BRÜSSEL: Sparen allein kann Europas Wirtschafts- und Finanzkrise nicht lösen. Wachstum und Arbeitsplätze müssen mit gleicher Entschlossenheit gefördert werden. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union erkennen dies jetzt an: Die Ankurbelung des Wachstums stand bei der Sitzung des Europäischen Rates am 30. Januar für 2012 ganz oben auf der Tagesordnung. Aber eine große Frage bleibt: Wie?
Dass sofort gehandelt werden muss, ist eindeutig. Die Wirtschaft der Eurozone ist in den letzten drei Monaten des Jahres 2011 geschrumpft, und zwar selbst in Deutschland. Es sieht finster aus für das neue Jahr. Frankreich stagniert (und Großbritannien auch). Italien und Spanien sind tief in die Rezession abgerutscht. Griechenland erlebt sein fünftes Jahr des Abschwungs. Und die Arbeitslosigkeit in der Eurozone ist auf Rekordniveau gestiegen, und fast die Hälfte aller jungen Leute in Spanien und Griechenland sind arbeitslos.
Der wirtschaftliche Gegenwind ist gewaltig: öffentliche Sparmaßnahmen, hohe Zinsen außerhalb der Länder mit AAA-Rating, Einschränkungen der Banken bei der Kreditvergabe, die Entschuldung der privaten Haushalte, geringe Investitionen im privaten Sektor und ein Rückgang der Exporte, da der weltweite Abschwung auf die Nachfrage drückt.
Bis es wieder Wachstum gibt, steht jede noch so schwache Finanzstabilisierung auf äußerst wackeligen Füßen. Die Rezession wird die Bilanzen der Banken und Regierungen in Mitleidenschaft ziehen und den Druck zum schnelleren Schuldenabbau erhöhen. Doch während eine allmähliche Anpassung unverzichtbar ist, sind schnellere und tiefere Einschnitte überwiegend kontraproduktiv: Eine starke Verringerung des privaten Kreditvolumens und der Staatsausgaben wird den Abschwung verschärfen und daher eine teuflische Abwärtsspirale in Gang setzen. Ein neuer, starker Wachstumsanschub ist daher unverzichtbar.
Bisher besteht die Wachstumsagenda überwiegend aus Strukturreformen. Diese sind für eine Steigerung der künftigen Produktivität und Flexibilität von zentraler Bedeutung, und die Krise bietet vielen Ländern eine politische Gelegenheit für kühne Schritte an dieser Front. Aber Strukturreformen sorgen im Allgemeinen nicht sofort für mehr Wachstum und Arbeitsplätze (eine Ausnahme ist die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten).
Im Gegenteil: Ein Abbau weniger produktiver Arbeitsplätze etwa würde zunächst einmal die Arbeitslosigkeit erhöhen, die staatlichen Aufwendungen steigern und die privaten Ausgaben verringern. Und weil die Nachfrage rückläufig ist, Kredite kaum zu bekommen und die Hürden für Unternehmen häufig hoch sind, wird es länger als sonst dauern, um produktivere Arbeitsplätze zu schaffen. Auf den Punkt gebracht: Strukturreformen allein werden das Wachstum 2012 nicht ankurbeln.
Stattessen müssen wir uns unmittelbar auf die Stärkung von Investitionen und Export in Volkswirtschaften mit Leistungsbilanzdefiziten – wie Frankreich, Italien und Spanien (und Großbritannien) – und auf die Ankurbelung des privaten Verbrauchs in Überschussländern wie Deutschland und den Niederlanden konzentrieren.
Die Europäische Zentralbank hat entschieden gehandelt, um die europäischen Banken zu stützen; jetzt muss sie auch die Realwirtschaft unterstützen. Während die offiziellen Zinssätze nur 1% betragen, zahlen solvente Staaten wie Spanien mehr als 5% auf zehnjährige Anleihen, während kreditwürdige Unternehmen in Italien Kredite wenn überhaupt nur zu schmerzhaft hohen Zinsen erhalten. Die EZB sollte also mehr tun, um den Transmissionsmechanismus in der Geldpolitik zu entsperren; die Europäische Bankaufsichtsbehörde sollte einer exzessiven Entschuldung entgegenwirken, indem sie dafür eintritt, dass die Banken statt einer einheitlichen Eigenkapitalquote von 9% bestimmte Kapitalbeträge aufbringen; und ggf. sollten die nationalen Regierungen Bürgschaften für Bankkredite an kleine und mittelgroße Firmen übernehmen.
Ein verbesserter Zugriff auf Finanzmittel ist lebenswichtig, aber die Regierungen müssen außerdem mehr tun, um die Investitionen zu steigern. Sie sollten Maßnahmen priorisieren, um Unternehmen zu starten, Barrieren für den Zugang zu Wagniskapital abbauen und vorübergehend Abschreibungen in Höhe von 100% zulassen, um die Unternehmen zu ermutigen, Investitionen vorzuziehen. Auf EU-Ebene sollte das (abrufbare) Kapital der Europäischen Investitionsbank stark erhöht werden, wie es der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, in seiner Rede zur Lage der Union im vergangenen September vorgeschlagen hat, damit die EIB eine große Welle europaübergreifender Investitionen insbesondere im Bereich der Infrastruktur finanzieren kann.
