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Amerikas Sputnikschock in Peking

NEW YORK – Der 8. August 2008 wird uns vielleicht eines Tages als der erste Tag des postamerikanischen Zeitalters in Erinnerung bleiben. Vielleicht wird man ihn auch als einen zweiten „Sputnikschock“ im Gedächtnis behalten, der Moment, in dem den Amerikanern durch den sowjetischen Ausflug in den Weltraum 1957 klar wurde, dass das Land den Halt verloren hatte, und in dem sie beschlossen, es sei an der Zeit, dass die Vereinigten Staaten die Kurve kriegten.

Die Macht und Symbolik der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking am 8. August war unmissverständlich. Das Multimediaspektakel hat bei weitem nicht nur Chinas 5000-jährige Geschichte nachgezeichnet; es war ein Statement, dass China eine große Zivilisation ist, die ihren rechtmäßigen Platz in der globalen Hierarchie fordert und verdient.

Auch eine andere Symbolik war eindeutig: Präsident Bush winkte fröhlich von seinem Platz auf der unüberdachten Tribüne, während der chinesische Präsident Hu Jintao hinter etwas saß, das eher wie ein Thron aussah. Es ist schwer vorstellbar, dass die chinesische Regierung, die jedes kleinste Detail des diplomatischen Protokolls genauestens verfolgt, dieses krasse Bild des amerikanischen Niedergangs neben dem Land, dem es $ 1,4 Billionen schuldet, nicht so orchestriert hätte. Man könnte sich kaum vorstellen, dass Franklin Roosevelt oder Ronald Reagan eine ähnlich relative Position akzeptiert hätten.

In genau dem Augenblick, in dem Bush von der Zuschauertribüne winkte, marschierte Russland in Georgien ein, Amerikas engstem Partner im Kaukasus. Russlands Botschaft an die westlich orientierten Länder in der ehemaligen Sowjetunion war eindeutig: Amerika kann euch nicht beschützen.

Beängstigenderweise hatten die Russen wahrscheinlich Recht. Aufgrund des Schlamassels im Irak fällt es Amerika schwer, auf der Welt Stärke zu demonstrieren, zudem ist es durch die Kombination verschiedener Faktoren zu einem strauchelnden Koloss geworden: sein steigender Schuldenberg, Konflikte mit Freunden und Feinden gleichermaßen, das Fehlen einer eindeutigen Strategie für die sich wandelnden Zeiten und die scheinbare Unfähigkeit seines politischen Systems, auf diese Herausforderungen einzugehen.

Von Iran bis Darfur, von Simbabwe bis Georgien wird die Welt derzeit Zeuge der Auswirkungen einer gerade erst entstehenden postamerikanischen Welt, und dabei ergibt sich kein schönes Bild. So sehr wir alle den Aufstieg neuer Mächte wie China und Indien begrüßen, bleibt abzuwarten, ob sich diese Länder zu einer so wohlwollenden Macht entwickeln, wie es Amerika trotz seiner Fehler im letzten halben Jahrhundert war.

Der Neokolonialismus kehrt nach Afrika zurück, das globale Projekt der Menschenrechte ist auf dem Rückzug, und das Welthandelssystem ist wesentlich weniger offen. Brutale Diktatoren bleiben ungestraft, da ihre Interessen von großen Mächten geschützt werden, die an ihren Bodenschätzen interessiert sind. Diesen Trend umzukehren, ist nicht nur in Amerikas Interesse, sondern auch im Interesse der Welt.

Dazu müssen die Amerikaner die großen Herausforderungen, vor denen die Vereinigten Staaten stehen, erkennen und angehen und sich dabei von unten nach oben vorarbeiten. Amerikas Wahlkampffinanzstruktur, die zu enormen Fehlzuweisungen der staatlichen Mittel führt, muss verbessert werden, dem ungeheuer ungleichen und häufig scheiternden amerikanischen Bildungswesen muss neues Leben eingehaucht werden, ein Einwanderungssystem muss eingerichtet werden, das aktiv die begabtesten Leute auf der Welt durch eine Schnelleinbürgerung in die USA rekrutiert, und es muss eine nationale Energiepolitik entwickelt werden, die die USA wesentlich schneller zur Energieunabhängigkeit bringt – das alles wären wichtige Schritte in diese Richtung.

Der Versuch, den traditionellen Konsens der beiden Parteien in der Außenpolitik wiederherzustellen, würde die USA zudem zu einem wesentlich verlässlicheren Partner für ihre Freunde und Verbündeten auf der Welt machen. Amerika muss ein achtenswerter Partner sein, um aufstrebende Mächte wie Indien und China dazu zu ermutigen, eine konstruktivere Rolle in den internationalen Beziehungen zu spielen.

Die Welt ist noch nicht für das postamerikanische Zeitalter bereit, und Länder wie China und Indien müssen eine wesentlich größere Rolle bei der Stärkung der vorhandenen Institutionen zur Wahrung des Weltfriedens übernehmen und, wo dies angebracht ist, neue gründen, die weltweit für eine positive Agenda für Sicherheit, Würde, Rechte und Wohlstand eintreten können.

Die Weltgemeinschaft ist noch nicht so weit, und bis sie das ist, braucht die Welt eine neue Art amerikanischen Führer – einen Führer, der in der Lage ist, die Amerikaner dazu zu inspirieren, ihre Probleme zu Hause zu lösen und mit ihren Partnern auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, um eine gemeinsame Agenda voranzutreiben, die so kühn und fortschrittlich ist, wie die Weltordnung, die aus der Asche des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren errichtet wurde.

Die Olympischen Spiele in Peking könnten als neuer „Sputnikschock“ für die USA in die Geschichte eingehen und das Land dazu inspirieren, sich auf sinnvolle Weise der Musik einer Welt im Wandel zuzuwenden. Doch kann Amerika das nur schaffen, wenn es die großen Herausforderungen erkennt, die vor ihm liegen, und mutig voranschreitet, um sich diesen zu stellen, sowohl zu Hause als auch mit seinen Verbündeten im Ausland.

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