Friday, August 22, 2014
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Argentiniens Energiedilemma

BUENOS AIRES – Die Zwangsenteignung fast des gesamten Anteils des spanischen Unternehmens Repsol am argentinischen Energiekonzern YPF, die von Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner in einer vehementen Rede angekündigt wurde, hat weltweit Alarm ausgelöst. Sollten keine enormen Investitionen in den Sektor fließen, werden die Energieprobleme des Landes durch diese Aktion allerdings nicht gelöst.

Repsol erlangte 1999 die vollständige Kontrolle über YPF, und im Februar 2008 überschrieb das Unternehmen einen Teil seiner Anteile auf die Petersen Group, die heute 25% hält. Repsol hält momentan 57%, und der Rest befindet sich in den Händen von Aktieninvestoren. Die argentinische Regierung plant, 51% zu enteignen, was Repsol 6% übrig lässt.

Bei dem Anteilsverkauf 2008 einigten sich die beiden Hauptaktionäre darauf, mindestens 90% der zukünftigen Gewinne bar auszuschütten. Diese Entscheidung sollte der Petersen Group ermöglichen, Bankschulden zurückzuzahlen, und Repsol selbst konnte mit dem Aktienkauf fortfahren, für den keine Anzahlung geleistet worden war.

In der weltweiten Ölindustrie stellt dies eine außerordentlich hohe Dividende dar. Im letzten Jahrzehnt verringerten sich die Reserven von YPF deutlich, ebenso wie diejenigen der meisten argentinischen Ölgesellschaften, da die Investitionen in die Förderung stark zurückgefahren worden waren.

Gleichzeitig werden 51% des Energieverbrauchs durch Erdgas gedeckt, verglichen mit 32% durch Öl und nur 17% durch Kohle, erneuerbare Energien und Kernkraft. Weltweit wird weniger als ein Viertel des Energieverbrauchs durch Gas gedeckt – in den Vereinigten Staaten beispielsweise 27% und im benachbarten Brasilien lediglich 9%. Argentinien hat die weltweit größte Flotte erdgasbetriebener Fahrzeuge, auch durch Familien wird Gas intensiv genutzt, der Großteil der Elektrizität wird durch Gas erzeugt, und Gas stellt die Grundlage der petrochemischen Industrie dar.

Natürlich gibt es auch noch ein paar weitere Länder (Katar, Algerien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Iran und Russland), in denen mehr als die Hälfte – oder gar über 60% – des Energiebedarfs durch Gas gedeckt wird. Doch gibt es hier einen enormen Unterschied: All diese Länder verfügen über Reserven für die nächsten 70-100 Jahre. Die argentinischen Reserven dagegen gehen stark zur Neige – und reichen nur noch für weniger als acht Jahre.

Nachdem nun mehr als die Hälfte der Gasreserven und ein Fünftel der Ölreserven verbraucht sind, müssen jährlich über 300 Milliarden Dollar für Importe aufgewendet werden. Tatsächlich ist die Ölproduktion seit 1998 um ein Drittel und die Gasproduktion seit 2004 um 15% zurückgegangen, und damit hat nach zwei Jahrzehnten billiger, im Überfluss vorhandener Energie und Exporte ein neuer Zyklus teurer, knapper und importierter Energie begonnen.

Die größte Herausforderung für Argentinien liegt heute darin, wieder energieautark zu werden. Dazu muss stark in die Förderung an Land und im Atlantik investiert werden. Gleichzeitig muss das Land sein Konsummuster ändern und stärker auf Wasserkraft, Atomkraft und Windenergie setzen. Zwar liegt in neuen, nicht konventionellen Ressourcen großes Potenzial, aber sie sind teuer und erfordern über die nächsten fünf Jahre Investitionen in Höhe von etwa 3% des BIP.

Wahrscheinlich werden kurzfristig weiter steigende Importe teuren Erdgases und anderer Treibstoffe nötig sein, was den Druck, Alternativen zu finden, noch verstärkt. Letztes Jahr lag das externe Energiedefizit bei über drei Milliarden Dollar, und in diesem Jahr wird es wahrscheinlich doppelt so hoch sein.

Die wichtige Frage ist, ob die Entscheidung der argentinischen Regierung, 51% der YPF-Anteile zu verstaatlichen, die beste Methode ist, bei Öl und Gas wieder autark zu werden und das für die Förderung und Entwicklung konventioneller Reserven nötige Kapital anzuziehen. Argentinien besitzt auch ein besonders hohes Potenzial für die Förderung nicht konventioneller Gasreserven, da das Land nach China und den Vereinigten Staaten dort die weltweit drittgrößten Vorkommen besitzt. Aber ebenso wie die konventionellen Ressourcen des Landes fördern sich diese nicht von selbst.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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  1. CommentedDiego Arrigorriaga

    There are two questions, equally important to the one discussed by the author, that remain unresponded: will Argentina pay a fair price for Repsol’s assets? And why is Argentina specifically targeting Repsol’s stake in YPF, leaving local investors untouched?

    Argentina is selectively acting against foreign investors. This will make it harder to attract the funds that are necessary to solve its energy problem and will make the expropriation useless.

  2. CommentedJonathan Lam

    Gamesmith94134: Argentina’s Energy Dilemma

    The dilemma for Argentina to nationalize 51% of YPF’s share while Alieto Guadagni compare the high potential for production of non-conventional gas resources like China and US. In assumption, with less of the foreigner’s investment to exploration and research on the secondary energy like gas Argentina would not produce more gas or oil. Perhaps, the alternative for Argentina is to yield control of YPF from Spain’s Repsol YPF SA (REP) in order to cut its share on the dependency on oil it produces.

    http://www.bloomberg.com/news/2012-04-25/fernandez-taps-ypf-nostalgia-as-takeover-boosts-flagging-support.html

    “Argentina is once again going to take control of a strategic resource that no other nation in the world has given up,” Interior Minister Florencio Randazzo said in a statement yesterday, citing Chile, Uruguay and Venezuela as examples of countries with state-run energy companies.
    Apparently, Kirchner’s surprise takeover of YPF SA (YPFD) is likely to boost her flagging popularity as Argentines rally behind the re-nationalization of the country’s biggest oil producer; and she has a lot of supports of its populace, About 62 percent of the public backs Fernandez’s move to reclaim YPF, according to an April 19-20 survey by Poliarquia Consultores that was published in newspaper La Nacion. The poll of 1,115 people had a margin of error of 3 percentage points; except for the Spain sovereignty bond buyer pigeonholed on the Spain’s equitable share of Repsol YPF SA(REP).

    Could it be another dilemma for Repsol to pull another division for gas if there are investors eager for an exploration? Or, some are confused with nurture for business with investment with buy to own. With much of my Repsol shares in failing price I am proud to support Repsol and Kirchner instead of being eat away by investor or invader with his fiat money to crack up Repsol with their 51% of it. Perhaps, it is time to invest for another bid of gas Argentina can produce, and it is not a race to China or US in alternative resources for energy. Finally, It is an reminder that commodity prices for food went up three fold in the last ten years, green industry may just a smoking gun, mirrored the ClubMed to tourism for the third world countries in doing the wrong thing; just look at the PIIGS. Then, the requirement of annual investment of about 3% of GDP over next five year can be an alternative in social programs to revive the other industries or food programs for the global consumption.

    If Spain fails to bundle the sovereignty debt or the Green industry teeters, I would blame Kirchner. Can’t I?

    May the Buddha bless you?

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