Exit from comment view mode. Click to hide this space
Email | Print

Afrikas unangebrachte Währungsambitionen

DAKAR – Der Währungsunionswahn hat Subsahara-Afrika fest im Griff. Für regionale Ländergruppen in Ost-, Süd- und Westafrika ist die Idee, eine Währungsunion zu gründen, ein vorrangiges Ziel. Aber haben wir das alles in Afrika nicht schon einmal gehört?

Tatsächlich wird beim heutigen Enthusiasmus für Währungsunionen ignoriert, wie schlecht vorherige Versuche, sie mit friedlichen Mitteln herzustellen, auf dem Kontinent abgeschnitten haben. Eine Gemeinschaftswährung erfordert eine vereinheitlichte und zentral vereinbarte Geld- und Finanzpolitik. Doch ist dafür politische Integration notwendig, die – wie die Probleme des Euros in diesem Jahr gezeigt haben – unter Nationalstaaten schwer zu erreichen ist.

Bevor der Euro 1999 die internationale Finanzbühne betrat, waren die einzigen Beispiele für Länder mit Gemeinschaftswährungen das neokolonialistische französischsprachige Afrika und Vorläufer aus dem neunzehnten Jahrhundert, wie die lateinamerikanische oder die skandinavische Währungsunion. Die Schaffung des CFA-Franc, durch den Frankreich 65 % der Devisenreserven der CFA-Länder kontrolliert, hat Währungskonvertibilität mit einem maßlos überbewertetem Umrechnungskurs – zunächst gekoppelt an den französischen Franc und jetzt an den Euro – und mit Handelsbarrieren verbunden. Dies hatte lediglich strukturelle Defizite, eine enorme Kapitalflucht und 1994 eine 100-prozentige Abwertung zur Folge.

Doch trotz der Schwierigkeiten, die den CFA (und in letzter Zeit den Euro) heimgesucht haben – und obwohl es keine entwicklungsfähigen regionalen Zollunionen gibt (außer in der Ostafrikanischen Gemeinschaft), ganz zu schweigen von einem Gemeinschaftsmarkt –, bleiben die Afrikaner der Idee einer Währungsunion äußerst treu.

Diese Treue ist unangebracht. In dieser Phase ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, deren Schwerpunkt auf Rohstoffexporten liegt, sollten die afrikanischen Länder einer langfristigen wirtschaftlichen Integration Priorität einräumen, nicht einer Währungsunion. Das Modell, dem hier gefolgt werden sollte, ist nicht der Euro, sondern der Gemeinsame Markt Südamerikas (Mercosur) und die Organisation Südostasiatischer Staaten (ASEAN). Beide regionale Gruppierungen haben durch die Senkung von Handelsbarrieren einen echten Katalysator für das Wirtschaftswachstum geschaffen.

Die Mitgliedsländer von Mercosur haben eine Strategie gewählt, die der Schaffung einer Freihandelszone Vorrang einräumt. Sie haben es erfolgreich vermieden, eine schwerfällige, mit Haushaltsgeldern finanzierte Bürokratie zu etablieren, und die Handhabung des Abkommens stattdessen den entsprechenden Ministerien überlassen. 2008 erreichten die Mercosur-Exporte innerhalb der Region 41,6 Milliarden US-Dollar, das entspricht einer Steigerung um 28,4 % im Vergleich zu 2007. Der Außenhandel von Paraguay, Argentinien und Brasilien innerhalb der Gemeinschaft belief sich auf jeweils 65 %, 33 % bzw. 15 % ihrer Gesamtexporte.

Der nächste große Vorteil derartiger regionaler Gruppierungen ist ihre Fähigkeit, ausländische Direktinvestitionen (FDI) anzuziehen. Seit den frühen 1990er Jahren ist es Mercosur gelungen, 5,9 % der weltweiten FDI-Zuflüsse zu mobilisieren. 2008 sicherte sich die Gemeinschaft ausländische Direktinvestitionen in einer Rekordhöhe von 56 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung um 31,5 % gegenüber 2007. Zudem haben wechselseitige Investitionen zwischen Mercosur-Mitgliedsländern zu mehr wirtschaftlicher Integration geführt. Argentinien ist jetzt Brasiliens zweitgrößter Handelspartner, hinter den Vereinigten Staaten, während Brasilien Argentiniens größter Handelspartner ist, noch vor den USA.

