische Gesellschaft ist derzeit bis ins Mark verdorben. Denn die Sklaverei beschränkt sich nicht nur auf die Ziegeleien in Hongdong. Solche Schandflecken gibt es überall im Land. Was die Sache noch verschlimmert, ist, dass die staatlichen Behörden, insbesondere die Polizei, über diese Sklavengeschäfte wachen, um sie aufrechtzuerhalten.
Vor vier Jahren wurde der College-Absolvent Sun Zhigang festgenommen, weil er durch die Straßen der Stadt Guangzhou spazierte. Er wurde in der Haft zu Tode geprügelt. Dieser Vorfall enthüllte, in welchem Maße die Polizei bei der Versklavung einfacher Chinesen mitarbeitete. Die Berichterstattung in den Medien schürte eine Gegenreaktion überwältigender öffentlicher Abscheu.
Doch war die Veränderung nur oberflächlich. Der Menschenhandel wurde von der Polizei an Arbeitsagenturen und das Ministerium für Arbeitsüberwachung übertragen. Häufig sind die staatlichen Funktionäre selbst die schlimmsten Menschenhändler. Und die grausamste Statistik von allen ist, dass viele Kindersklaven, die gerettet werden, von Funktionären an ein anderes Werk weiterverkauft werden.
Vor sieben Jahren reiste ein Abgeordneter aus der Provinz Hunan in die Provinz Shanxi, um Sklavenarbeiter aus den Ziegeleien zu retten. Damals knieten die geretteten Arbeiter nieder und weinten. Zum Glück wurden sie nicht geschlagen oder lebendig begraben, weil sie nicht zu ihrer Schicht erschienen, was anderen passiert ist.
Heute jedoch könnte der Abgeordnete keinen einzigen Arbeiter retten, weil die lokale Regierung und Polizei aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt haben, wie sie Übereifrige fernhalten können. In ganz China gibt es über 1000 Ziegeleien und Kohlebergwerke, und die meisten von ihnen stehen unter dem Schutz korrupter Beamter.
Hu Wenhai, ein mutiger Mann aus Shanxi, der zwei korrupte Funktionäre tötete, sagte vor seiner Hinrichtung: „Die Funktionäre zwingen die Leute zur Rebellion. Ich kann nicht zulassen, dass diese Arschlöcher die Menschen weiter ausnehmen. Ich weiß, dass ich sterben muss, aber mein Tod wird die Aufmerksamkeit dieser Funktionäre auf sich ziehen.“
Anstatt dass China über die Nachrichten, dass Kinder versklavt werden, vor Wut erschüttert ist, werden die Medien zensiert und die 400 Eltern der Kinder von Hongdong von der Regierung auf die schwarze Liste gesetzt. Sie können ihre Häuser nicht verlassen, um ihre Kinder zu suchen. Es scheint heute so, dass die tägliche Arbeit der Regierung in China darin besteht, die Leute davon abzuhalten, sich und ihre Familien zu schützen, in dem Versuch, die Verbrechen der „harmonischen Gesellschaft“ zu vertuschen.
Der von Mao Zedong eingeführte Sozialismus wurde durch ein vollkommen zynisches Kredo ersetzt. Organisierte Verbrecher führen einen Großteil der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Das ehemalige Paradies der Armen ist für sie zur Hölle geworden. Und die korrupten Beamten? Man kann sicher sein, dass sie nächstes Jahr um diese Zeit ihre Ahnen ehren werden und dabei über den Boden marschieren, auf dem Kindersklaven lebendig begraben wurden, weil sie es wagten, auf ihre Menschlichkeit zu pochen.


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