Exit from comment view mode. Click to hide this space
Email | Print

Eine Nahostunion?

TOLEDO: Das Toledo International Centre for Peace richtete in diesem Herbst eine Konferenz aus, bei der es um die Kooperation in Wasserfragen im Nahen Osten ging. Eine Schlussfolgerung der Konferenz war, dass jede wirksame Antwort auf die ungleiche Verteilung natürlicher Ressourcen in der Region eine regionale sein muss. Mit dieser Idee im Hinterkopf schlug Munther Haddadin, ehemaliger jordanischer Minister für Wasserressourcen, eine „Wasser- und Energieunion“ für den Nahen Osten vor – als langfristigen Mechanismus für die Integrierung einer fragmentierten Region.

Die Idee überzeugt. Sich um derart grundlegende Bedürfnisse in einer Weise zu kümmern, die Mangel und Überschuss regional verwaltet, folgt einer bezwingenden Logik.

Tatsächlich sind die Parallelen zur Rolle von Kohle und Stahl bei der Schmiedung der Europäischen Union so eindeutig, dass im vergangenen Monat der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer eine derartige Union forderte. Dasselbe taten der frühere tschechische Präsident Václav Havel und eine Gruppe weltweiter Geistesgrößen, die sich für die Idee einer regionalen Integration durch Wasser aussprechen. In Anlehnung an die von uns in Spanien abgehaltene Konferenz treten auch wir sehr für dieses lohnenswerte Ziel ein.

Freilich wurde die europäische „Montanunion“ erst möglich, nachdem Europas zentrale politische Konflikte beigelegt waren. Und auch ein erfolgreicher Prozess regionaler Integration im Nahen Osten wird einen politischen Rahmen erfordern, der die für eine regionale Kooperation nötige Stabilität gewährleistet. Alle Seiten müssen wissen, wo ihre Grenzen anfangen und aufhören, und vergangenes Unrecht Vergangenheit sein lassen, damit der Kreislauf der Rache und der automatische Reflex zugunsten kurzfristiger Vorteile regionale Lösungen der anstehenden Probleme nicht konterkarieren.

An dieser Stelle lohnt es sich, die Erfahrung eines früheren regionalen Bemühens zur Kenntnis zu nehmen. Während der 1990er Jahre mühte sich die multilaterale Schiene des Friedensprozesses für den Nahen Osten in Bezug auf wirtschaftliche Entwicklung, Umweltschutz, Flüchtlingsproblematik, Rüstungsbeschränkung und Wasser um eine regionale Koordinierung. Sie scheiterte, als mit dem Aus der bilateralen Gespräche angesichts der Verzweiflung über das Versagen der Politik und der blutigen Realität der zweiten Intifada auch die Bereitschaft zu regionaler Kooperation schwand.

Der notwendige politische Rahmen muss ebenfalls regionaler Art sein, und zum Glück gibt es einen solchen Rahmen bereits. Die Arabische Friedensinitiative, die erstmals beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga in Beirut 2002 auf den Tisch kam und 2007 in Riad bestätigt wurde, bietet allen Parteien ein Gerüst, um ihre Differenzen beizulegen, sowie eine politische Grundlage für den Weg nach vorn. Ihre Annahme ist unerlässlich, um Fortschritte zu erzielen, insbesondere falls sie um zusätzliche Kapitel zu den regionalen Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen ergänzt wird.

Trotz des heutigen chronischen Pessimismus würde das Bemühen um eine Wasser- und Energieunion für den Nahen Osten im Verbund mit der Arabischen Friedensinitiative die Einstellungen der Menschen verändern. Gemeinsam würden beide einen einander gegenseitig verstärkenden Prozess bilden: Eine politische Vereinbarung würde den Rahmen bieten, in dem die Wasser- und Energiebedürfnisse der Region erfüllt werden können; und die effektive und innovative Erfüllung dieser Grundbedürfnisse würde die Arabische Friedensinitiative zu einem Abkommen machen, das mehr ist als nur Papier.

Das von Israel, Palästina und Jordanien gebildete wasserarme Dreieck kann außerdem seinen Wasserbedarf nicht decken, sofern nicht eine zusätzliche Dimension in die Lösung eingebunden wird. Ein Bericht der Weltbank stellt fest, dass der Wasserbedarf der 19 Millionen Menschen, die im Jahre 2020 zwischen Jordan und Mittelmeer leben werden, nicht gewährleistet werden kann, ohne den Kostendeckungsgrad bestehender Entsalzungstechnologien zu erhöhen.

Wie es der Zufall will, waren im vergangenen Monat frühe Anzeichen eines verstärkten Interesses an einem regionalpolitischen Ansatz erkennbar. Der Außenminister Bahrains forderte kürzlich ein regionales Forum, das Israel einschließen müsse, um die voraus liegenden Probleme zu lösen; ein früherer Vertreter der saudischen Regierung traf sich in Großbritannien mit Israelis, um erneut die Notwendigkeit eines umfassenden Friedensvertrages anzusprechen; und der Vorsitzende der israelischen Arbeiterpartei Ehud Barak erklärte, dass es an der Zeit sein könnte, sich um eine die gesamte Region umfassende, von einem Wirtschaftspaket begleitete Friedensvereinbarung zu bemühen, da separate Verhandlungen mit Syrien und den Palästinensern sich als fruchtlos erweisen könnten.

Trotz Jahrzehnte langer Bemühungen hat der Prozess von Versuch und Irrtum durch bilaterale Ansätze und Strategien zum Konfliktmanagement bisher immer in Frustration geendet. Egal, welche wirtschaftlichen Projekte eingeleitet wurden, sie zerbrachen angesichts des Fortbestehens der Besatzung. Die Probleme sind zu komplex und die vom Radikalismus ausgehenden Gefahren zu ausgeprägt, als dass sich ein Erfolg auf gut Glück herbeiführen ließe.

Der Nahe Osten kann seinen Zustand permanenter Krise nur durch Schaffung einer umfassenden Friedensgrundlage überwinden. Die Arabische Friedensinitiative bietet – im Verbund mit der langfristigen Entwicklung einer Wasser- und Energieunion – die notwendige Basis zur Erfüllung der Bedürfnisse der Völker der Region und zur Abmilderung zukünftiger Konflikte.

Der Nahe Osten darf nicht länger ein Symbol nicht beizulegender Gewalttätigkeiten sein. Er kann für Innovation in Fragen allgemeiner menschlicher Bedeutung stehen – Wasser, Energie und Politik.

Reprinting material from this Web site without written consent from Project Syndicate is a violation of international copyright law. To secure permission, please contact us.

Exit from comment view mode. Click to hide this space

Comments (0)

You need to login in order to leave a comment. If you do not yet have an account, please register.

Show comments of
close

The two commenting options explained

Watch a 1 minute video
to discover how you can comment on the entire article or a specific paragraph. The two images below also explain the two ways of commenting.

1) Entire article comment
Once logged in, simply click inside the comment box where it says "Enter text here." Enter and post your comment.

2) Paragraph comment
Please log in first. Then click to the left of the desired paragraph. Your cursor will automatically move to the comments box. Enter and post your comment.

Top Project Syndicate commentaries

Email this article

Your name is required.

Your email is required.


Your friend's name is required.

Your friend's email is required.


A message is required.