Reichtum fasziniert die Menschen. Sie lieben es, den Wohlhabenden zuzusehen und den Gedanken an ihre schönen Häuser, Luxusreisen, schicken Autos und Feinschmeckeressen auszukosten. Doch würde man daraus ableiten, dass die Menschen viel Zeit darauf verwenden, die lebenslange Ansparung ihres eigenen Vermögens zu planen, so läge man falsch.
Die meisten Menschen scheinen sich keine sehr großen Gedanken darüber zu machen, wie viel sie von ihrem Einkommen sparen sollten oder wie groß ihr Vermögensunterschied in späteren Jahren sein könnte, wenn sie heute nur ihre Sparquote anpassen würden. Die meisten Menschen zahlen einfach ihre Hypothek ab, leisten die Pflichtbeiträge zu ihrer staatlichen oder privaten Rentenversicherung (wenn sie eine haben) und legen etwas Geld für kurzfristige Eventualitäten zurück. Das ist alles.
Der Wirtschaftswissenschaftler Frank Ramsey schrieb in einem berühmten Artikel, der 1928 veröffentlicht wurde, dass es den Menschen an „Vorstellungskraft mangelt“, wie ihr jetziges Handeln ihre eigene Zukunft beeinflusst. Er meinte, wenn die Menschen richtig darüber nachdächten, würden sie wohl zu dem Schluss gelangen, dass sie die Hälfte ihres Einkommens sparen sollten. So könnte das gesparte Vermögen sie in ihrem späteren Leben sehr glücklich machen. Doch denken sie meistens nicht einmal über diese Möglichkeit nach.
Richard Thaler, ein zeitgenössischer Ökonom, sprach 1980 von einem „Ausstattungseffekt“. Obwohl die Menschen vielleicht andere Dinge bewundern mögen, handeln sie, als wären sie zum größten Teil zufrieden mit dem, was sie bereits haben, und ihnen fehlt der Wille, wirkliche Veränderungen in Betracht zu ziehen.
Eine der größten Herausforderungen, vor denen der Staat steht, ist die Teilnahmslosigkeit der Menschen, was ihre Ersparnisse für die Zukunft angeht. Bedachte Machthaber erkennen, dass es ein Problem gibt, das sehr greifbar ist und nicht ignoriert werden sollte. Dennoch ist es schwierig, eventuelle Lösungen entweder in eine traditionell liberale oder traditionell konservative politische Philosophie einzupassen.
Seit 1955 hat Singapur einen direkten Ansatz gewählt: einen verpflichtenden staatlichen Sparplan, der für äußerst hohe Sparquoten sorgt. Der Beitragssatz für den Central Provident Fund beträgt zurzeit 34,5 % für Personen mit höherem Einkommen.
In den Vereinigten Staaten gibt es keinen gesetzlichen Sparplan, und die persönliche Sparquote dort ist extrem niedrig – genau gesagt negativ. Doch lehnt es die Regierung ab, einen Pflichtsparplan in Erwägung zu ziehen. Stattdessen leitet sie Schritte ein, um die individuelle Trägheit zu überwinden, die das Sparen verhindert.
Der US Pension Protection Act von 2006 ermuntert die Arbeitgeber dazu, für ihre Mitarbeiter automatisch einen persönlichen Rentensparplan abzuschließen. Dies ist grundlegend anders als das System in Singapur, da die Arbeitgeber nicht dazu gezwungen werden, und obwohl bei den teilnehmenden Mitarbeitern die Beiträge ohne ihre Zustimmung von ihren Gehaltsschecks abgezogen werden, können sie den Plan auf eigenen Wunsch kündigen. Der vor kurzem in Neuseeland verabschiedete „KiwiSaver“-Plan und der britische Pensions Act von 2007 beruhen in ähnlicher Weise auf dem automatischen Sparplanabschluss für die Mitarbeiter, mit Vorkehrungen zur freien Kündigung.
