European Economies
Die Zukunft liegt bei den zentralen Regulierungsbehörden auf dem Finanzmarkt
Clive Briault
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Warum haben einige Länder beschlossen, eine zentrale nationale Regulierungsbehörde für die Finanzdienstleistungen einzurichten?
Es gibt hierfür hauptsächlich vier Gründe:
Zunächst macht die Marktentwicklung - also die zunehmende Anzahl von Finanzkonzernen und das Verwischen der Grenzen zwischen den einzelnen Finanzprodukten - branchenspezifische Regulierung immer unzuverlässiger. In den meisten Ländern erlebt die Finanzdienstleistungsindustrie branchenübergreifende Fusionen und Übernahmen, und aufgrund der Expansion von Finanzdienstleistern durch internes Wachstum entstehen neue Unternehmenssektoren.
Tatsächlich gibt es immer mehr Konzerne, die Dienstleistungen in den Bereichen der Bankgeschäfte, der Versicherungen und des Wertpapier- und Investmentfondmanagements anbieten. Zudem entstehen immer komplexere Produkte, die es den Firmen erlauben, Risiken zu entbündeln, neu zusammenzustellen und so mit ihnen zu handeln, dass die Grenzen zwischen bisher unterschiedlichen Sektoren zunehmend verwischt werden.
Großbritannien ist nicht das erste Land, dass sich für eine zentrale Regulierungsbehörde aussprach, die diese Konzerne als Gruppe überwacht und das branchenübergreifende Wesen ihrer Geschäfte versteht. Norwegen, Dänemark und Schweden haben auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet, viele andere sind gefolgt oder haben zu verstehen gegeben, dass sie folgen wollen.
Zweitens hat eine integrierte Regulierungsbehörde Größenvorteile. Die britische Regulierungsbehörde für Finanzdienstleistungen (FSA) kann effizienter arbeiten, weil die Verwaltung zentral geregelt wird, das Management einheitlich ist und die Kriterien in Bezug auf Standards, Genehmigungen, Überwachung, Vollstreckung, Verbraucherinformation und das Umgehen mit Finanzverbrechen ebenfalls einheitlich sind. Dies schlägt sich darin nieder, dass die FSA im Vergleich weniger kostet als die Summe ihrer Vorgängerbehörden.
Größenvorteile entstehen, weil eine zentrale Regulierungsbehörde branchenübergreifende Angelegenheiten wirksamer bearbeiten kann, als ein Geflecht von mehreren Behörden. Für die betreffenden Firmen können schlüssige und kohärente Standards gesetzt werden, die sich von Branche zu Branche nur dann unterscheiden, wenn dies sinnvoll erscheint, womit auch Willkür seitens der Behörde ausgeschlossen wird. Vorsicht und Unternehmensregulierung können zusammen gebracht werden, denn beide sind abhängig von der Unternehmensführung und von den Systemen und Kontrollen auf höchster Ebene.
Ein zentraler Regulierer kann individuelle Firmen in Bezug auf Risiken beraten, wobei die Ressourcen nicht nur firmenübergreifend, sondern branchenübergreifend im Hinblick auf mögliche Probleme und auf die Auswirkungen auf das Verbraucher- und Marktvertrauen zugewiesen werden. Eine zentrale Regulierungsbehörde kann die realen und potentiellen Auswirkungen auf alle Sektoren einschätzen und alle Faktoren berücksichtigen in Bezug auf die Industrie, auf den gesamten Markt, die Wirtschaft im allgemeinen, den E-Commerce, die Tendenz zu einer niedrigen Inflation, die Bedeutung von demographischen Veränderungen und Risikotransfers zwischen Banken und Versicherungsgesellschaften.
