CHICAGO: Größter über der Weltwirtschaft hängender Finanzalbtraum ist die Insolvenz einer großen internationalen Bank. Sei es aufgrund eines staatlichen Zahlungsverzugs oder großer Verluste, die unter willfährigen Bilanzierungsregeln angehäuft wurden – die Insolvenz einer Großbank (insbesondere einer europäischen Bank) ist alles andere als unwahrscheinlich. Und selbst wenn sie nur eine entfernte Möglichkeit wäre: Die Finanzkrise von 2008 hat uns gelehrt, dass seltene Ereignisse eintreten können.
Was diese Möglichkeit zum Finanzalbtraum erster Wahl macht – schlimmer noch als den Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 –, ist die Furcht, dass viele souveräne Staaten ihr Pulver bereits verschossen haben und daher nicht imstande wären, einzugreifen. Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps oder CDS) wichtiger südeuropäischer Banken werden am Markt geringfügig niedriger gehandelt als die ihrer souveränen Staaten, ein Hinweis, dass der Markt nicht davon ausgeht, dass Letztere in der Lage wären, Erstere zu stützen.
Leider wurde in den zwei Jahren seit dem Zusammenbruch von Lehman kaum etwas getan, um dieses Risiko in Angriff zu nehmen. Der US-Kongress ist dabei, einen Gesetzentwurf abzuschließen, der einem neu zu gründenden Rat für systemische Risiken die Befugnis zur Abwicklung großer US-Finanzinstitute einräumen soll. Die Verfahren zur Auslösung dieser Intervention sind jedoch komplex, und die Finanzierung ist ausreichend vage geregelt, dass der Gesetzentwurf Kollateralschäden, die sich aus einem großen Bankenzusammenbruch ergeben, selbst für US-Institute nicht ausschließen wird – und für internationale Institute, deren Abwicklung die Koordinierung durch mehrere Staaten mit einem unterschiedlichen Grad an Solvenz erfordern würde, schon gar nicht.
Um das Risiko eines ungeordneten Zusammenbruchs zu minimieren, ist es erforderlich, einen internationalen Abwicklungsmechanismus mit Autorität über alle wichtigen internationalen Finanzinstitute zu genehmigen. Das Ziel wäre dabei nicht die Rettung der Banken und ihrer Gläubiger, sondern die Minimierung der durch einen unkontrollierten Zahlungsausfall verursachten Störungen.
Diese Institution sollte eine internationale Version des amerikanischen Chapter 11 Bankruptcy Code sein. Doch während es das Ziel von Chapter 11 ist, den Wert einer Firma als laufendes Unternehmen zu schützen, sollte das Ziel des internationalen Abwicklungsmechanismus darin bestehen, den nachhaltigen Wert der Geschäftspartner des insolventen Finanzinstituts zu bewahren.
Das erste Problem, dass es bei der Genehmigung dieses Mechanismus zu lösen gilt, ist, wer diese Autorität haben sollte. Die offensichtliche Antwort lautet: der Internationale Währungsfonds.
Der nach dem Zweiten Weltkrieg zur Finanzierung vorübergehender Ungleichgewichte der Mitglieder eines Systems fester Wechselkurse geschaffene IWF ist seit dem Niedergang des Dollar-Wechselkurssystems im Jahre 1971 auf der Suche nach einer Aufgabe. Wichtiger aber: Durch seine zahlreichen Rettungen souveräner Staaten hat sich der IWF Sachverstand bei Umschuldungen und zugleich einen Ruf von Härte und Objektivität erworben, die in derartigen Situationen sehr nützlich sein könnten.
Der IWF hat zudem den einzigartigen Vorteil, einzige Depotstelle internationaler Währungsreserven zu sein. In Ermangelung einer internationalen Steuerbehörde ist der IWF die Organisation, die dem am nächsten kommt.
Wenn ein großes Finanzinstitut insolvent wird, sollte der IWF es übernehmen, seine kurzfristigen Verpflichtungen garantieren, aber die Aktionäre untergehen lassen und Darlehen langfristiger Gläubiger erst zurückzuzahlen, nachdem alle anderen Gläubiger (einschließlich des IWF selbst) bezahlt sind. Manche Leute würden schreien, dass dies auf eine Verstaatlichung hinausläuft, aber es ist keine größere Verstaatlichung als das Konkursverfahren nach Chapter 11.
Die Übernahme durch eine internationale Organisation hat drei Vorteile gegenüber einer nationalen Lösung. Erstens gewährleistet sie, dass die Kosten, (falls die Verluste den kombinierten Wert des Eigenkapitals und der langfristigen Schulden übersteigen) von der internationalen Gemeinschaft gemeinsam getragen werden und nicht nur von dem Land, in dem das Institut seinen Sitz hat. Dies verleiht der Intervention Glaubwürdigkeit, selbst wenn dem betreffenden Land diese Glaubwürdigkeit fehlt.
Zweitens verringert diese Lösung, indem sie der nationalen Regierung des Landes, in dem das insolvente Institut seinen Sitz hat, die Entscheidungsgewalt nimmt, die von die Lobbymacht der amtierenden Banker ausgehenden potenziellen Störungen. Würden Sie es der griechischen Regierung zutrauen, eine griechische Bank nach ihrer Übernahme durch den Staat in korruptionsfreier Weise zu betreiben? Der IWF wäre die bessere Lösung.
Und schließlich wären dank des Engagements des IWF auch weniger hoch entwickelte Länder in der Lage, zur Bewältigung des Problems besten internationalen Sachverstand zu nutzen. Wenn eine Ölpest in Haiti den Golf von Mexiko bedrohen würde, wären Sie dann nicht auch dafür, dass bei dem Versuch, diese einzudämmen, beste Technologie (und nicht nur die beste in Haiti zur Verfügung stehende Technologie) zum Einsatz kommt? Warum sollte es auf den Finanzmärkten anders sein?
Das letzte zu lösende Problem ist der Auslöser. Im Falle der US-Abwicklungsbehörde war dies eine sehr kontroverse Frage. Die Befürchtung war, dass mächtige Banken die Hilfe der nationalen Regierungen ausnutzen würden, indem sie zu schnell um Hilfe bitten.
Im internationalen Kontext lässt sich dieses Problem durch zwei Sicherungsvorkehrungen vermeiden. Erstens sind strikte Regeln, die die Aktionäre untergehen lassen und die langfristigen Gläubiger bestrafen, aus Sicht der Banker eine klare Abschreckung. Zweitens wären frühzeitige Interventionen für sie weniger attraktiv, weil die Intervention durch den IWF den Einfluss mächtiger inländischer Insider verringern würde. Der Auslöser sollte die nationale Regierung selbst sein. Sich in einem derartigen Fall internationaler Hilfe zu verweigern, wäre für jede Regierung, die es mit einem bedeutenden Bankenzusammenbruch zu tun hat, wahlpolitischer Selbstmord.
Es gibt einige wenige Bereiche, von denen bekannt ist, dass eine staatliche Intervention dort nützlich ist, und die Verringerung der verheerenden Auswirkungen eines Sturms auf eine Bank sind einer davon. Nur eine Regierung, die ausreichend mächtig ist – und zwar sowohl was gesetzliche Befugnis und Solvenz angeht – ist dazu in der Lage. Unglücklicherweise sind diese beiden Bedingungen in der internationalen Arena fast nie erfüllt. Den IWF zu ermächtigen, gescheiterte internationale Banken zu übernehmen, würde diese Lücke füllen – und unseren schlimmsten Albtraum vertreiben.


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