Seit der Berliner Afrikakonferenz im Jahr 1883, die der damalige belgische König Leopold II. als „Aufteilung des afrikanischen Kuchens“ bezeichnete, hat sich der Westen Exklusivrechte an Afrika südlich der Sahara gesichert. Der jahrhundertelange Kampf gegen Kolonialherrschaft und Apartheid hat wenig daran geändert. Nun aber wird der westliche Einfluss durch China in den Hintergrund gedrängt, das sich ebenfalls für die reichen Mineralvorkommen und Bodenschätze Afrikas interessiert.
Durch sein Verständnis für die anti-kolonialen Ressentiments – und den ernsthaften Umgang mit dem Kontinent – hat sich China in ganz Afrika Wohlwollen erworben. An der noch in diesem Jahr stattfindenden nächsten Konferenz des chinesisch-afrikanischen Kooperationsforums (CACF), das zur Förderung von Handel und Investitionen gegründet wurde, werden neben 46 afrikanischen Staatschefs auch Vertreter der chinesischen Führung teilnehmen. Allerdings statten der chinesische Präsident Hu Jintao, Vizepräsident Zeng Quinghong und Ministerpräsident Wen Jiabao dem Kontinent auch außerhalb dieser Konferenzen regelmäßige Besuche ab.
Mit den Bemühungen Chinas, seine Verbindungen mit Afrika zu stärken, werden drei Ziele verfolgt: die Konsolidierung einer sicheren Energie- und Ölversorgung, die Beschränkung des taiwanesischen Einflusses auf dem Kontinent (wo sechs jener 26 Staaten liegen, mit denen Taiwan volle diplomatische Beziehungen unterhält) und die Ausweitung der wachsenden globalen Bedeutung Chinas.
China hat in Afrika Milliarden Dollar in Ölproduktion, Bergbau, Transport, Stromproduktion und –transport, Telekommunikation und andere Infrastrukturprojekte investiert. Bei einem Gesamtvolumen an ausländischen Direktinvestitionen in Afrika von 15 Milliarden Dollar betrug Chinas Anteil allein im Jahr 2004 900 Millionen Dollar.
So ließen sich die Chinesen den Erwerb eines 45 %-Anteils an einem nigerianischen Offshore-Ölfeld beinahe 2,3 Milliarden Dollar kosten und versprachen zusätzlich 2,25 Milliarden Dollar in die Entwicklung weiterer Reserven zu investieren. Angola, das momentan 25 % seiner Ölproduktion nach China exportiert, wurde im Gegenzug für die vertragliche Zusicherung, täglich 10.000 Barrel Öl an China zu liefern, ein Darlehen in der Höhe von 2 Milliarden Dollar gewährt.
Der Sudan, aus dem 7 % aller chinesischen Ölimporte stammen, profitierte von den größten chinesischen Investitionen. Die staatliche chinesische Ölfördergesellschaft China National Petroleum Corporation hält einen 40 %-Anteil an der Greater Nile Petroleum Company und investierte 3 Milliarden Dollar in eine Raffinerie und den Bau einer Pipeline. Darüber hinaus sind 4.000 Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee im Süden des Sudans stationiert, um den Schutz der Pipeline zu gewährleisten.
Aus den Zahlen über die Handelsaktivitäten lassen sich ähnliche Rückschlüsse auf den wachsenden chinesischen Einfluss ableiten. In den 1990er Jahren wuchs das chinesisch-afrikanische Handelsvolumen um 700 %, verdoppelte sich zwischen 2000 und 2003 auf 18,5 Milliarden Dollar und wuchs in den ersten zehn Monaten des Jahres 2005 sprunghaft auf 32,2 Milliarden Dollar an. Während das afrikanische Wirtschaftswachstum durch die Handels- und Investitionsbeziehungen mit China im Jahr 2005 auf ein Rekordhoch von 5,2 % stieg, erließ China afrikanischen Ländern auch bilaterale Schulden in der Höhe von 10 Milliarden Dollar.
Doch diese engeren Beziehungen haben auch Kontroversen mit sich gebracht. So wurden afrikanische Länder zu Großabnehmern chinesischer Waffen und militärischen Geräts. Auf einem so instabilen, mit Waffen gesättigten Kontinent wie Afrika steht man der Anschaffung von noch mehr militärischem Gerät nicht gerade wohlwollend gegenüber. Doch der chinesische Vizeaußenminister drückte es so aus: „Geschäft ist Geschäft und China trennt Geschäft und Politik.“
Langfristig vielleicht noch bedenklicher ist die chinesische Unterstützung für autoritäre Führer in Afrika. Wirtschaftswachstum ohne soziale Gerechtigkeit führt nur dazu, dass der Mehrheit der Menschen in Afrika weiterhin ein angemessener Lebensstandard zugunsten einer kleinen reichen Minderheit vorenthalten wird.
Die Tatsache, dass China innerhalb eines Jahrzehnts Afrikas Machtgleichgewicht veränderte, die USA und Großbritannien als wichtige Wirtschafts- und Handelspartner des Kontinents auf den dritten und den vierten Platz verwies und Frankreich den ersten Platz strittig machte, verärgert diese Länder. Frankreich verstärkte seine Überwachung der chinesischen Afrika-Aktivitäten. Und um Europa enger an Afrika zu binden, schlug der britische Premierminister Tony Blair sogar vor, die in der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union vorgesehenen landwirtschaftlichen Subventionen zu streichen.
Afrika ist das einzig verbliebene so genannte „weiche Ziel“ dieser Welt, wo ausländische Mächte sich den Zugang zu den Mineralressourcen auskämpfen können. Zum Schlachtfeld eines wirtschaftlichen und politischen Krieges zu werden ist allerdings das Letzte, was Afrika braucht. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit wissen die Afrikaner, dass Länder keine Freunde, sondern nur Interessen haben.
Der aktuelle Konflikt in Darfur veranschaulicht das Problem. Trotz erklärter Nichteinmischung von Seiten Chinas sprechen die chinesischen Interessen an sudanesischem Öl eine andere Sprache. Daher droht China auch mit seinem Veto gegen jegliche Resolution des UN-Sicherheitsrates, in der Sanktionen gegen die arabische Führungsschicht der sudanesischen Regierung vorgesehen sind, deren Truppen und Regierungsmilizen Völkermord an der schwarzen Bevölkerung des Sudan begehen und dazu Kampfhubschrauber chinesischer Herkunft einsetzen, die auf Flugfeldern stationiert sind, welche von chinesischen Ölfirmen unterhalten werden.
Bis China erkennt, dass seine ökonomischen Interessen in Afrika an die politische Entwicklung des Kontinents gebunden sind, wird dieses Grauen weitergehen. Die afrikanische Wirtschaft wird vielleicht wachsen, aber der afrikanische Kontinent wird weiterhin leiden.


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