Drittens ist es vorteilhaft, einheitliche, klare und konsequente Ziele und Verantwortlichkeiten festzulegen und mögliche Konflikte innerhalb einer Behörde zu lösen. Die vier satzungsmäßig festgelegten Ziele der FSA sind: das Vertrauen in das Finanzsystem zu erhalten, das öffentliche Verständnis des Finanzsystems zu fördern, einen angemessenen Grad an Verbraucherschutz zu gewährleisten und soweit als möglich zu verhindern, dass eine Finanzdienstleistungsfirma zu kriminellen Zwecken missbraucht wird.
Bei der Verfolgung dieser Ziele hat die FSA die folgenden sieben "Prinzipien der guten Regulierung" zu beachten:
· Effiziente, wirtschaftliche Nutzung ihrer Ressourcen;
· die Verantwortlichkeit derjenigen, die die Angelegenheiten von bevollmächtigten Personen regeln,
· das Prinzip, dass die Belastung oder die Einschränkung, die einer Firma auferlegt wird, im Verhältnis zum Nutzen stehen sollte,
· Innovation sollte im Idealfall mit der Regulation einhergehen,
· die Berücksichtigung der Tatsache, dass Finanzdienstleistungen und -Märkte einen internationalen Charakter haben und dass die Erhaltung der guten Wettbewerbsposition Großbritanniens wünschenswert ist,
· die FSA darf in Ausübung ihrer Funktion nicht wettbewerbsschädigend sein,
· die Förderung des Wettbewerbs zwischen Firmen, die vom FSA reguliert werden.
Viertens ist es von Vorteil für ein Regulierungssystem, für die Regulierungskosten und für die Verhinderung von Regulierungsfehlern, wenn die zentrale Regulierungsbehörde direkt an den satzungsmäßig festgelegten Zielen gemessen wird. Der schwarze Peter kann nicht von einer Behörde zur nächsten weitergereicht werden, wenn ein Fehler auftritt.
Die FSA ist zwar von der Regierung unabhängig, kann aber dazu aufgefordert werden, sich vor der Regierung und dem Parlament zu rechtfertigen und erkennt die Interessen all ihrer Teilhaber an. Sie hat einen jährlichen Bericht darüber zu veröffentlichen, wie sie ihre satzungsmäßigen Ziele erreicht und ihre Funktionen ausgeübt hat. Sie hat anstehende Regulierungsprojekte außerdem öffentlich zu konsultieren - einschließlich einer Kosten-Nutzen-Analyse -, bevor sie diese durchführt und dabei die Ansichten eines satzungsmäßig festgelegten Verbraucher- und Firmengremiums zu berücksichtigen.
Was bedeutet eine zentrale Regulierungsbehörde für Innovation und neue Ideen? Die Erfahrung zeigt, dass die Ergebnisse positiv sind. Intern wird die Innovation gefördert, wenn verschiedene Regulierungsbehörden zusammengefasst werden, denn anstatt einfach die alten Wege zu gehen, werden die besten Ideen ausgewählt. Bei neuen Problemen entstehen durch die Notwendigkeit und Fähigkeit, eine bezirksübergreifende Perspektive anzunehmen, neue Regulierungsansätze.
Gleichzeitig entsteht durch die konstante und beträchtliche Innovation von Firmen und Märkten im Regulierungsbereich der FSA, die Verpflichtung der Behörde, offen, transparent und konsultativ zu sein, die Auswirkungen ihrer Handlungen auf Wettbewerb und Innovation sorgfältig zu bedenken und durch die Beteiligung an internationalen Diskussionen und Verhandlungen ein neues, effizientes, risikofreudiges und innovatives Regulierungssystem.
Die Bedeutung klarer Anreize zur innovativen Arbeit der Regulierer und der Förderung der Innovation auf dem Sektor der Finanzdienstleistungen darf nicht unterschätzt werden. Die Regulierer sind hierfür verantwortlich zu machen.
Clive Briault ist Direktor von Prudential Standards, der britischen Regulierungsbehörde für Finanzdienstleistungen.
Copyright: Project Syndicate, April 2002
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