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European Economies

Übergang in der Krise?

Erik Berglof

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2009-11-02

LONDON – Europas aufstrebende Märkte haben dieses Jahr ihren schlimmsten Produktionseinbruch seit der großen „Übergangrezession“ erlebt, die auf das Ende des Kommunismus folgte. Es ist zu erwarten, dass fünf Länder BIP-Rückgänge im zweistelligen Bereich erleiden. Notleidende Kredite im Bankensektor und Arbeitslosigkeit nehmen in vielen Ländern weiter zu.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass sich die europäische Übergangsregion in einer tiefen Krise befindet. Aber ist der Übergang vom Kommunismus zur Marktwirtschaft selbst in der Krise? Wie haben sich die Institutionen und politischen Rahmensysteme geschlagen, die das Ergebnis des Transformationsprozesses waren? Wird die Krise zu einer Gegenreaktion gegen marktorientierte Reformen führen?

Obwohl Mittel- und Osteuropa die wirtschaftlich aufstrebende Region war, die in der Krise am meisten gelitten hat, konnte sie insgesamt die Währungszusammenbrüche, systemischen Bankinsolvenzen und Inflationsspitzen verhindern, die bei vorausgegangenen Krisen üblich waren. Bedenkt man, wie stark sich die Region in den Rest der Welt integriert hat, ist dies bemerkenswert.

Diese tief greifende Integration hat Auswirkungen in beide Richtungen. Auf der einen Seite hat sie wirtschaftliche Verbindungen und finanzielle Abhängigkeiten geschaffen, die viele Länder im Wandel äußerst anfällig für die Krise im Westen gemacht haben. Auf der anderen Seite hat sie die großen Kapitalabflüsse verringert, die in vergangenen Krisen zerstörerisch gewirkt hatten, sie hat zu reiferen Institutionen und innenpolitischen Reaktionen beigetragen und bei der Mobilisierung kräftiger internationaler Unterstützung geholfen.

Die beiden Gesichter der Integration (die im Transition Report der EBWE von 2008 untersucht werden) waren besonders im Finanzsektor sichtbar. Die finanzielle Integration ist eine wichtige Kraft für langfristiges Wachstum in der Übergangsregion, und die Anwesenheit strategischer ausländischer Banken hat dazu beigetragen, die Auswirkungen der Krise abzumildern.

Gleichzeitig hat die Integration in die weitere europäische und globale Wirtschaft zweifellos zu einem übermäßig schnellen Anwachsen der Schulden im Privatsektor und der Fremdwährungsschulden beigetragen, was die Krise in vielen Ländern noch verschlimmert hat. Doch ist die Lektion aus dieser Erfahrung nicht, dass die einzelnen Länder versuchen sollten, die Integration der Finanzmärkte umzukehren – das wäre weder machbar noch klug –, sondern dass sie ihre Risiken verringern sollten.

Weiter östlich stehen rohstoffreiche Wirtschaftsnationen, wie Russland und Kasachstan, vor einer wohl noch größeren Herausforderung. Wie die finanziell integrierten Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas mussten die rohstoffreichen Länder mit den Schwierigkeiten rapider Zuflüsse ausländischer Währungen fertigwerden. Doch scheinen diese Kapitalzuflüsse auch die Entwicklung der Institutionen zu behindern.

In einigen Bereichen, insbesondere bei der Bildung und dem Einsatz von Stabilisierungsfonds im makroökonomischen Management, haben die ressourcenreichen Länder recht gut abgeschnitten. Doch hat sich das letztendliche Ziel – Diversifizierung und die damit verbundene Verbesserung von ökonomischen (und politischen) Institutionen und des Geschäftsklimas – in weiten Teilen als schwer erreichbar erwiesen.

Die Krise hat auch unsere Vorstellungen von den letztendlichen Zielen des Übergangs zur Marktwirtschaft auf den Prüfstand gestellt. Sie hat die Ansicht bestätigt, dass es bei diesem Übergang vom Kommunismus um viel mehr geht als um den Aufbau der Märkte und die Verschiebung der wirtschaftlichen Verantwortung vom Staat auf den privaten Sektor. Es gehört auch die Entwicklung gewisser staatlicher Funktionen dazu und die Verbesserung der Interaktion zwischen Staat und Privatsektor.

Die Krise, die 2008 begann, hat unterstrichen, wie wichtig politische Institutionen und Strategien zur Unterstützung des Marktes sind, besonders im Finanzsektor. Das bedeutet nicht unbedingt mehr Regulierung, aber es bedeutet gewiss eine bessere Regulierung mit dem Schwerpunkt, das Anreizsystem zu verbessern.

Es bleibt eine lange Agenda der institutionellen Reformen, besonders in Zentralasien und einigen osteuropäischen Ländern und westlichen Balkanstaaten. Zudem sind sogar in einigen mitteleuropäischen und baltischen Ländern bedeutsame sektorspezifische Reformen notwendig, vor allem was nachhaltige Energien und die Energieeffizienz, das Transportwesen und den Finanzsektor angeht. In Letzterem müssen die Regulierungs- und Aufsichtssysteme gestärkt werden, die Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen muss verbessert werden und die lokalen Kapitalmärkte müssen weiterentwickelt werden.

Wie wahrscheinlich ist es im Licht der heutigen Krise, dass solche Reformen überhaupt umgesetzt werden? Wird diese Krise als Katalysator für weitere Reformen dienen oder wird sie zu einer Gegenreaktion gegen das Marktmodell führen?

Ein Jahr nach Anfang der Krise in der Übergangsregion können wir letzteres Szenario fast ausschließen. Obwohl die Krise das Tempo neuer Reformen deutlich verlangsamt hat, hat sie zu wesentlich weniger Reformumkehrungen geführt, als dies beispielsweise nach der Krise in Russland 1998-1999 der Fall war. Ferner haben Regierungswechsel seit Anfang 2008 entweder zu keiner Änderung im Hinblick auf Reformen geführt oder reformorientierte Parteien begünstigt. Doch scheint eine Beschleunigung der Reformen ebenfalls unwahrscheinlich, wobei der Finanzsektor möglicherweise eine Ausnahme darstellt.

Obwohl die globale Rezession die Region in die Krise gestürzt hat, zeigte sie zugleich, welche Widerstandskraft Reformen und wirtschaftliche Integration in den letzten 15 bis 20 Jahren erreicht haben. Sie hat ebenfalls ein Schlaglicht auf die Fallstricke der Entwicklungsmodelle geworfen, denen die Länder in der Übergangsregion gefolgt sind. Dennoch ist klar, dass diese Fallstricke durch eine Ausweitung der Transformationsagenda in Angriff genommen werden sollten, nicht durch ihre Ersetzung.

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AUTHOR INFO

Erik Berglof is Chief Economist of the European Bank for Reconstruction and Development.