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Allgemeinverständliche Wirtschaftswissenschaften

NEW HAVEN – Wir erleben gerade einen Boom der populärwissenschaftlichen Wirtschaftslehre: Bücher, Artikel, Blogs, öffentliche Vorträge, die von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt werden.

Vor kurzem nahm ich beim Jahrestreffen der American Economic Association in Denver an einem Podiumsgespräch über dieses Phänomen teil. Bei der Diskussion trat ein augenscheinliches Paradox zutage: Der Boom in der populärwissenschaftlichen Wirtschaftslehre findet zu einem Zeitpunkt statt, zu dem die Allgemeinheit ihren Glauben an die professionellen Wirtschaftswissenschaftler verloren zu haben scheint, weil fast alle von uns daran gescheitert sind, die aktuelle Wirtschaftskrise – die größte seit der Großen Depression – vorherzusagen, ja noch nicht einmal davor gewarnt haben.

Warum kauft die Öffentlichkeit dann mehr Bücher von professionellen Wirtschaftswissenschaftlern?

Die interessanteste Erklärung, die ich hörte, war, dass die Wirtschaftswissenschaft interessanter geworden war, da sie nicht mehr wie eine fertige und abgeschlossene Disziplin erscheint. Es macht keinen Spaß, ein Buch oder einen Artikel zu lesen, in dem steht, dass ökonomische Prognosen am besten Computermodellen überlassen werden, für deren Verständnis Sie, der normale Leser, einen Doktortitel bräuchten.

Und in Wahrheit hat die Öffentlichkeit recht: Obwohl es eine recht wissenschaftliche Grundlage für diese Modelle gibt, können sie vollkommen daneben liegen. Manchmal müssen wir den Autopiloten ausstellen und selbst nachdenken und im Falle einer Krise unseren gesunden Menschenverstand einsetzen.

Die Diskussionsteilnehmer merkten alle an, dass die populärwissenschaftliche Ökonomie in gewisser Weise einen Austausch zwischen spezialisierten Wirtschaftswissenschaftlern und einer breiteren Öffentlichkeit ermöglicht – ein Dialog, der nie wichtiger war. Schließlich sahen die meisten Wirtschaftswissenschaftler die Krise teilweise deshalb nicht kommen, weil sie sich von dem, was die Menschen in der realen Welt taten und dachten entfernt hatten.

Eine erfolgreiche populärwissenschaftliche Wirtschaftslehre bezieht den Leser oder Zuhörer in gewissem Sinne als Mitarbeiter mit ein. Das bedeutet natürlich, dass die Wirtschaftswissenschaftler bereit sein müssen, neue und originelle Theorien einfließen zu lassen, die unter den professionellen Experten noch nicht zur allgemein anerkannten Lehre gehören.

Bis vor kurzem hätten sich viele professionelle Wirtschaftswissenschaftler dagegen gesträubt, ein populärwissenschaftliches Buch zu schreiben. Auf jeden Fall wäre es nicht als vorteilhaft angesehen worden, wenn ein Anwärter für eine Stelle oder eine Beförderung in Erwägung gezogen wurde. Da es keine Gleichungen oder statistischen Tabellen enthält, so hätten sie argumentiert, handelt es sich um keine seriöse Arbeit, die der akademischen Beachtung würdig wäre.

Schlimmer noch, zumindest bis vor kurzem hätte ein Ausschuss, der einen Wirtschaftswissenschaftler beurteilt, wahrscheinlich gedacht, dass das Schreiben eines populärwissenschaftlichen Wirtschaftsbuchs, das die allgemein anerkannten Weisheiten der Disziplin nicht wiederholt, vielleicht sogar gegen das Berufsethos verstößt.

Man stelle sich vor, wie die Ärzteschaft eines ihrer Mitglieder ansehen würde, das der Öffentlichkeit eine Therapie empfohlen hätte, die noch nicht von den entsprechenden Autoritäten überprüft worden wäre. Mediziner wissen, wie oft sich scheinbar vielversprechende neue Therapien nach sorgfältigen Studien als nutzlos oder sogar schädlich erweisen. Für neue Therapien gibt es einen strengen akademischen Überprüfungsprozess, der an Fachzeitschriften gekoppelt ist, die hohe Forschungsstandards aufrecht halten. Diesen Prozess zu umgehen und der Öffentlichkeit neue, ungeprüfte Ideen vorzulegen, ist unprofessionell.

