Friday, October 24, 2014
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Entwicklungshilfe funktioniert

NEW YORK – Die Kritiker der Entwicklungshilfe haben unrecht. Immer mehr Daten zeigen, dass die Todesraten in vielen armen Ländern stark zurückgehen, und dass durch Entwicklungshilfe finanzierte Gesundheitsprogramme dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Hilfe funktioniert, sie rettet Leben.

Eine der neuesten Studien von Gabriel Demombynes und Sofia Trommlerova zeigt, dass die Kindersterblichkeit in Kenia (Todesfälle bei Kindern unter einem Jahr) in den letzten Jahren stark gefallen ist, was zum Großteil auf die starke Verbreitung von Bettnetzen gegen Malaria zurückzuführen ist. Diese Ergebnisse stimmen mit denen einer wichtigen Studie zur Malaria-Todesrate von Chris Murray und anderen überein: Nach 2004 sind die Todesfälle durch Malaria im Afrika südlich der Sahara stark zurückgegangen, was an Eindämmungsmaßnahmen liegt, die durch Entwicklungshilfe gefördert wurden.

Drehen wir die Uhr ein Dutzend Jahre zurück. Im Jahr 2000 kämpfte Afrika mit drei großen Epidemien. AIDS tötete jährlich mehr als zwei Millionen Menschen und breitete sich rapide aus. Malaria nahm aufgrund der wachsenden Resistenz des Parasiten gegen die damalige Standardmedizin stark zu. Auch Tuberkulose war weit verbreitet, teilweise als Ergebnis der AIDS-Epidemie und teilweise durch das Auftreten medikamentenresistenter Erreger. Zusätzlich starben hunderttausende von Frauen jährlich bei der Entbindung, weil sie keine Möglichkeit einer sicheren Geburt in einer Klinik oder in einem Krankenhaus hatten und keine Nothilfe verfügbar war.

Diese miteinander verbundenen Krisen mussten gelöst werden. Im September 2000 einigten sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen auf die Millennium-Entwicklungsziele. Drei dieser acht Ziele – Eindämmung von Kindersterblichkeit, Müttersterblichkeit und epidemischer Krankheiten – waren Gesundheitsziele.

Auch die Weltgesundheitsorganisation setzte sich stark dafür ein, die Entwicklungshilfe für Gesundheit zu verstärken. Und afrikanische Politiker unter der Führung des damaligen Präsidenten von Nigeria, Olusegun Obasanjo, nahmen den Kampf gegen die Epidemien des Kontinents auf. Nigeria war Gastgeber zweier wichtiger Gipfeltreffen über Malaria im Jahr 2000 und über AIDS 2001, die für das weitere Vorgehen entscheidend waren.

Auf dem zweiten dieser Gipfel rief der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan dazu auf, den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, TB und Malaria ins Leben zu rufen. Der Globale Funds begann 2002 mit der Finanzierung von Vorsorge, Behandlung und Hilfsprogrammen gegen diese drei Krankheiten. Auch stimmten die einkommensstarken Länder endlich zu, die Verbindlichkeiten der hochverschuldeten armen Länder zu reduzieren und ihnen damit zu ermöglichen, mehr für Gesundheit und weniger an Kreditgeber zu bezahlen.

Auch die Vereinigten Staaten traten in Aktion und verabschiedeten zwei große Programme, eines gegen AIDS und eines gegen Malaria. 2005 empfahl das UN-Milleniumsprojekt spezielle Vorgehensweisen zur Verbesserung grundlegender Gesundheitsfürsorge in den ärmsten Ländern, bei denen die reichen Länder die Kosten für die ärmsten Länder trugen. Viele der Empfehlungen des Projekts wurden durch die UN-Generalversammlung unterstützt und in zahlreichen Ländern mit geringem Einkommen umgesetzt.