Die sieben ASEAN-Staaten haben beschlossen, wirtschaftliche „Roadmaps“ umzusetzen, die ihre Integrationsprioritäten festlegen – ein Zeugnis ihrer Entschlossenheit, eine Wirtschaftsgemeinschaft zu bilden. Eine Währungsunion steht jedoch nicht besonders weit oben auf der Agenda. 2009 machte der ASEAN-Regionalhandel 24,6 % der Gesamtexporte der Mitglieder aus und 24,3 % der Gesamtimporte.

Dagegen entfallen auf den Handel zwischen afrikanischen Ländern lediglich etwa 10-12 % der Exporte und Importe des Kontinents. Doch konzentrieren sich jetzt mehr Investoren auf Geschäftschancen dort, zum Teil weil mehrere afrikanische Länder der Katerstimmung nach der globalen Kreditkrise entkommen sind. Bis 2050 sollte das BIP der elf größten afrikanischen Volkswirtschaften zusammen über 13 Billionen US-Dollar erreichen und damit Brasilien und Russland überholen (nicht jedoch China oder Indien).

Für einige Analysten ist der Aufstieg von Ländern wie Brasilien zur treibenden Wirtschaftskraft teilweise auf eine erfolgreiche Demutualisierung ihrer Börsen zurückzuführen. In Afrika gibt es derzeit 23 aktive Börsen, und ihre gemeinsame Marktkapitalisierung ist von 245 Milliarden US-Dollar im Jahr 2002 auf 1 Billion Dollar (2 % des weltweiten Gesamtbetrags) Ende 2009 angestiegen – das entspricht der fünfzehntgrößten Börse der Welt. Mit einem Volumen von 800 Milliarden Dollar ist die Börse von Johannesburg allein für 80 % des Gesamtbetrags verantwortlich und belegt weltweit Platz 19. Nigeria plant, eine Demutualisierung seiner Börse vorzunehmen, um sie als eines der Hauptinvestitionsziele für Frontier-Markt-Anleger zu etablieren.

Afrika kann von einem massiven wirtschaftlichen Umschwung profitieren, sofern das richtige Umfeld für nachhaltiges Wachstum und steigende Produktivität geschaffen wird. Dazu ist eine einheitliche makroökonomische Politik erforderlich, die sich auf die wirtschaftliche Integration, eine unabhängige Nahrungsmittelversorgung, niedrige Inflation und geringere Schulden konzentriert. Ebenfalls notwenig sind politische Stabilität, die Ausmerzung der Korruption, verbesserte Rechtsstaatlichkeit, eine Verbesserung der grundlegenden Bildungsstandards und eine stärkere Nutzung von Mobiltelefonen und dem Internet.

Eine Währungsunion hingegen ist nicht notwendig. Was die Wechselkurse angeht, wären die Mitglieder der afrikanischen Wirtschaftsvereinigungen besser beraten, wenn sie ihre Währungen in regionalen Währungssystemen aneinander koppelten, um große Fluktuationen untereinander zu vermeiden.

Reprinting material from this Web site without written consent from Project Syndicate is a violation of international copyright law. To secure permission, please contact us.

Exit from comment view mode. Click to hide this space

Comments (0)

You need to login in order to leave a comment. If you do not yet have an account, please register.

Show comments of
close

The two commenting options explained

Watch a 1 minute video
to discover how you can comment on the entire article or a specific paragraph. The two images below also explain the two ways of commenting.

1) Entire article comment
Once logged in, simply click inside the comment box where it says "Enter text here." Enter and post your comment.

2) Paragraph comment
Please log in first. Then click to the left of the desired paragraph. Your cursor will automatically move to the comments box. Enter and post your comment.

Top Project Syndicate commentaries

Email this article

Your name is required.

Your email is required.


Your friend's name is required.

Your friend's email is required.


A message is required.