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Die Geschichte zweier Diktaturen

Myanmar und Pakistan sind zwei asiatische Länder, deren Militärmachthaber sich in Schwierigkeiten befinden. Allerdings bewegen sich die beiden Länder in entgegengesetzte Richtungen, denn in Pakistan hat man die Gründe für den Aufstieg Asiens verstanden und in Myanmar nicht.

Asien befindet sich im Aufwind, weil sich die asiatischen Länder zunehmend der Modernität öffnen. Ausgehend von Japan hat diese Modernisierungswelle die vier „asiatischen Tigerstaaten” (Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur), manche ASEAN-Länder (Malaysia, Indonesien, Thailand und Vietnam) und schließlich China und Indien erfasst. Jetzt rollt diese Welle in Richtung Pakistan und Westasien.

Ich besuchte Pakistan während einer etwas turbulenteren Woche. Der im Exil lebende ehemalige Ministerpräsident Nawaz Sharif versuchte in dieser Zeit seine Rückkehr, wurde jedoch umgehend wieder ins Exil verfrachtet. Die Welt rechnete mit einem politischen Erdbeben, aber das Leben im Land ging ruhig weiter.

Das politische Erdbeben blieb aus, weil sich die pakistanische Elite der Modernisierung verschrieben hat. Unter der Führung von Ministerpräsident Shaukat Aziz, einem ehemaligen Mitarbeiter der Citibank, kam es in Pakistan zu dramatischen Strukturreformen, wodurch man an den Erfolg der führenden Schwellenökonomien anschließen konnte. Dies erklärt das hohe Wirtschaftswachstum.

Pakistan ist für Außenhandel und ausländische Investitionen offen. Und ebenso wie der Erfolg ausgewanderter Inder in Amerika deren Landsleute in Indien beflügelte, zieht auch Pakistan Nutzen aus seinen erfolgreichen, im Ausland lebenden Bürgern.

Diese Öffnung gegenüber der Modernität geht allerdings über die Bereiche Wirtschaft und Finanzen hinaus. Obwohl in tausenden Koranschulen immer noch unterrichtet wird und der islamische Fundamentalismus eine starke Basis hat, ist es ihm nicht gelungen, die grundlegende Struktur der pakistanischen Gesellschaft zu verändern.

Eine Beobachtung an der LUMS, der führenden Privatuniversität in Lahore, machte mir Mut: Die Kleidung der Frauen. Als ich als junger Mann in den 1960er Jahren Universitäten in Malaysia besuchte, trugen nur wenige malaysische Frauen den Hidschab. An genau diesen Universitäten tragen ihn heute fast alle. Im Gegensatz dazu waren an der LUMS (die von der Atmosphäre her etwa der Harvard Business School entspricht) nur etwa 5 % der weiblichen Studenten mit dem Hidschab bekleidet. Ein bemerkenswerter Ausdruck sozialer Freiheit.

In Pakistan explodierte auch die Zahl freier Medien. In erstaunlich vielen pakistanischen Fernsehsendern wird offen über die Aktivitäten Sharifs und der ebenfalls im Exil lebenden früheren Ministerpräsidentin, Benazir Bhutto, berichtet. Zahlreiche Elemente einer offenen Gesellschaft haben sich also etabliert, einschließlich einer unabhängigen Justiz – wie die Welt im März erfuhr.

Im Gegensatz dazu schweigen die Medien in Myanmar über die Dissidentin Aung San Suu Kyi. Auch an eine Wiedereinsetzung des von den Generälen gefeuerten Präsidenten des obersten Gerichtshofs, wie dies in Pakistan im März durch Pervez Musharraf stattfand, ist in Myanmar nicht zu denken, ganz zu schweigen von Demonstrationen zugunsten des Gerichtspräsidenten.