Als Ergebnis all dieser Bemühungen wurden die finanziellen Hilfsmittel stark aufgestockt. 1995 betrug die Gesamthilfe für Gesundheitsfürsorge etwa 7,9 Milliarden USD. Von diesem unangemessenen Betrag steigerte sie sich langsam auf 10,5 Milliarden im Jahr 2000. 2005 allerdings sprang sie um weitere 5,9 Milliarden USD in die Höhe, und 2010 um weitere 10,5 Milliarden auf insgesamt 26,9 Milliarden jährlich.

Durch die erhöhte Förderung konnten große Kampagnen gegen AIDS, TB und Malaria, große Verbesserungen bei der Sicherheit von Geburten und mehr Reichweite bei Impfungen finanziert werden, was unter anderem zur fast vollständigen Ausrottung von Polio führte. Im Rahmen der öffentlichen Gesundheit wurden viele innovative Techniken entwickelt und angewendet. Bei einer Milliarde Menschen in den einkommensstarken Ländern betrug die Gesamthilfe 2010 etwa 27 USD pro Einwohner der Geberstaaten – für sie eine geringe Summe, aber für die Ärmsten der Welt lebensrettend.

Diese Erfolge in der öffentlichen Gesundheitsfürsorge können nun an vielen Fronten beobachtet werden. 1990 starben etwa 12 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Bis 2010 ging diese Zahl auf etwa 7,6 Millionen zurück – immer noch viel zu viele, aber auf jeden Fall ein historischer Fortschritt. Die Malaria-Todesfälle unter afrikanischen Kindern wurden vom Maximalwert von etwa einer Million im Jahr 2004 auf etwa 700.000 im Jahr 2010 reduziert, und die Todesfälle unter schwangeren Frauen halbierten sich zwischen 1990 und 2010 beinahe, von etwa 543.000 auf 287.000.

Durch weitere 10-15 Milliarden USD (entsprechend zusätzlicher 10-15 USD pro Person in der entwickelten Welt) an jährlicher Entwicklungshilfe könnten in den kommenden Jahren noch größere Fortschritte erzielt werden, wodurch die Gesamtausgaben etwa 40 Milliarden USD jährlich betragen würden. Sogar in vielen der ärmsten Länder der Welt könnten damit die Millennium-Entwicklungsziele erreicht werden.

Leider sprach sich im letzten Jahrzehnt – und auch heute noch – bei jedem Schritt ein Chor von Skeptikern gegen die benötigte Hilfe aus. Wiederholt wurde behauptet, die Hilfe würde nicht funktionieren, die Gelder wären einfach verschwendet, Anti-Malaria-Netze würden nicht helfen, da die Armen sie nicht verwenden würden, die Armen würden die Medikamente gegen AIDS nicht ordnungsgemäß einnehmen, und so weiter und so fort. Die Angriffe kamen immer und immer wieder (ich habe einige davon abbekommen).

Nicht nur, dass die Gegner der Entwicklungshilfe unrecht haben. Ihre verbale Feindschaft bedroht auch immer noch die Finanzierung der Reduzierung der Sterblichkeit von Kindern und Schwangeren, um die Millennium-Entwicklungsziele bis 2015 für die ärmsten Länder zu erreichen, und danach weiter zu machen, damit alle Menschen überall endlich Zugang zu grundlegender Gesundheitsfürsorge haben.

Durch die entscheidenden Fortschritte des letzten Jahrzehnts wurden die Skeptiker widerlegt. Entwicklungshilfe für Gesundheitszwecke funktioniert ganz hervorragend – und rettet und verbessert Leben. Lasst uns diese Lebensrettungsprogramme weiter unterstützen, um die Würde und das Wohlbefinden aller Menschen auf diesem Planeten zu sichern.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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  1. CommentedNirmalan Dhas

    A NEW DYNAMIC FOR AID
    by Nirmalan Dhas on Thursday, January 5, 2012 at 4:12am ·



    The Context

    The world we live in is not the world into which we were born. It is a hotter world where floods, fires, tsunami, earthquakes and other sudden and unannounced disasters are increasing in their frequency. It is a world in which these sudden disasters cause billions of dollars worth of damage that take years to re build and draw heavily on already scarce resources.

