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Kapitalismus und Skepsis

Christopher Carroll

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2008-09-29

BALTIMORE – Derzeit bringt jeder neue Tag eine weitere Meldung über ein Rettungspaket an der Wall Street, das sogar noch riesenhafter ist als das davor, sodass sich immer stärker eine Frage aufdrängt: Warum schneidet die amerikanische Wirtschaft unter republikanischen Präsidenten so schlecht ab?

Die Fakten sind schwer zu bestreiten; die historischen Belege sind jetzt sogar so eindeutig, dass hartgesottene Republikaner sich wahrscheinlich langsam fragen, ob sie mit einem Fluch belegt wurden. In dem Zeitraum, für den die moderne Statistik zur Verfügung steht, haben die Demokraten nach fast jedem traditionellen Maß für Wirtschaftsleistung besser abgeschnitten als die Republikaner (BIP-Wachstum pro Kopf, Arbeitslosigkeit, Inflation, Haushaltsdefizite).

Die Demokraten haben es sogar geschafft, die Republikaner auf ihrem eigenen „Hoheitsgebiet“ zu schlagen. Dank der Verschwendungssucht der derzeitigen Regierung Bush (und der Sparsamkeit der Regierung Clinton) sind die durchschnittlichen Ausgaben des Bundes im Verhältnis zum BIP in der gemessenen Zeit unter republikanischen Präsidenten mittlerweile höher als unter den Demokraten.

Das Muster der republikanischen Defizite bleibt bestehen, wenn man die Spanne der historischen Analyse auf Aktiengewinne ausweitet, um die Wirtschaftsleistung zu messen. Im Durchschnitt war die Belohnung dafür, dass man sein Geld in Aktien anlegt, seit dem Beginn des Standard and Poor’s Composite Index 1926 in der Amtszeit eines republikanischen Präsidenten jeweils um ca. 16 Prozentpunkte niedriger als unter den Demokraten. Das schlechte Abschneiden der Republikaner bleibt eine hartnäckige Tatsache, auch wenn die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg aus der Analyse herausgerechnet werden (in der kühnen Hoffnung, dass sie sich als einmalige Ereignisse erweisen werden).

Während die aktuelle Amtszeit des Präsidenten auf ein derart katastrophales Ende zutorkelt, dass der Amtsinhaber sich wahrscheinlich Sorgen darum macht, als George Herbert Hoover Walker Bush in Erinnerung zu bleiben, schreit die Korrelation zwischen der Partei des Präsidenten und der Wirtschaftsleistung nach einer Erklärung.

Die Antwort kann man nicht in den einzelnen politischen Vorschlägen der Republikaner oder Demokraten finden, die sich im Laufe der Jahre so sehr verändert haben, dass eine sinnvolle Verallgemeinerung nicht möglich ist. Es gibt auch keine eindeutig erkennbaren Unterschiede im Programm, die sich in eine sinnvolle Erwartung eines besseren ökonomischen Abschneidens unter der einen oder der anderen Partei übersetzen ließen.

Die beste Erklärung hat vielleicht mit Einstellungen zu tun, nicht mit Ideologie. Vielleicht funktioniert der Kapitalismus besser, wenn Skeptiker die Überschwänge im Zaum halten, als wenn wahre Gläubige die Spielregeln schreiben, auslegen, beurteilen und ausführen. Die Demokraten sind gewiss die skeptischere der beiden Parteien Amerikas.

Einige Belege hierfür kann man in den Eigenschaften der amerikanischen Wirtschaft finden, von denen wir glauben, dass andere sie nachahmen sollten. Heutzutage besteht eine überwältigende Übereinkunft darüber, dass offene, transparente und rechenschaftspflichtige Mechanismen der Aktionärskontrolle essenziell für das effiziente Funktionieren staatlicher Unternehmen sind. Rechtschaffenheit wird anhand guter Buchführungsrichtlinien definiert.

Doch ist es aufschlussreich, sich daran zu erinnern, dass viele dieser derzeit allgemein anerkannten Richtlinien zunächst auf starken Widerstand stießen, als sie vorgeschlagen wurden. Der Skandal um die rückdatierten Optionsscheine, der den Apple-Chef Steve Jobs vor kurzem einholte, ist ein Mikrokosmos der Innovation, Strafverfolgung und Reform; jetzt, da eine Vorschrift geschrieben wurde, die eine Rückdatierung verbietet, wird dieser spezielle Betrug nicht noch einmal passieren. So nähern sich die Buchführungsrichtlinien der Perfektion.

Was lernen wir aus diesem Beispiel? Schwer zu sagen. Vielleicht, dass der Kapitalismus besser funktioniert, wenn er anhand einer externen Norm zur Rechenschaft gezogen wird, als wenn er sich selbst überlassen wird.

Während das zwanzigste Jahrhundert im Rückspiegel verschwindet, scheint es immer mehr so, als wäre das grundlegende Manifest unseres Zeitalters Milton Friedmans Buch Kapitalismus und Freiheit gewesen, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Doch leitete dieses Buch seine Stärke ursprünglich aus seiner kämpferischen Unabhängigkeit von den orthodoxen Lehren jener Zeit ab. Friedmans Stimme war ein skeptischer frischer Luftzug zu einer Zeit, in der die vorherrschende Einstellung eine Art selbstgefälliger Pseudosozialismus war, der die erstaunliche Kraft des Marktes, wünschenswerte Ziele zu erreichen, nicht anerkannte.

Heute ist jedoch die vorherrschende republikanische Lehre eine Art selbstgefälliger Pseudo-Friedmanismus, der glaubt, dass die Märkte, wenn sie sich selbst überlassen werden, nicht irren können. Vielleicht ist es an der Zeit für einen weiteren frischen Luftzug.

Das Buch für die neue Epoche muss erst noch geschrieben werden, aber ich hätte einen Titel vorzuschlagen: Kapitalismus und Skepsis. Skepsis ist vielleicht nicht so erfrischend wie Freiheit, aber wir hätten davon in den letzten paar Jahren etwas mehr gebrauchen können.

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AUTHOR INFO

Christopher Carroll is Professor of Economics at Johns Hopkins University.