Natürlich herrscht in Pakistan durchaus ein gewisses Maß an stillschweigendem Ressentiment gegenüber dem breiten Raum, den das pakistanische Militär in Politik und Wirtschaft einnimmt. Es besteht die Gefahr eines Rückschlags, wenn das Militär nicht akzeptiert, auch der Zivilgesellschaft mehr Raum zuzugestehen. Ich traf zahlreiche pensionierte Armeegeneräle, die Spitzenpositionen bekleiden. Glücklicherweise schienen sie mir vom Naturell her eher wie Collin Powell zu sein und weniger wie Than Shwe oder Maung Aye, die beiden stramm militaristischen Machthaber Myanmars, die das Land von der Außenwelt abgeschnitten haben.

Auch die amerikanische Entscheidung, Pakistan nicht zu isolieren, sondern einzubinden, war hilfreich. Ich zweifle nicht daran, dass das erneute und intensivere amerikanische Engagement dazu beitrug, Pakistan in die richtige Richtung zu bewegen. Viele Mitglieder der pakistanischen Elite wurden an amerikanischen Universitäten ausgebildet – ein weiterer wichtiger Hinweis auf die allgemeine Ausrichtung des Landes. Man stelle sich vor, wie anders sich die internationalen Beziehungen gestalten würden, wenn hochrangige Vertreter Amerikas Myanmar (oder sogar den Iran) ebenso einfach besuchen und dort freundliche Diskussionen zu Übereinstimmungen und Widersprüche führen könnten.

Die Generäle in Myanmar verdienen es, für die brutale Niederschlagung der Proteste der Zivilbevölkerung und der buddhistischen Mönche verurteilt zu werden. Im Westen wird man nun eilig neue Sanktionen und noch größere Isolation fordern. Aber was soll das nützen? Myanmar hat sich seit 50 Jahren höchst wirksam selbst isoliert. Was kann mit noch mehr Isolation erreicht werden?

Allerdings könnte eine mutige westliche Führungsperson den Führern in Myanmar mit einer Drohung kommen, die sie wirklich fürchten: Größere Einbindung. Die Generäle Myanmars glauben nämlich, dass sie durch Abschottung von der Welt die burmesische „Reinheit“ bewahren. Man stelle sich vor, was passiert, wenn ebenso viele myanmarische wie pakistanische Generäle Amerika besuchen. Ein mutiger junger Intellektueller aus Myanmar, Thant Myint-U (Enkelsohn des früheren UNO-Generalsekretärs U Thant) fragt: „Welche Art des Drucks von außen kann einen demokratischen Wandel herbeiführen? Und warum sitzen die Generäle in Myanmar nach Jahrzehnten voller Boykotte, eingestellter Auslandshilfe, Handelsverbote und diplomatischer Verurteilungen offenbar fester im Sattel als je zuvor?“

Ich besuchte Pakistan als Staatsgast. Meine eigentliche Mission bestand jedoch darin, meine ethnischen Wurzeln in der Volksgruppe der Sindhi zu reaktivieren, da ich das Land, in dem meine Eltern geboren wurden, noch nie besucht hatte. Nur diejenigen, die den Schmerz der Teilung Britisch-Indiens im Jahr 1947 nachvollziehen können, werden die starke Symbolkraft eines herzlichen Empfangs für ein Kind hinduistischer Eltern in einem muslimischen Pakistan verstehen. Diese kulturellen Verbindungen halfen mir auch, die in Pakistan gesprochenen Sprachen Urdu und Sindhi zu verstehen und den in der pakistanischen Seele verankerten dringenden Wunsch nach Modernisierung ebenso nachvollziehen zu können wie auch die tiefe Sehnsucht nach Verbundenheit mit dem reichen kulturellen Erbe des Landes.

Ich verließ Pakistan hoffnungsvoll, denn ich spürte den starken Wunsch der Menschen, den Aufstieg Asiens nicht zu verpassen. Wenn man Myanmar einen ähnlichen Impuls verleihen könnte, würden sowohl die Menschen des Landes als auch die ganze Welt profitieren.

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