    The world we live in is a world challenged by Rapid Resource Depletion (RRD), Pollution and Global Climate Change (P&GCC), Global Monetary Collapse (GMC) and the increasing incredibility of the Growth Model of Development (GMD) and the very nature of aid has to change in response to these hitherto ignored phenomena.

    Our models of aid are old and outdated and do not meet the requirements of the world we live in today and the one we are likely to make for ourselves tomorrow…



    Humanitarian Aid

    Humanitarian Aid was never designed to respond to the kind of disasters that we have faced in recent times and will likely face more frequently in the future. Humanitarian aid has always been emotionally driven and this emotional drive rests on the understanding that disasters are random un related events to the occurrence of which we contribute nothing and whose victims are in effect the victims of misfortune and therefore worthy of the sympathetic assistance of those who have not thus been afflicted. But today we are all afflicted by these four dynamics that have arisen out of our own greed based and desire driven actions over the last two centuries or so and there is no one who stands un affected and in a position to sympathize with us and help us.

    We have to prepare to help ourselves and so humanitarian aid must be transformed into a component that responds to emergencies within a larger process that is consciously engineered to engage the disasters that appear to lie ahead and mitigate their impact with the clear and conscious objective of ensuring the survival of as many human individuals as possible so that the human species itself may survive and regenerate itself.

    The human species cannot however survive or regenerate itself without ensuring the survival of its environment and its regeneration as well as ensure the survival of life on Earth, as we know it. The survival of the human species, the survival of life as we know it on Earth and the survival of the planetary environment, cannot be looked at separately but as a single indivisible whole.



    Development Aid

    This would render our growth model of development both destructive and dangerous so that our development aid would then have to be a holistic process that devotes the bulk of energy and resources to environmental repair and regeneration while channeling a significant quantum into research into new less dangerous technologies and into the designing of new ways to live, new habitats, new relations with food and nutrition, new ways of enhancing human health and wellness, new attitudes to death and new ways by which human knowledge can be passed down generations.

    Initially and for a very long time to come, a large amount of development aid will have to be devoted to disaster forecasting and warning systems, community training in disaster mitigation, the preparation of responses to likely disasters and the maintenance of stockpiles of food water and medicines as well as the training of communities in new ways of living and relating to each other for survival.



    Aid re-conceptualized

    As you can see, within this context aid ceases to be aid and becomes instead a vital component of the emerging model of development. It ceases to be a "one third of one percent" effort and instead it becomes the central force of the drive to ensure the survival of the human species and it is generated not by emotion but by clear and calm perceptions of what has occurred and what lies ahead of us and how we may respond with the objective of ensuring the survival of our human species.

    The understanding of this need for change is what we must bequeath the young of our species. We must ensure that the wisdom we have gathered through the eons of evolution of our species in the course of which so much energy has been expended and so many resources consumed must be handed over to them. Wisdom must become the mark of youth so that our young may survive the turbulence ahead.

    We have perhaps clumsily and perhaps crudely and perhaps blindly and perhaps unthinkingly clawed our way along the evolutionary pathways we were able to perceive until today at least some of us are able to perceive the price we have paid and the price we may be called upon to yet pay and who know that the extinction of the human species within whom such a high level of autonomy has been evolved, and life as we know it on earth and earths planetary environment which generates and sustains such life, cannot be permitted.



    The new developmental mission

    Life as we know it on earth can survive to continue its evolution through and beyond human being and to spread throughout the universe. It is up to us to ensure that it is facilitated in its attempts to survive and realize its potential to do so.

    Our context now demands much more than the Millennium Development Goals. It demands that we concentrate our every effort on the survival of our species and the survival of all that its survival requires.

