Saturday, September 20, 2014
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Ein neuer Weg hin zu einer kohlenstoffextensiven Wirtschaft

NEW YORK: Ob wir den von uns Menschen verursachten Klimawandel bewältigen, hängt davon ab, ob uns der Übergang zu einer Stromproduktion gelingt, die anders als die Verbrennung von Öl, Erdgas und Kohle wenig oder gar kein Kohlendioxid – das wichtigste für die globale Erwärmung verantwortliche Treibhausgas – freisetzt. Eine kohlenstoffarme Stromproduktion ist möglich mit Solar-, Atom- und Windenergie oder durch Kohlekraftwerke, bei denen die CO2-Emissionen aufgefangen und gespeichert werden.  

Das politische Problem dabei ist einfach: Kohle ist im Vergleich zu den anderen Energien eine billigere und einfacher zu nutzende Energiequelle. Sie ist billig, weil es so viel davon gibt. Sie ist einfacher zu nutzen als Wind- oder Sonnenenergie, weil sich mit ihr rund um die Uhr Strom erzeugen lässt, unabhängig von den Wetterbedingungen.

Um unseren Planeten zu retten, müssen wir die Stromanbieter dazu bringen, kohlenstoffarme Energiequellen einzusetzen – trotz des geringeren Preises und der einfacheren Nutzbarkeit der Kohle. Der offensichtliche Weg dabei ist, Kohle zu besteuern oder von den Kraftwerksbetreibern zu verlangen, dass sie Emissionsrechte für die Kohleverbrennung erwerben, und die Steuern bzw. den Preis der Emissionsrechte hoch genug anzusetzen, um zum Umstieg auf kohlenstoffarme Alternativen zu ermutigen.

Nehmen wir an, die Stromproduktion mit Kohle kostet 6 Cent pro Kilowattstunde und die von Solarstrom 16 Cent. Dann müsste die Steuer auf Kohlestrom 10 Cent pro Kilowattstunde betragen. In diesem Fall würden die Verbraucher 16 Cent pro Kilowattstunde bezahlen – egal, ob für Kohle- oder Solarstrom. Die Versorger würden dann auf kohlenstoffarmen Solarstrom umstellen. Die Umstellung würde in unserem Beispiel allerdings die Stromrechnung mehr als verdoppeln.

Die Politiker mögen solche Steuern nicht, weil sie Angst haben, dafür politisch abgestraft zu werden. Dies behindert in den USA den Fortschritt hin zu einer kohlenstoffextensiven Volkswirtschaft seit vielen Jahren. Etliche europäische Länder haben dagegen mit Erfolg die Idee einer „Einspeisevergütung“ umgesetzt, die den Kern einer langfristigen, politisch akzeptablen Lösung bietet.

Eine Einspeisevergütung subventioniert die kohlenstoffarme Energiequelle, statt die kohlenstoffreiche zu besteuern. In unserem Beispiel müsste die Regierung dem Betreiber des Solarkraftwerks eine Subvention von 10 Cent pro Kilowattstunde zahlen, um die Differenz zwischen dem Verbraucherpreis von 6 Cent und den Produktionskosten von 16 Cent auszugleichen. Der Verbraucherpreis bleibt so unverändert, aber die Regierung muss jetzt irgendwie für die Subvention bezahlen.

Es gibt aber eine andere Möglichkeit. Man stelle sich vor, wir erheben eine kleine Steuer auf die bestehenden Kohlekraftwerke, um für die Solarsubventionen zu bezahlen, und erhöhen dann mit zunehmender Einführung der Solarkraftwerke allmählich die Strompreise für die Verbraucher. Der den Verbrauchern in Rechnung gestellte Betrag würde so allmählich von 6 Cent pro Kilowattstunde auf die vollen Kosten von 16 Cent pro Kilowattstunde ansteigen, aber dies über einen Zeitraum von sagen wir 40 Jahren (der Lebensdauer der neusten heutigen Kohlekraftwerke).

Gehen wir davon aus, dass heute, im Jahr 2010, das gesamte Stromsystem auf Kohle beruht und dass der von den Verbrauchern gezahlte Strompreis 6 Cent pro Kilowattstunde beträgt. Gehen wir weiter davon aus, dass bis 2014 10% des 40-jährigen Umstiegs auf Solarenergie bewältigt wurden. Der Verbraucherpreis wird um 10% des Differenzbetrages zwischen 6 und 16 Cent angehoben (einen Cent) und erreicht also 7 Cent pro Kilowattstunde.