Eine Ankurbelung des Exports ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. Die Defizitländer müssen konkurrenzfähiger werden und bei gleichzeitiger Senkung ihrer Kosten die Produktivität steigern. Eine konkurrenzfähigere Währung wäre zu begrüßen: Genau wie der Zusammenbruch des Pfund Sterling seit 2008 die britischen Exporte erhöht hat, würde ein schwächerer Euro den Volkswirtschaften des Mittelmehrraums helfen, bei preissensiblen Exporten wieder konkurrenzfähiger zu werden. Eine Abwertung über die Finanzpolitik – durch drastische Senkung der Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge und Ersetzung dieser Einnahmen durch eine höhere Mehrwertsteuer – würde ebenfalls helfen.
Auch die Überschussländer müssen ihr Teil beitragen, auch im eigenen Interesse. Ganz so, wie China eine Aufwertung des Renminbi zulassen muss, braucht Deutschland – dessen Leistungsbilanzüberschuss den Chinas sowohl als Anteil vom BIP und absolut gesehen übersteigt – einen höheren realen Wechselkurs. Dies bedeutet, dass die deutschen Löhne und Gehälter entsprechend der höheren Produktivität in Deutschland steigen müssen, sodass sich die Deutschen mehr Urlaube in Griechenland und Spanien leisten können. Wenn die Unternehmen dabei nicht mitmachen, würde auch eine Einkommensteuersenkung funktionieren.
Dies bringt uns zur Fiskalpolitik. Regierungen, die auf dem Markt nicht günstig (oder überhaupt nicht) an Kredite kommen, haben keine andere Wahl, als den Gürtel enger zu schnallen. Aber sie sollten statt tumber Sparmaßnahmen eine intelligente Konsolidierung verfolgen. So sollten sie ihre Investitionen in Fertigkeiten und Infrastruktur aufrecht erhalten, Subventionen und Transferleistungen dagegen abbauen. Sie sollten außerdem jetzt die gesetzlichen Grundlagen für künftige Reformen schaffen, insbesondere um die Menschen zu ermutigen, länger zu arbeiten.
Und schließlich sollten Länder, die zu beispiellos niedrigen Zinsen Geld aufnehmen können – zu 0% Realverzinsung über zehn Jahre im Falle Deutschlands – ihre Rolle bei der Stützung der Nachfrage spielen. Ist für Deutschland eine Mehrwertsteuersenkung vor den Bundestagswahlen im kommenden Jahr wirklich so schwer vorstellbar?


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Val Samonis
To me this agenda looks like the forgotten EU Growth and Stability Pact, just wishful thinking. We first should start thinking about the fundamentals, e.g. just how in the world we should arrive at the opimum currecy area(s) in Europe. The Eurozone is not one.
Zsolt Hermann
There is only one problem with the growth initiative: no more growth is possible.
We still stubbornly try to kick the horse which is on the ground unable to stand up any more.
Our whole economic model is based on over the top production and consumption, basically tricking the consumers to buy until they drop with brainwashing marketing through media and social pressure, as a result they have to work like slaves and on top of it take credits they cannot pay back, in order to finance the excessive, unnecessary and harmful consumption, as we learn from the example of Apple for example this the production is still based on "slave work", thus in this system both the workers, and the customers become slaves of the system for things they do not even need or want, we also exhaust all our natural resources, and we can go and on.
This is all compounded by us becoming a global network, where we each depend on each other, our interests overlap on multiple levels, when I bite from an apple it is someone else's apple, China cannot move ahead or have their own currency valuation without hurting the US, and everybody else, the breakneck growth (while it lasts) in China and India causes terrible environmental consequences for all of us.
Still the public is becoming more amd more aware of the inequalities, the Matrix they have been forced into in order to produce inreacing profit for a small minority, even in the Middle East and China the public does not want to accept their situations any more not even against military pressure.
All together we have a total system failure, growth is not possible any more regardless of the stubborn reactions we might think of.
We have only one viable option: return to necessity and resource based economical model, and to facilitate it we need a completely new social and political structure based on true global ideology, mutual responsibility and equal distribution.
Anything else will just increase the crisis and the suffering for all of us leading to unpredictable, volatile consequences.
If we follow the facts and the laws governing integral, interconnected systems, a single, united Humanity has unlimited potential.
Francisco Alves
Theoretically this is all fine and dandy, now what happens when the problem resides with the government itself and with private and public management. In my country whatever party is elected is completely oblivious to how to manage it. Public spending is cut, yes, but only for the poor and middle class. The rest stays the same. companies prefer to let go skilled employees, thus affecting quality of their products or services rendered. In my country the government does not know the meaning of "planning for the future". And then outsiders still have the cheek to tell me I need to work more. If somehow managers got it into their heads that the profits are to be reinvested in the company and employees and not on expensive cars and fancy events, maybe we´d be a little better off.