  2. CommentedOliver R

    Although you cite many impressive figures to do with falling child mortality and fewer deaths of women during childbirth, to a certain extent the gains will surely be harder to maintain in the future. In a sense the development you describe must be the result of plucking low hanging fruit. For example mosquito nets can be manufactured and distributed fairly cheaply let yield large immediate falls in cases of malaria. However the only way that developing countries can truly become developed countries and sustain the gains made so far is with effective governance and the right economic and social policies in place. These vital factors are sadly lacking in many poor areas of the world. Hence although aid definately helps, it cannot act as a substitute for good governance.

  3. CommentedJosué Machaca

    Completamente de acuerdo, por todos lados he escuchado que la ayuda es ineficiente. Esto despeja mis dudas.

  4. Commentedsandesh kotte

    I agree with Prof.Sachs argument that aid works but it is also true that in some situations/conditions it does not worked as well...Research shows both positive and negative outcomes of aid..But this does not favor giving up aid..What's important is,to go after some particular characteristics/political factors which determine the outcome of aid process...after all we are talking about life and death here..so i don't think it gives us other choice than how to work aid..

  5. CommentedBob Quiggin

    The point behind Prof Sachs's piece is that aid has worked. It has worked not only in his illustrated area of health care, but in emergency food supplies, food security, education, infrastructure, water and sanitation, training, capacity building and more. Given limitless space he could have detailed all these. And yes, aid dollars have to be spent effectively. But the contention he is battling is the simple claim that 'Aid does not work'.

    That claim is not only wrong, it is often promoted selfishly and endangers the lives of the most vulnerable and the security of us all.

    NB. My views are my own and do not necessarily reflect those of my employer.

  6. CommentedMoctar Aboubacar

    I almost agree with the title, but not with professor Sachs' choice of content. Two points to illustrate this:

    1. The title reads: "Aid Works" but the last paragraph reads "aid for health care works". What is being discussed is not all of aid, but aid to health care, and specifically aid to health care to reach MDGs. This is fine if it worked as an in-depth example illustrating a larger point, but I am unsure to what extent the argument on effectiveness applies in all other development contexts.
    Health care is relatively 'simple' in that it has a fixed logic and obvious end goal: 'diseases are detrimental to humanity, therefore they must be eradicated'. But not all issues in development have this basic normative line. Debates on democracy are far from over, and there is no consensus on an end goal to economic development (growth or redistribution?). Given this, the solution that aid brings is not always found in the aid money, as the health care example in this article by and large illustrates.

    2. Aid is not necessarily aid money, and I wish professor Sachs made this distinction much clearer. Professor Sachs' argument would be much stronger if he included more examples of effective aid that cannot be put into dollar amount (the UN Millennium Project is one good example cited). One wouldn't tell by reading the article that policy planning, strategy, creative problem solving and knowledge sharing can all be forms of aid.

    There is much to be said for how effective aid money to certain projects and in certain areas can be. But putting the emphasis on the quantitative side of things, while useful, can be distracting.
    With last year's Busan High Level Forum on Aid Effectiveness and with the upcoming Rio+20 summit, the logic is not, as professor Sachs suggests 'Aid works. So are we giving enough money?'.
    Rather, the logic is 'Aid _can_ work. How effective is it? What is the future of cooperation for development?'

  7. CommentedLara Gautier

    Unfortunately, appart from studies on malaria, Professor Sachs does not provide any evidence that decline in mortality in developing countries is actually due to increased funding and aid by rich countries... Who can prove that the good news (evidence should also be found: e.g. when we notice that immunization coverage in several districts exceeds 100%, we should seriously question data reliability...) can not be explained more generally by an improvement of basic hygiene & sanitation and economic development of these countries (which assign an increasing share of national budgets to health)?

    In addition, the Health MDGs are far from being met by 2015 and most experts in international health acknowledge this unfortunate perspective. Dr. Margaret Chan herself expressed some concerns during the last WHA which ended a few days ago...

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