Thursday, October 23, 2014
0

Asiens sich wandelnde Dynamik der Macht

NEU-DELHI – Asien befindet sich in einem Übergangsstadium und während sich ein Ungleichgewicht der Kräfte zusammenbraut, ist die Investition in institutionelle Zusammenarbeit zur Verstärkung der strategischen Stabilität in der Region zwingend notwendig geworden. Schließlich entwickelt sich Asien nicht nur zum Dreh- und Angelpunkt der globalen geopolitischen Veränderung, sondern die Problematik in Asien spielt ebenso in internationale strategische Herausforderungen hinein.

Die sich wandelnde Dynamik der Macht in Asien spiegelt sich in Chinas zunehmend durchsetzungsstarker Außenpolitik wider, in der Forderung der neuen japanischen Regierung nach einer „gleichberechtigten“ Beziehung zu den Vereinigten Staaten und in der sich zuspitzenden Rivalität zwischen China und Indien, die zu erneuten Spannungen im Himalaya-Grenzgebiet geführt hat.  

All das wirft ein Schlaglicht auf Amerikas eigene Herausforderungen, die durch seine schwindende globale wirtschaftliche Überlegenheit und die Verwicklung in zwei Kriege in Übersee erschwert werden. Derartige Herausforderungen zwingen zu einer vermehrten Zusammenarbeit zwischen den USA und China, um zu gewährleisten, dass die erheblichen Kapitalzuflüsse aus China nicht abebben und um sich die chinesische Unterstützung in schwierigen Fragen zu sichern, angefangen bei Nordkorea und Burma über Pakistan und Iran.

Doch gerade als sich Amerikas Asienpolitik mit China in der Hauptrolle bemerkbar machte, ließ Japan die USA wissen, dass es nicht für immer ein treuer Diener der amerikanischen Politik bleiben kann. Die Regierung von Ministerpräsident Yukio Hatoyama strebt eine Neuausrichtung der Außenpolitik und eine Überarbeitung eines Abkommens aus dem Jahr 2006 über die Stationierung von US-Soldaten auf Okinawa an. Sie verkündete zudem, dass die seit acht Jahren währende Unterstützung des von den USA geführten Krieges in Afghanistan durch die Versorgung mit Treibstoff im Indischen Ozean eingestellt wird.    

Da China seinen lange ruhenden Anspruch auf den Bundesstaat Arunachal Pradesh im Nordosten Indiens erneut geltend macht und Indien wegen Kashmir provoziert (von dem sich ein Fünftel unter chinesischer Kontrolle befindet), wird die neue globale strategische Partnerschaft zwischen den USA und Indien inzwischen auf die Probe gestellt.

Die USA haben in der Arunachal Pradesh-Frage einen Kurs der stillschweigenden Neutralität eingeschlagen – zur Freude Chinas, das darauf abzielt die Legitimität der indischen Kontrolle über das Territorium im Himalaya, das fast drei mal so groß ist wie Taiwan, international mit einem Fragezeichen zu versehen. Tatsächlich hat die Regierung Obama ihre Absicht signalisiert, Elemente ihrer Verbindungen mit Indien fallen zu lassen, die in China Verstimmung auslösen könnten, einschließlich einer gemeinsamen Militärübung in Arunachal und weiterer gemeinsamer Marinemanöver, an denen Japan und andere Parteien wie Australien beteiligt wären.

Das kürzlich zwischen Australien und Indien getroffene Sicherheitsabkommen, das während des Besuches von Premierminister Kevin Rudd in Neu-Delhi unterzeichnet wurde, symbolisiert die Bedeutung gemeinsamer politischer Werte, indem es zur Ausweitung der strategischen Gruppierung der asiatisch-pazifischen Länder beiträgt. Das Abkommen zwischen Indien und Australien hat wenig Aufmerksamkeit erregt, es ist jedoch insofern von Bedeutung, als es Schlüsselelemente des australischen Sicherheitsabkommens mit Japan widerspiegelt – und des Abkommens zwischen Indien und Japan. Jedes dieser drei Abkommen, sowie das 2005 getroffene Rahmenabkommen zu den amerikanisch-indischen Verteidigungsbeziehungen, erkennt ein gemeinsames Engagement für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit an und verpflichtet seine Unterzeichner gemeinsam daran zu arbeiten, Sicherheit in Asien herzustellen.

Eine geopolitische Teilung in Asien, die sich um politische Werte dreht, hätte natürlich erhebliche Folgen. Und obwohl Asien – mit den weltweit am schnellsten wachsenden Märkten, den am schnellsten steigenden Militärausgaben und den konfliktträchtigsten Brennpunkten – den Schlüssel zur neuen zukünftigen Weltordnung in der Hand hält, liegen seine Großmächte weiter miteinander im Clinch.

Entscheidend für Asiens Zukunft ist das strategische Dreieck aus China, Indien und Japan. Seit Japan während der Regentschaft von Kaiser Meiji in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts Weltmachtstatus erlangte, hat kein anderer nicht-westlicher Staat so viel Potenzial entwickelt, die Weltordnung zu verändern wie China heute. Der Zusammenschluss der US-Nachrichtendienste hat in seiner Einschätzung 2009 sogar prognostiziert, dass China in der Lage ist die globale Geopolitik tiefgreifender zu beeinflussen als jedes andere Land.

Allerdings spaltet Chinas Aufstieg Asien, und sein zukünftiger Verlauf wird davon abhängen, wie seine Nachbarn und andere Akteure, wie die USA, mit seiner rasant zunehmenden Macht umgehen. Zurzeit trägt Chinas zunehmende Macht dazu bei, amerikanischen Militäreinsätzen vor Ort in Ostasien Gültigkeit zu verleihen. Auch bei den amerikanischen Bemühungen neue Verbündete in Asien zu gewinnen, erweist sich der China-Faktor als nützlich.

Die Spannungen in einigen der bestehenden Partnerschaften Amerikas könnten sich allerdings stärker bemerkbar machen, während sich die Beziehung zwischen den USA und China in den kommenden Jahren vertieft. So hat der Aufbau einer stärker auf Zusammenarbeit beruhenden Beziehung mit China in der US-Politik mittlerweile Vorrang vor dem Verkauf moderner Waffen an asiatische Verbündete, damit der Transfer von Angriffswaffen keine Vergeltungsmaßnahmen Chinas in anderen Bereichen provoziert.

Während die Europäische Union aus Demokratien gebildet wurde, sind die politischen Systeme in Asien so unterschiedlich – und einige so undurchsichtig –, dass der Aufbau zwischenstaatlichen Vertrauens nicht einfach ist. In Europa haben die blutigen Kriege des vergangenen Jahrhunderts bewaffnete Auseinandersetzungen heute undenkbar gemacht. Doch in Asien haben die Kriege seit 1950 nicht dazu geführt Konflikte beizulegen. Und während Europa Institutionen geschaffen hat, die den Frieden festigen, muss Asien einen solchen Prozess erst noch ernsthaft beginnen.

China, Japan und Indien waren bisher noch nie alle zur gleichen Zeit stark. Sie müssen heute Wege finden, ihre Interessen in Asien miteinander in Einklang zu bringen, damit sie friedlich miteinander auskommen und erfolgreich sein können.

Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass diese drei führenden asiatischen Mächte und die USA unterschiedlichen Manuskripten folgen: Amerika will eine unipolare Welt, aber ein multipolares Asien; China strebt eine multipolare Welt, aber ein unipolares Asien an und Japan und Indien wünschen sich ein multipolares Asien und eine multipolare Welt.

Hide Comments Hide Comments Read Comments (0)

Please login or register to post a comment

Featured