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Das Kim/Kim Gipfeltreffen und seine Folgen

Byung-joon Ahn

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2000-06-16

PHJÒNGJANG: Beginnt der letzte Gletscher des Kalten Krieges abzutauen? Das Gipfeltreffen zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung und dem "Treuen Führer" Nordkoreas Kim Jong Il weckt auf beiden Seiten der koreanischen Halbinsel Hoffnungen, dass die 55 Jahre des heissen und des kalten Krieges zu Ende sein könnten. Da Korea der als weltweit am meisten hochgerüstete Krisenherd mit der Gefahr von Nuklearwaffen und einer nach wie vor hohen Raketenhochrüstung in Nordkorea geblieben ist, würde die ganze Welt von einer Entspannung profitieren. Um dies zu erreichen, müssen mehr als nur die beiden koreanischen Regierungen vorausschauend und verantwortlich handeln.

Kim Dae Jungs Besuch in Nordkorea bereitete Kim Jong Il die einzigartige Chance zu beweisen, dass Nordkorea aus seiner selbst auferlegten Isolation ausbricht. Durch das Händeschütteln und die Umarmungen des südkoreanischen Präsidenten konnte Kim Jong Il so dramatisch und wirksam zeigen, dass er wirklich bereit ist, im politischen und wirtschaftlichen Bereich einen Normalisierungsprozess zwischen den beiden Koreas zu beginnen. Tatsächlich zeigte die Herzlichkeit seines Empfanges der Welt, dass sich Nordkorea öffnet, und dem eigenen Volk, dass sich ihre Regierung zu wandeln beginnt

– wobei die Richtung noch unklar ist –, um in einer sich schnell globalisierenden Welt zu überleben. Kim Jong Ils Taten präsentieren ihn mit einem neuen Image als seriösen und verantwortlichen Staatsmann, anstelle des regelmäßig in Zeitungen abgebildeten finsteren Einsiedlers.

Die beiden Kims haben sich darauf verständigt, grundsätzlich auf eine Wiedervereinigung hinzuarbeiten, und dafür „unabhängig“ von äusseren Einflüssen gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um ein Einverständnis zwischen der südkoreanischen Idee eines Nord-Süd "Commonwealths" oder einer Konföderation, und der nordkoreanischen Idee von einer "lockeren Förderation", zu finden. Sie versprachen, den durch die demilitarisierte Zone seit einem halben Jahrhundert geteilten Familien zu helfen und den Austausch in verschiedenen Feldern inklusive der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu fördern. Regelmäßige Regierungstreffen werden diese Vorhaben begleiten.

Obwohl nun einiges wie die übliche heiße Luft guter Absichten am Ende eines jeden Gipfeltreffens klingt, stellen die deutlichen öffentlichen Verpflichtungen der beiden Staatsmänner einen echten Vorwärtsschritt dar. Wie weit und mit welchem Tempo dieser Prozeß tatsächlich gehen wird, wird sich daran zeigen, ob und wann Kim Jong Il seinen zu "angemessener Zeit" versprochenen Gegenbesuch in Seoul abstatten wird.

Wird Kim Jong Il tatsächlich eine grundsätzliche Änderung einleiten? Ist er bereit, seine Truppen von der demilitarisierten Zone abzuziehen und wird er seine Zehntausende umfassende Artillerie, die in der Lage ist, Seoul zu erreichen, abrüsten? Ist er in der Lage, die derzeitige Einfrierung der Entwicklung von Nuklearwaffen beizubehalten und wird er versichern, dass Nordkorea keine ballistische Racketen exportiert, entwickelt oder einsetzt? So lange die Gefahr einer nuklearen und konventionellen Wettrüstung in Nordkorea bestehen bleibt, wird die Halbinsel eine potentieller Konfliktherd bleiben. Rein technisch gesehen, befinden sich Nord- und Südkorea auch jetzt noch im Kriegszustand. Vor diesem Hintergrund ist es voreilig, von einem Rückzug amerikanischer Truppen zu sprechen.