Trotzdem sind automatisch abgeschlossene Sparpläne laut Brigitte Madrian von der Universität Harvard von entscheidender Bedeutung, auch wenn es den Mitarbeitern vollkommen frei steht, den Plan zu kündigen. Wenn die Arbeitgeber ihren neuen Mitarbeitern sagen, dass es einen Rentensparplan gibt, und sogar versprechen, Beträge in Höhe der Mitarbeiterbeiträge beizusteuern, wird immer noch ein beträchtlicher Anteil der Mitarbeiter nicht mitmachen.
Doch wenn die Arbeitgeber automatisch einen Plan für ihre Mitarbeiter abschließen und sie informieren, dass sie diesen jederzeit kündigen können, indem sie den Arbeitgeber einfach benachrichtigen, wird die große Mehrheit der Mitarbeiter den Plan einfach hinnehmen. Darüber hinaus scheint es so zu sein, dass der Beitragssatz, den der Arbeitgeber wählt, normalerweise passiv von den Mitarbeitern akzeptiert wird; das Gleiche gilt für die festgesetzte Verteilung der Investitionen (z. B. auf Aktien und Anleihen).
Die Forschungsergebnisse Madrians und ihrer Kollegen deuten darauf hin, dass die neuen Rentensparpläne die Sparquoten in den Ländern, die sie eingeführt haben, verbessern werden. Vielleicht könnten diese Länder sogar noch bessere Quoten erreichen, indem sie einen verpflichtenden Sparplan einführen, doch werden sie das nicht tun. Sie können also wirkliche Fortschritte erzielen, auch wenn es ihnen nicht gelingen wird, die Ersparnisse in dem Maße zu steigern wie in Singapur.
Der beste Grund dafür, Sparpläne nicht gesetzlich vorzuschreiben, ist, dass sich unterschiedliche Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen befinden, die nur ihnen bekannt sind. Einige Menschen lieben ihre Arbeit und wollen niemals in Rente gehen. Für sie ist Sparen weniger wichtig. Einige Menschen wollen jetzt viel für Bildung oder Psychotherapie oder etwas anderes ausgeben, das ihnen jetzt wichtig ist, und das Sparen auf später verschieben.
Das grundlegende Problem besteht darin, dass einige Menschen das Sparen aus vernünftigen Gründen verschieben und später wieder aufnehmen, andere jedoch grundlos keine Ersparnisse bilden und dies wahrscheinlich später auch nicht ausgleichen werden.
Mit einem staatlichen Sparplan, der automatisch, jedoch nicht verpflichtend abgeschlossen wird, kann dieses Problem bewältigt werden, wenn auch nicht vollkommen. Mit dem automatischen Abschluss wird ein Sparplan geschaffen, der für den „Durchschnittsmenschen“ sinnvoll ist. Für Personen, die unachtsam und schlicht inaktiv sind, läuft der Plan einfach weiter, während diejenigen, die ausreichend dringende Gründe für einen Ausstieg haben, dazu nur einen Brief schreiben müssen.
Diese Sparpläne zeigen, dass es andere Methoden als den direkten Zwang gibt, um die menschliche Trägheit zu überwinden. Es bleibt zu hoffen, dass solche Pläne zukünftig so großen Anklang finden, dass wir eine Vielfalt an neuen Programmen entwickeln können, mit denen sowohl trägen als auch aktiven Menschen gedient ist.


Comments (0)
You need to login in order to leave a comment. If you do not yet have an account, please register.
The two commenting options explained
Watch a 1 minute video
to discover how you can comment on the entire article or a specific paragraph. The two images below also explain the two ways of commenting.
1) Entire article comment
Once logged in, simply click inside the comment box where it says "Enter text here." Enter and post your comment.
2) Paragraph comment
Please log in first. Then click to the left of the desired paragraph. Your cursor will automatically move to the comments box. Enter and post your comment.