In den Jahrzehnten vor der aktuellen Finanzkrise sind die Wirtschaftswissenschaftler, ermutigt durch Forschungstrends, allmählich dazu übergangen, sich selbst und ihr Metier in derselben Weise zu betrachten. Nach 1960, als die University of Chicago mit der Erstellung eines Univac-Computermagnetbands begann, das systematische Informationen über Millionen von Aktienkursen enthielt, wurde beispielsweise ein großer Teil der wissenschaftlichen Forschung über die Eigenschaften von Aktienkursen als Bestätigung für die „Theorie der effizienten Märkte“ gewertet. Von den Wettbewerbskräften, die den Börsen zugrunde liegen, wurde angenommen, sie zwängen alle Wertpapierkurse auf ihre wahren Grundwerte. Alle Handelssysteme, die nicht auf dieser Hypothese beruhten, wurden entweder als irrig oder als direkter Betrug abgestempelt. Die Wissenschaft hatte über die Weisheit der Börsenexperten triumphiert – so schien es zumindest.

Die Finanzkrise versetzte diesem übermäßigen Vertrauen in die wissenschaftliche Wirtschaftslehre einen tödlichen Stoß. Nicht nur, dass die Fachwelt die Krise nicht vorhergesagt hatte. Genau genommen legten ihre Modelle manchmal nahe, dass eine Krise dieser Größenordnung unmöglich eintreten könnte.

Eine Möglichkeit, dies zu interpretieren, ist, dass die Ökonomen das menschliche Element der Wirtschaft nicht voll berücksichtigten, ein Element, das nicht auf mathematische Analyse reduziert werden kann.

Die relativ wenigen professionellen Wirtschaftswissenschaftler, die vor der aktuellen Krise gewarnt hatten, waren Leute die nicht nur die wirtschaftswissenschaftliche Literatur gelesen, sondern auch ein persönlicheres Urteil ins Spiel gebracht hatten: intuitive Vergleiche zu früheren geschichtlichen Episoden; Schlussfolgerungen über Spekulationshandel, Preisblasen und Vertrauensstabilität; Beurteilungen der moralischen Ziele von Wirtschaftsakteuren; der Eindruck, dass sich Nachlässigkeit eingestellt hatte, die die Aufpasser einlullte.

Diese Urteile wurden von Wirtschaftswissenschaftlern vorgenommen, denen unsere Wirtschaftselite vertraut war – ihre Inspiration, Glaubenssätze, Ausflüchte und Rationalisierungen. Ihre Ansichten konnten nie einem Fachjournal vorgelegt und so wie neue medizinische Verfahren bewertet werden. Es gibt kein etabliertes wissenschaftliches Verfahren, mit dem ihre Gültigkeit bewiesen werden könnte.

Selbstverständlich ist die Wirtschaftswissenschaft in vielerlei Hinsicht eine Wissenschaft, und die Arbeit unserer Wissenschaftler und ihre Computermodelle sind wirklich wichtig. Doch wie es schon der Ökonom Edwin R. A. Seligman 1889 ausdrückte: „Die Wirtschaftswissenschaften sind eine Gesellschaftswissenschaft, das heißt, es handelt sich um eine ethische und daher historische Wissenschaft ... Es ist keine Naturwissenschaft und daher keine exakte oder rein abstrakte Wissenschaft.“

Für mich, und zweifellos für die anderen Diskussionsteilnehmer, gehört es zum Prozess des Einbeziehens der inexakten Aspekte der Wirtschaftswissenschaften dazu, ehrlich mit der allgemeinen Öffentlichkeit zu kommunizieren, ihr in die Augen zu sehen, von ihr zu lernen, die von ihr geschickten E-Mails zu lesen und dann in sich zu gehen, um zu entscheiden, ob die persönlich bevorzugte Theorie der Wahrheit wirklich nahe kommt.

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