Die Kohlesteuer für 2014 wird dann auf einen Cent pro Kilowattstunde festgelegt, was gerade ausreicht, um die benötigte Subvention von 9 Cent pro Kilowattstunde zu zahlen. Die Solarstromanbieter decken ihre Kosten von 16 Cent pro Kilowattstunde vollständig ab, da sie den Strom den Verbrauchern zu 7 Cent pro Kilowattstunde verkaufen und eine Subvention von 9 Cent pro Kilowattstunde erhalten. Eine geringe Kohlsteuer ermöglicht eine große Solarsubvention.

Gehen wir weiterhin davon aus, dass der Übergang zu einer kohlenstoffextensiven Volkswirtschaft 2030 zur Hälfte vollzogen ist. Der Verbraucherpreis für Strom liegt jetzt bei 11 Cent, also genau in der Mitte zwischen 6 Cent und 16 Cent. Die Kohlesteuer wird jetzt auf 5 Cent pro Kilowattstunde angehoben, was gerade ausreicht, um die Solarsubvention abzudecken. Und wieder decken die Solarstromanbieter genau ihre Kosten ab, da die Subvention von 5 Cent pro Kilowattstunde die Lücke zwischen dem Verbraucherpreis (11 Cent pro Kilowattstunde) und dem Herstellungspreis (16 Cent pro Kilowattstunde) schließt.

Lassen Sie uns schließlich davon ausgehen, dass 2050 die gesamte Stromproduktion auf kohlenstoffarme Energiequellen umgestellt wurde. Der Verbraucherpreis erreicht nun endlich 16 Cent pro Kilowattstunde, genug, um die Kosten für Solarstrom ohne weitere Subventionen abzudecken.

Dieser Ansatz erlaubt die allmähliche Erhöhung der Verbraucherpreise für Strom, aber setzt starke, unmittelbar wirksam werdende Anreize zur Umstellung auf Solarstrom, Darüber hinaus ist der Regierungshaushalt jedes Jahr ausgeglichen, da die Kohlesteuer die Solarsubvention auffängt.

Die tatsächliche Umstellung in den kommenden Jahren wird der in diesem Beispiel in einem Punkt deutlich überlegen sein. In den heutigen Solarkraftwerken mögen die Kosten im Vergleich zur Kohle um 10 Cent pro Kilowattstunde höher liegen, doch werden derartige Kraftwerke in Zukunft dank des technischen Fortschritts deutlich weniger kostenintensiv sein. Die relative Höhe der in einem oder zwei Jahrzehnten erforderlichen Subventionen wird also geringer ausfallen als heute.

Die Energiedebatten in den USA, Australien und anderen Ländern konzentrieren sich bisher auf die Einführung eines umständlichen Systems für den Handel mit Emissionsrechten. Jeder wichtige Nutzer fossiler Brennstoffe müsste dabei Emissionsrechte für CO2 erwerben, und diese Emissionsrechte würden dann an besonderen Märkten gehandelt. Der Marktpreis der Emissionsrechte entspräche einer Steuer auf CO2-Emissionen. 

Leider sind derartige Systeme schwer zu regulieren und geben keine klaren Hinweise auf den künftigen Preis dieser Emissionsrechte. Europa hat ein derartiges System eingeführt, aber andere Teilen der Welt haben dies wiederholt abgelehnt. Tatsächlich sind Europas größte Erfolge bei der kohlenstoffarmen Stromproduktion auf seine Einspeisevergütungen sowie, in einigen Ländern, auf CO2-Steuern zurückzuführen und nicht auf sein Emissionshandelssystem.

Es ist an der Zeit, dass die USA, China, Indien und andere große Volkswirtschaften erklären, wie sie ihren eigenen Übergang zu einer kohlenstoffextensiven Volkswirtschaft fördern wollen. Eine kleine, allmählich ansteigende Kohlenstoffsteuer, die ein System der Einspeisevergütungen finanziert, könnte in den USA politische Unterstützung gewinnen. Sie könnte außerdem dazu beitragen, einen Konsens zwischen den großen kohlebasierten Volkswirtschaften, einschließlich von China und Indien, herbeizuführen.  

Es gibt wirksame langfristige Lösungen zur Bekämpfung des von uns Menschen verursachten Klimawandels, die zugleich politisch akzeptabel und praktikabel sind. Es ist Zeit, sie sich zu Eigen zu machen.

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  1. CommentedMartin Earl

    Good comments. I live in Poland and here is (I believe) even more reliant on coal and (to most Poles consternation) Russian gas.

    There is a very good book by David MacKay (Energy without Hot Air) which covers many of these costing issues for a future low/zero CO2 energy supply. I recommend it very highly and can be found at http://www.withouthotair.com/

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