Sunday, November 23, 2014
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Ein Planet für alle Affen

MELBOURNE – Zwei neue Filme, die diesen Monat erscheinen – einer ein Science-Fiction-Blockbuster und der andere ein Dokumentarfilm – handeln von unseren Beziehungen zu unseren engsten nicht menschlichen Verwandten, den Menschenaffen. Beide bieten auf dramatische Weise Einsichten und Lehren, die nicht ignoriert werden sollten.

Rupert Wyatts Planet der Affen: Prevolution ist der siebte Film auf der Grundlage des Romans von Pierre Boule aus dem Jahr 1963, Planet der Affen, über eine Welt, die von hochintelligenten Primaten bevölkert wird. Die Werbung für den neuen Film spricht vom “ersten Live-Action-Film in der Geschichte des Kinos, der ein bewusstes Tier als Hauptdarsteller hat, aus dessen Perspektive er erzählt wird.” Allerdings spielen keine lebendigen Affen mit.

Statt dessen wird die ursprünglich für den Film Avatar erfundene “Performance-Capture-Technik” verwendet, mit der ein menschlicher Schauspieler, Andy Serkis, die Rolle des Schimpansen Caesar spielen kann. Dabei trägt er kein Schimpansenfell, sondern jede seiner Gesten und Gesichtsbewegungen, bis hin zum Zucken seiner Augenbrauen, wird durch die Technik in die Bewegung eines Affen verwandelt.

Als ich im letzten Monat mit Wyatt sprach, gab er zu, dass er aus praktischen Gründen keine echten Affen im Film verwendet hatte. Aber er verstand auch die ethischen Bedenken. “Es gibt Dinge, mit denen ich nichts zu tun haben möchte”, erklärte er mir. “Um Affen dazu zu bringen, das zu tun, was man will, muss man sie dominieren und manipulieren. Das ist Ausbeutung.”

Wyatts Abneigung dagegen, die Ausbeutung von Menschenaffen zu fördern, ist verständlich. Immerhin erzählt der Film selbst die Geschichte eines Aufstandes der Affen gegen menschliche Unterdrückung. Die menschliche Hauptfigur, Will Rodman (gespielt von James Franco), ist ein Wissenschaftler, der auf der Suche nach einem Mittel gegen Alzheimer mit Affen experimentiert.

Viele Filme hätten einen solchen Wissenschaftler und sein Ziel glorifiziert und seine Verwendung von Tieren zu diesem Zweck gerechtfertigt. Planet der Affen: Prevolution dagegen stellt Rodman als, in Francos Worten, “kalten, isolierten Menschen” dar. Erst als Rodmans Vorgesetzte seine Experimente abbrechen und er Caesar, einen jungen Schimpansen, mit sich nach Hause nimmt, beginnt der Wissenschaftler, sich um andere zu kümmern. Die Handlung wechselt erneut, als Caesar zu groß für ein Leben in einem menschlichen Haus wird und in ein angebliches Affenschutzgebiet kommt, das sich aber eher als Deponie für unerwünschte Affen herausstellt und von Menschen geleitet wird, die die gefangenen Tiere grausam behandeln.

Was den Umgang mit Affen betrifft, entspricht der Film weitgehend den Tatsachen, wie der Dokumentarfilm Project Nim nach dem Buch von Elizabeth Hess, Nim Chimpsky: The Chimp Who Would be Human, klar zeigt. Nim wurde 1973 in einem Forschungszentrum für Primaten in Oklahoma, USA, geboren und im Altern von nur zehn Tagen von seiner Mutter entfernt, um an einem Experiment über Zeichensprache teilzunehmen.

Als Mitglied einer menschlichen Familie aufgezogen, lernte er mehr als 100 Zeichen der Zeichensprache, die von hörgeschädigten Amerikanern verwendet wird. Aber er musste seine erste menschliche Familie verlassen und wurde anderen Lehrern übergeben, zu denen er keine Bindung hatte. Er wurde stärker und aggressiver, und begann, seine Lehrer zu beißen.

Herbert Terrace, der Psychologe von der Columbia University, der das Projekt leitete, entschied sich, es zu beenden und Nim in das Forschungszentrum nach Oklahoma zurück zu schicken. Dort wurde der verwöhnte Schimpanse – der, wenn er aufgefordert wurde, Fotos von Menschen und Affen zu sortieren, sein eigenes Foto zu denen der Menschen legte – in einen Käfig mit anderen Schimpansen gesperrt. Seiner Sichtweise darüber gab er Ausdruck, indem er anwesenden Menschen das Zeichen für “heraus” zeigte. Nim musste noch einige Schicksalsschläge hinnehmen – und entging im Rahmen eines medizinischen Experiments nur knapp einer Infektion mit Hepatitis – bis er schließlich in ein Tierheim gebracht wurde, wo er im Jahr 2000 starb.

1993 gründeten Paola Cavalieri und ich “The Great Ape Project”, eine Vereinigung zur Förderung der Idee, Menschenaffen einen ethischen Status als sich ihrer selbst bewusste Wesen zu verleihen, die denken können sowie reiche und tiefe Emotionen besitzen. Zumindest sollten sie dieselben Rechte für Leben, Freiheit und Schutz vor Folter bekommen, die wir allen Angehörigen unserer eigenen Art garantieren, unabhängig von ihren intellektuellen Fähigkeiten.

In der Zwischenzeit hat diese Idee ständige Fortschritte gemacht. Seit 2010 ist es in der Europäischen Union verboten, Menschenaffen in Experimenten zu verwenden. In Neuseeland, Australien und Japan sind Experimente an Menschenaffen heute entweder verboten oder stark eingeschränkt. In den Vereinigten Staaten unterstützt eine parteiübergreifende Gruppe von Kongressmitgliedern ein Gesetz, das die Verwendung von Schimpansen in Tierversuchen beendet. In Spanien wurde 2008 ein parlamentarischer Beschluss verabschiedet, der Menschenaffen einige grundlegende juristische Rechte zugesteht, aber von der spanischen Regierung noch umgesetzt werden muss.

Vielleicht trägt der Start dieser beiden sehr unterschiedlichen Filme dazu bei, Menschenaffen in den Kreis der Lebewesen mit ethischen und gesetzlichen Rechten aufzunehmen. Auf diese Weise könnten unsere nächsten Verwandten eine Brücke über den moralischen Abgrund spannen, den wir zwischen uns und andere Tiere gegraben haben.

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