Exit from comment view mode. Click to hide this space
Email | Print

Wechselkurse 2009 wieder auf Achterbahnfahrt?

CAMBRIDGE – Das Jahr 2008 war ein außergewöhnlich turbulentes Jahr für die Wechselkurse. Der US-Dollar hat einen Höhenflug erlebt, der japanische Yen hob ab wie eine Rakete, der Euro fiel zu Boden und das britische Pfund stürzte ab und hinterlässt einen riesigen Krater. Die Währungen der Schwellenländer gerieten ebenso schwer unter Druck wie die „Rohstoffwährungen“ -ampnbsp; kanadischer, australischer und neuseeländischer Dollar sowie der südafrikanische Rand. Insgesamt aber haben die Währungen sämtlicher Länder, die auf Rohstoffexporte angewiesen sind, gelitten.

Was wird nun also das neue Jahr hinsichtlich der Wechselkurse bringen?

Sicher ist nur fortgesetzte hohe Volatilität, aber wir sind an einem ungewöhnlichen Zeitpunkt angelangt, wo kurz- und langfristige Trends sehr unterschiedlich erscheinen. Kurzfristig werden der Yen und der Dollar weiterhin von der Flucht in die Sicherheit profitieren, nachdem Anleger in Panik nach einem sicheren Hafen suchen. Außerdem werden Yen und Dollar gestärkt, da die Zentralbanken auch anderswo die Zinssätze Richtung Null senken, was mit den Leitzinsen für Yen und Dollar schon geschehen ist.

Obwohl daher weder in den USA noch in Japan die Zinssätze so bald wieder ansteigen werden, sorgen niedrigere Sätze in anderen Ländern für die relative Attraktivität von Dollar und Yen. Die Rohstoffpreise werden weiter moderat bleiben und damit die Rohstoffwährungen nach unten ziehen. Damit stützt man vor allem den Yen, da das rohstoffarme Japan sehr auf Rohstoffimporte angewiesen ist.

Normalerweise zeigen kurz- und langfristige Wechselkurstrends in die gleiche Richtung. Viele Forschungsergebnisse zeigen, dass bei den meisten wichtigen Währungen der Wechselkurs von heute die beste Prognose für den Kurs der nächsten Woche, des nächsten Monats und sogar des nächsten Jahres ist. Aber Zeiten wie diese sind kaum als normal zu bezeichnen. Aufgrund der anhaltenden Finanzkrise wird sich der Dollar dank seines Status als sicherer Hafen weiter nach oben bewegen. Die Rohstoffpreise loten neue Tiefen aus.

Aber die Finanzkrise wird ebenso wie die Rezession letztlich zu Ende gehen. Allerdings nicht in nächster Zeit, wohlgemerkt. Es könnte vielleicht noch weitere sieben oder acht Monate dauern, wenn nicht länger. Aber wenn sich wieder normale Wachstumswerte einstellen, werden auch die jüngsten Trends, die für die Aufwertung von Dollar und Yen gesorgt haben, zum Erliegen kommen. Vielleicht werden internationale Anleger den USA für ihre offensiven Anreize im Bereich Geld- und Haushaltspolitik dankbar sein, die noch rasant an Fahrt gewinnen werden, wenn der designierte Präsident Barack Obama am 20. Januar sein Amt antritt. Aber die Anleger werden sich auch weiterhin Sorgen darüber machen, was passiert, wenn die Rechnungen fällig werden.

In vielen Schwellenländern wird man ebenfalls antizyklische makroökonomische Strategien verfolgen wollen, allerdings schmälern Bedenken hinsichtlich hauhaltspolitischer Nachhaltigkeit und Ängste vor einer ungezügelten Inflation den Spielraum. Der europäischen Haushaltspolitik sind durch den Vertrag von Maastricht Grenzen gesetzt und die europäische Geldpolitik ist ziemlich unbeirrbar auf Preisstabilität ausgerichtet.