Auch wenn diese schwierigen Streitpunkte noch bestehen, können sie mit mehr Vertrauen behandelt werden, da die Zweifel an dem, wer eigentlich Nordkorea regiert, beseite gestellt werden können. Kim Jong Il regiert Nordkorea. Sein Einfluß ist überall sichtbar, und das nicht nur während der Gipfelereignisse. Nunmehr wird auch deutlich, das er vollständig hinter der nach dem Test einer Mittelstreckenrakete im August 1998 von Präsident Clinton und der japanischen Regierung initiierten Einbindungspolitik steht. Beginnend mit der Normalisierung der Beziehungen zu Südkorea hat Kim Jong Il seinen Einfluß nicht nur in den Beziehungen zu Südkorea, sondern auch in Gesprächen mit den U.S.A., Japan, China und Rußland ausgebaut.

Wenn diese Anstrengungen wirklich Erfolg haben sollen, so muss er damit fortfahren, Nordkoreas Image eines "Schurkenstaates" in das eines normalen Staates zu verwandeln. Dass die U.S.A. die bisherige Entwicklung begrüsst, verdeutlicht sich auch daran, dass die Clinton-Regierung entschieden hat, ihre Ankündigung, die Handelsbeschränkungen auf nordkoreanische Exporte zu lockern, umzusetzen.

Auf den Gipfel aufzubauen, ist also nicht nur eine Aufgabe für die beiden Kims. Die erste Aufgabe der sich die südkoreanische Regierung zu stellen hat, wird es sein, die Vereinigten Staaten in die Politik eine steigenden "Koreanisierung" der Angelegenheiten auf der Halbinsel einzubinden. Aufgrund der sich in den vergangenen Jahren entwickelnde Konkurrenz der Grossmächte um Korea, wird dies nicht so einfach sein. Dennoch ist es unbedingt notwendig, den koreanischen Friedensprozess von den chinesisch-amerikanischen und den russisch-amerikanischen Rivalitäten abzukoppeln, besonders wegen der dringlichen Probleme um die Programme zur nationalen Raketenabwehr (national missile defense, NMD) und regionalen Raketenabwehr (theatre missile defense, TMD), die Amerika ins Auge fasst.

Auch China und Rußland haben ihren Einfluss in Nordkorea aufgebaut. Beijing empfing Ende Mai einen geheimen Besuch von Kim Jong Il, vielleicht um ihn zu überzeugen, das Gipfeltreffen als Ausgang zu nutzen, Washington als Hauptakteur auf der Halbinsel abzulösen. Der russische Präsident Vladimir Putin wird Phjòngjang im Juli besuchen, um Unterstützung für seine Einwände gegen das von Amerika vorgeschlagene Raketenabwehrschild zu suchen. Während gerade diese zwei asiatischen Mächte Kim Jong Il hofieren, will Washington Verhandlungen mit Phjòngjang über Raketen, und Tokio strebt die wiederherstellung diplomatischer Beziehungen mit dem Norden an.

Amerika und Japan haben dabei geholfen, Nordkorea zu Gesprächen mit Südkorea zu bewegen. Es obliegt Südkorea daher, beide Regierungen über seinen Absichten genau zu informieren, um so eine gewisse Kontrolle der Nord-Süd Versöhnung zu gewährleisten. Da Chinas Einfluß wächst, ist entscheidend, dass die U.S.A. und China ihren strategischen Dialog wiederherstellen und damit dazu beitragen, dass das nordkoreanische Raketenproblem von der misslichen Angelegenheit der Raketenabwehr abgelöst wird. Die beiden Kims haben die koreanische Halbinsel dem Frieden näher gebracht, als vor einer Woche jeder zu hoffen wagte. Ihre Anstrengungen müssen von den anderen Mächten mit Interesse an den Koreanern unterstützt und getragen werden.

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AUTHOR INFO

Byung-joon Ahn is Visiting Professor of international relations at the National Graduate Institute for Policy Studies, Tokyo, Japan, and a Member of South Korea's National Academy of Sciences.