Natürlich verfügt China mit seinen enormen Devisenreserven über die nötigen Mittel, so viel wie andere auch für antizyklische makroökonomische Politik auszugeben. Aber die chinesische Führung ist sich bewusst, dass ihr geknebeltes Bankensystem aufgrund der fortgesetzten stufenweisen Finanzmarktliberalisierung sehr anfällig ist. Und sie weiß, dass Devisenreserven für eine Rekapitalisierung notwendig sein könnten. ampnbsp;

Aus diesem Grund wird vielleicht keine andere Region eine so expansive Geldpolitik betreiben wie die USA.

Momentan können die weltweiten Anleger nicht genug von den US Treasury Bills bekommen, wie die zusammenbrechenden Zinssätze für kurzfristige US-Wertpapiere zeigen. Aber ein großer Teil dieser Nachfrage ist auf kurzfristige krisenbedingte Angst zurückzuführen. Wenn sich die Märkte normalisieren, werden sich auch die Investoren wieder umsehen und erkennen, dass die USA im Kampf gegen den Abschwung immense Schulden angehäuft haben, möglicherweise im Ausmaß mehrerer Billionen Dollar. Gleichzeitig werden sich die derzeit fallenden Preise (oder „Deflation“) letztlich in eine Inflation verwandeln, nachdem eine offensive Lockerung der Geldpolitik ihren Tribut von der Preisstabilität fordert.

Zugegebenermaßen können manche Kursschwankungen der großen Währungen im letzten Jahr als normalisierende Entwicklung betrachtet werden. Auf Basis der Kaufkraft (ein ungenaues Maß dafür, welche Menge an realen Gütern man mit verschiedenen Währungen kaufen kann) war der Euro bei 1,60 Dollar ebenso absurd überbewertet wie der Yen bei über 120 gegenüber dem Dollar unterbewertet war. Rohstoffwährungen mussten von ihren astronomischen Höhenflügen wieder zurückkehren.

Aus diesem Grund haben die Währungsanpassungen des letzten Jahres bis zu einem gewissen Grad lediglich für ein besseres Gleichgewicht zwischen nationalen relativen Preisen und Wechselkursen gesorgt. Allerdings sind die Wechselkurse der Schwellenländerwährungen und noch mehr der Rohstoffwährungen möglicherweise auf der unteren Seite über das Ziel hinausgeschossen.ampnbsp;

Langfristig werden sich Globalisierung und ökonomische Konvergenz wieder einstellen und sowohl Schwellenländer- als auch Rohstoffwährungen werden anziehen müssen. Gleichzeitig werden sich die Aussichten auf eine höhere Inflation und eine massiv höhere Staatsverschuldung der USA ebenso wie das noch immer Besorgnis erregende Handelsdefizit auf den Dollar auswirken. Auch der Yen wird unter dem anhaltenden Anstieg der japanischen Staatsschulden leiden, die schon jetzt zu den höchsten der Welt zählen. Die fortgesetzte Schwäche der japanischen Wirtschaft wird den Yen letztlich nach unten drücken.

Wann wird sich die derzeitige Konstellation der etwas übermäßigen Dollar- und Yen-Aufwertungen, vor allem gegenüber den Schwellenländerwährungen, umkehren? Das hängt davon ab, wann man mit dem Abklingen der Finanzkrise rechnet und der Zeitpunkt dafür ist ebenso schwer vorherzusagen wie die Wechselkurse. Aber der Tag wird kommen und dann werden wir den Dollar und den Yen wie einen Bumerang zu ihren Ausgangspunkten zurückkehren sehen.

Reprinting material from this Web site without written consent from Project Syndicate is a violation of international copyright law. To secure permission, please contact us.

Exit from comment view mode. Click to hide this space

Comments (0)

You need to login in order to leave a comment. If you do not yet have an account, please register.

Show comments of
close

The two commenting options explained

Watch a 1 minute video
to discover how you can comment on the entire article or a specific paragraph. The two images below also explain the two ways of commenting.

1) Entire article comment
Once logged in, simply click inside the comment box where it says "Enter text here." Enter and post your comment.

2) Paragraph comment
Please log in first. Then click to the left of the desired paragraph. Your cursor will automatically move to the comments box. Enter and post your comment.

Top Project Syndicate commentaries

Email this article

Your name is required.

Your email is required.


Your friend's name is required.

Your friend's email is required.


A message is required.